EUDI-Wallet: Deutschlands digitale ID startet am 2. Januar 2027
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hält am Starttermin für die europäische Digital-Identitäts-App fest: Am 2. Januar 2027 soll die EUDI-Wallet an den Start gehen – trotz offener technischer und rechtlicher Fragen. Das milliardenschwere Prestigeprojekt soll künftig Ausweise, Führerschein und weitere Dokumente digital auf dem Smartphone verfügbar machen.
Finanzrahmen und technische Umsetzung
Die Entwicklung der EUDI-Wallet verschlingt erhebliche Summen. Für den Zeitraum von 2023 bis 2026 hat der Bund 79,3 Millionen Euro eingeplant. Bis 2028 sollen die Gesamtkosten auf 135 Millionen Euro steigen. Zum Vergleich: Die Entwicklung des ELSTER-Steuerportals kostete den Steuerzahler in Spitzenzeiten rund 100 Millionen Euro – die digitale Identität liegt damit in einer ähnlichen Größenordnung.
Die Wallet soll digitale Versionen des Personalausweises und des Führerscheins speichern. Eine elektronische Signaturfunktion ist für einen späteren Zeitpunkt geplant. Um Transparenz zu gewährleisten, setzt die Regierung auf Open-Source-Code. Zudem betont sie: Eine zentrale Speicherung von Nutzerdaten wird es nicht geben. Rund 200 Testanwendungen dienen derzeit der Feinjustierung des Systems.
Bundesinnenministerin Wildberger bezeichnete die Wallet als „Prestigeprojekt“ der Regierung – ein Signal, dass man trotz aller Kritik am Zeitplan festhalten will.
Rechtliche Baustellen und Datenschutzbedenken
Trotz des fixen Startdatums wächst die Skepsis. Experten bemängeln, dass die rechtliche Grundlage – das Digitale-Identitäts-Gesetz (DIdG) – noch nicht vollständig steht. Ohne dieses Fundament drohen Unsicherheiten bei der Nutzung und Haftung.
Sicherheitsforscher und Datenschützer haben mehrere kritische Punkte identifiziert:
- Fehlende Zero-Knowledge-Proofs: Diese Technik würde es Nutzern erlauben, ihr Alter oder ihre Identität nachzuweisen, ohne unnötige persönliche Daten preiszugeben. Bislang fehlt dieser Schutzmechanismus.
- Tracking-Risiken: Es bestehen Befürchtungen, dass das System eine Nachverfolgung des Nutzerverhaltens über verschiedene Dienste hinweg ermöglichen könnte.
- Haftungsfragen: Unklar ist, wer bei Systemausfällen oder Sicherheitsvorfällen die Verantwortung trägt.
- Soziale Netzwerke: Diskutiert wird, ob die Wallet künftig für eine verpflichtende Altersverifikation auf Plattformen wie Instagram oder TikTok eingesetzt werden könnte.
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Eingebettet in die große Digital-Offensive
Die EUDI-Wallet ist nur ein Baustein einer umfassenden Digitalisierungsstrategie. Die Koalition plant ein verpflichtendes Bürgerkonto für alle 84 Millionen Einwohner. Das bestehende BundID-System wird dafür zur „DeutschlandID“ ausgebaut – die EUDI-Wallet soll dieses Angebot ergänzen.
Während Deutschland auf Anfang 2027 zielt, gehen andere EU-Staaten eigene Wege. Estland etwa will seine Digital-Identitäts-App „mRiik“ bereits im Sommer 2026 starten – zunächst allerdings nur zur Anzeige von Ausweisdaten, bis weitere Gesetzesänderungen folgen.
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Auch die Zahlungslandschaft verändert sich parallel. Die Europäische Zentralbank bereitet den Pilotbetrieb des digitalen Euro für das dritte Quartal 2026 vor. Ein zwölfmonatiger Praxistest ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant. Der deutsche Bankensektor rüstet sich zudem für die Integration der Girocard in Händler-Apps – erste In-App-Zahlungen sollen im Frühjahr 2027 möglich werden.
Ob der ambitionierte Zeitplan für die EUDI-Wallet hält, bleibt abzuwarten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die rechtlichen Hürden rechtzeitig aus dem Weg geräumt werden können – oder ob das Prestigeprojekt doch noch verschoben werden muss.
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