Euro-Office, Europäische

Euro-Office 1.0: Europäische Alternative zu Microsoft 365 startet

09.06.2026 - 08:35:19 | boerse-global.de

Die neue Büro-Suite Euro-Office 1.0 soll Europas digitale Unabhängigkeit voranbringen – doch die Open-Source-Gemeinde ist gespalten.

Euro-Office 1.0 Start: Europäische Büro-Suite als Microsoft-Alternative
Euro-Office - A glowing open book with data streams, symbolizing open-source software and digital information, set against a subtle European map. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die neue Büro-Suite Euro-Office 1.0 soll Europas digitale Unabhängigkeit voranbringen – doch die Open-Source-Gemeinde ist gespalten.

Am heutigen Dienstag ist mit Euro-Office 1.0 eine webbasierte Büro-Suite an den Start gegangen, die als europäische Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace positioniert ist. Das Projekt wird von einem Bündnis europäischer Tech-Unternehmen getragen – darunter Nextcloud, IONOS, Open-Xchange und Eurostack. Doch schon vor der Veröffentlichung gab es heftige Kritik.

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Streit um die europäische Open-Source-Geschichte

Die Document Foundation (TDF) – die Organisation hinter LibreOffice – veröffentlichte am Montag einen offenen Brief, in dem sie zentrale Behauptungen des Projekts infrage stellt. Besonders stößt der TDF sauer auf, dass Euro-Office als „erste in Europa entwickelte Open-Source-Büro-Suite" vermarktet wird.

TDF-Vorstandsmitglied Italo Vignoli widerspricht dieser Darstellung entschieden. Er verweist auf eine lange Tradition europäischer Beiträge: Bereits 2001 wurde OpenOffice.org auf den Weg gebracht, 2010 folgte mit LibreOffice ein weiteres europäisches Flaggschiff-Projekt. Die TDF entwickelt LibreOffice unabhängig weiter – erst am 5. Juni erschien LibreOffice 26.2.4 mit rund 50 Fehlerkorrekturen. Der Support für die stabile serie 25.8 endet am 12. Juni, die nächste Hauptversion ist für Ende August angekündigt.

Grundsatzkritik am Dateiformat

Der schwerwiegendste technische Vorwurf: Euro-Office setzt standardmäßig auf Microsofts OOXML-Format (DOCX, XLSX). Aus Sicht der TDF wird damit genau jene Abhängigkeit zementiert, die das Projekt eigentlich aufbrechen will.

„Wer OOXML zum Standard macht, spielt Microsoft in die Hände", argumentieren die Kritiker. Wahre digitale Souveränität erfordere das Open Document Format (ODF) – ein herstellerunabhängiger, internationaler Standard. Nur so lasse sich der „Lock-in"-Effekt verhindern, mit dem dominierende Anbieter ihre Nutzer an sich binden.

Nextcloud-CEO Frank Karlitschek reagierte auf die Kritik: Volle ODF-Unterstützung sei für eine künftige Version geplant.

Technische Basis und offene Fragen

Euro-Office 1.0 ist ein Fork von ONLYOFFICE und steht unter der AGPLv3-Lizenz auf GitHub zum Download bereit. Die Suite bietet browserbasierte Editoren für Dokumente, Tabellen und Präsentationen mit Fokus auf Echtzeit-Zusammenarbeit. Sie ist bereits in Nextcloud Hub 26 Spring und IONOS Managed Nextcloud integriert.

Die aktuelle Version läuft ausschließlich im Webbrowser. Für die Zukunft sind Desktop- und Mobile-Apps angekündigt.

Allerdings belastet ein Lizenzstreit den Start: Vertreter von ONLYOFFICE hatten bereits Bedenken geäußert, die Nutzung ihres Codes in Euro-Office könnte gegen Open-Source-Lizenzbedingungen verstoßen.

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Der größere Kontext: Europas Weg aus der US-Abhängigkeit

Der Launch von Euro-Office fällt in eine Zeit intensiver Bemühungen, amerikanische Software durch lokale Alternativen zu ersetzen. Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem der US CLOUD Act und die FISA-Regelungen, die US-Behörden Zugriff auf Daten von amerikanischen Unternehmen gewähren – unabhängig vom Speicherort.

Konkrete Beispiele gibt es bereits: Das Europäische Parlament nutzt die Suchmaschine Qwant, die französische Regierung setzt auf eigene Tool-Suiten. Am 3. Juni kündigte die EU zudem ein Tech-Sovereignty-Paket an, das nicht-europäische Cloud-Anbieter von sensiblen Datenverträgen ausschließen soll.

Analysten halten eine vollständige Abkopplung von US-Technologie zwar für unwahrscheinlich. Doch Projekte wie Euro-Office zeigen: Der Wille zu einer eigenständigen digitalen Infrastruktur ist da – auch wenn der Weg dorthin steinig ist.

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