Euro-Office 1.0: 80.000 Downloads für neue Open-Source-Bürosuite
12.06.2026 - 02:12:05 | boerse-global.de
0 eine Open-Source-Alternative zu US-Diensten gestartet. Die neue Bürosoftware soll die digitale Souveränität Europas stärken.
Strategische Allianz für digitale Unabhängigkeit
Am 9. Juni 2026 veröffentlichte ein Bündnis aus Nextcloud, IONOS, Proton, XWiki, OpenProject und Tuta die erste Version von Euro-Office. Die Software basiert auf einer Abspaltung (Fork) von ONLYOFFICE und steht unter der AGPL-3.0-Lizenz – einer der strengsten Open-Source-Lizenzen, die Transparenz und Offenheit garantiert.
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Das Projekt ist mit 12 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre finanziert. Ziel ist eine sichere, selbst gehostete Umgebung für öffentliche und private Organisationen in ganz Europa. Die Suite bietet browserbasierte Editoren für Dokumente, Tabellen und Präsentationen sowie PDF-Funktionen und Echtzeit-Zusammenarbeit.
Für Unternehmen, die keine eigene Infrastruktur betreiben wollen, gibt es kommerzielle Hosting-Dienste über die Gesellschaft Office EU, verwaltet von EUfforic Europe BV.
Integration und erste Erfolge
Der Launch fällt mit der Veröffentlichung von Nextcloud Hub 26 Spring am 10. Juni zusammen. Euro-Office 1.0 ist dort als native Alternative zu Lösungen wie Collabora Online integriert. Neue Funktionen wie Sensitivitätskennzeichnungen, Legal Hold und Compliance-Tools richten sich gezielt an regulierte Branchen.
Die Nachfrage ist beachtlich: In der ersten Woche verzeichnete die Software 80.000 Downloads. Die Stadt München hat angekündigt, bis 2027 rund 5.000 Mitarbeiter auf die neue Plattform umzustellen. Nextcloud erwartet in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum des dazugehörigen App-Ökosystems.
Geopolitische Motive und technische Realität
Der Schritt, ONLYOFFICE abzuspalten, ist politisch motiviert. Die ursprüngliche Software hat russische Wurzeln – ein Risiko, das europäische Entwickler nicht länger eingehen wollten. „Wir brauchen die Kontrolle über kritische Produktivitätsinfrastruktur", heißt es aus dem Konsortium.
Doch die technische Unabhängigkeit ist noch nicht erreicht. Aktuelle Analysen zeigen: Über 98 Prozent des Dokumentenmoduls und mehr als 99 Prozent des Live-Service-Codes stammen noch aus der ONLYOFFICE-Vorlage. Kritiker bemängeln zudem Sicherheitsbedenken bei mobilen Komponenten, die aus externen Cloud-Quellen geladen werden.
Format-Streit spaltet Open-Source-Gemeinde
Ein Grundsatzstreit entzündet sich am Dokumentenformat. Euro-Office 1.0 setzt auf Microsofts OOXML (Office Open XML) als nativen Standard – ein Zugeständnis an Unternehmen, die von US-Software migrieren.
Die Document Foundation, Betreiberin von LibreOffice, kritisierte diesen Schritt scharf. Das Festhalten am Microsoft-Format untergrabe die digitale Souveränität und schaffe eine „faktische Allianz mit dem Marktführer". Die Euro-Office-Entwickler rechtfertigen die Entscheidung als pragmatische Übergangslösung. Das langfristige Ziel sei die Unterstützung des offenen Standards ODF (Open Document Format).
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Ausblick: Mobile Apps und Sommer-Update
Die aktuelle Version ist rein webbasiert. Mobile und Desktop-Anwendungen befinden sich in Entwicklung. Für den Sommer 2026 ist die Integration in IONOS Managed Nextcloud und den IONOS Nextcloud Workspace geplant. Das nächste große Update soll zudem die ODF-Unterstützung verbessern – eine direkte Reaktion auf die Kritik aus der Open-Source-Community.
