Euro-Office 1.0: Europäische Allianz startet Kampf gegen Microsoft
12.06.2026 - 12:56:06 | boerse-global.de
Seit dem 11. Juni 2026 ist Euro-Office 1.0 verfügbar – eine Open-Source-Office-Suite, die als direkte Konkurrenz zu den Cloud-Diensten von Microsoft und Google antritt. Entwickelt wurde die Plattform von einem Konsortium um Nextcloud, IONOS, Proton, XWiki, OpenProject und Open-Xchange.
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Technische Basis und Integration
Die Veröffentlichung von Euro-Office 1.0 fiel mit dem Launch von Nextcloud Hub 26 Spring am 10. Juni 2026 zusammen. Die neue Office-Suite fungiert als zentrales Online-Bearbeitungstool innerhalb der Hub-Umgebung und ersetzt frühere Lösungen wie Collabora. Technisch basiert das Projekt auf einem Fork von ONLYOFFICE und steht unter der AGPLv3-Lizenz. Unterstützt werden gängige Formate wie DOCX, XLSX, PPTX sowie PDF und verschiedene offene Dokumentenformate.
Auf dem Nextcloud Summit in München betonten die Entwickler diese Woche, dass die Software für den Online-Einsatz produktionsreif sei. Native Desktop- und Mobile-Anwendungen befinden sich dagegen noch in der Entwicklung. Der übergeordnete Nextcloud Hub 26 bringt zudem Enterprise-Features mit: ein Governance-Hub mit Sensitivitätskennzeichnungen, ein Compliance-Manager sowie einen erweiterten KI-Assistenten, der die Anforderungen des EU AI Acts erfüllen soll.
Kritik an der Codebasis
Trotz des Anspruchs, eine europäische, souveräne Lösung zu bieten, steht Euro-Office sofort in der Kritik. Eine Analyse von Cybernews vom 11. Juni 2026 zeigt: Das Projekt ist weiterhin stark von seinen ursprünglichen Entwicklern abhängig. Demnach stammen 98,6 Prozent des Dokumenten-Engine-Codes und 99,2 Prozent des Live-Service-Codes von Entwicklern in russischen Zeitzonen.
Der Fork von ONLYOFFICE Version 9.3.1 aus dem März 2026 habe bislang nur 184 eigene Änderungen implementiert – verglichen mit rund 370 Updates aus dem Ursprungsprojekt. Sicherheitsforscher äußerten zudem Bedenken wegen eines Android-Bundles, das offenbar von einer ungeprüften Cloud-Ressource stammte.
Streit um die richtigen Formate
Auch aus der Open-Source-Community kommt Gegenwind. Die Document Foundation, Organisation hinter LibreOffice, kritisierte, dass sich Euro-Office primär auf Microsofts OOXML-Formate konzentriere – statt auf das offene Open Document Format (ODF). Das Konsortium verspricht zwar ODF-Unterstützung für künftige Updates. Kritiker halten dagegen: Die aktuelle Abhängigkeit von proprietären Standards untergrabe das Ziel vollständiger digitaler Unabhängigkeit.
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Wettbewerb belebt das Geschäft
Während Euro-Office an den Start geht, ruhen die Konkurrenten nicht. Bereits am 8. Juni 2026 veröffentlichte ONLYOFFICE DocSpace 3.7 – mit neuen KI-Integrationen, die es Nutzern erlauben, Chat-Ergebnisse direkt in Dokumente zu exportieren. Neu dabei: KI-Anbieter wie xAI und Google Gemini.
Auch im Mobilsektor tut sich etwas. Am 11. Juni 2026 brachte Murena /e/OS 4.0 heraus – mit einem optimierten Migrations-Tool für Nutzer, die von Google-Diensten wechseln möchten. Und OpenProject gab am 10. Juni eine Partnerschaft mit der Beratungsfirma msg bekannt. Ziel: die Migration öffentlicher Verwaltungsabläufe auf souveräne Open-Source-Projektmanagementsysteme.
