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EUDI Wallet: 48 Prozent der Deutschen kennen digitale Brieftasche nicht

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 16:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kurz vor dem Pflichtstart der EUDI Wallet ist die Hälfte der Deutschen noch nicht informiert. Umfrage zeigt große Skepsis bei Technik und Datenschutz.

EUDI Wallet: Deutsche vor dem Start noch unsicher
Eine Hand hält ein Smartphone mit einer digitalen Geldbörsen-Oberfläche, die die EUDI-Brieftasche symbolisiert, im Hintergrund eine verschwommene EU-Flagge. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nur sechs Monate vor dem Pflichtstart der europäischen Digital-Wallet ist die Mehrheit der Deutschen noch im Ungewissen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: 48 Prozent der Bundesbürger haben noch nie von der EUDI Wallet gehört. Lediglich 23 Prozent glauben, die Funktionen der digitalen Brieftasche zu verstehen.

Dabei tickt die Uhr unerbittlich: Am 2. Januar 2027 soll der nationale Rollout beginnen. Das Vertrauen in die Umsetzung ist jedoch gespalten. Nur 46 Prozent der Befragten trauen der Bundesregierung zu, das System sicher einzuführen. Das ergab eine Erhebung von ID Now und Sapio Research.

Technikangst und Datenschutz als größte Hürden

Die Skepsis sitzt tief. Knapp drei Viertel der Befragten (73 Prozent) fürchten, dass die Wallet nicht reibungslos über verschiedene Plattformen oder Ländergrenzen hinweg funktioniert. 69 Prozent sorgen sich, dass die Technik im Alltag zu kompliziert sein wird.

Sicherheit und Privatsphäre bleiben die größten Sorgenkinder. Gerade einmal sechs Prozent der Teilnehmer gaben an, überhaupt keine Bedenken zu haben. Ein Lichtblick: 64 Prozent würden die Wallet zur Altersverifikation nutzen – aber nur, wenn sie ihr Alter nachweisen können, ohne zusätzliche persönliche Daten preiszugeben.

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Fahrplan bis zum Start

Entwickelt wird die deutsche EUDI Wallet von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind). Das Projekt startete im Frühjahr 2024. Den Betrieb übernimmt die staatliche Firma Common Code. Die Verantwortlichen zeigen sich zuversichtlich, den Zeitplan einzuhalten.

Die wichtigsten Meilensteine der nächsten Monate:

  • August 2026: Veröffentlichung des Quellcodes mit einem Bug-Bounty-Programm zur Fehlersuche
  • Oktober und November 2026: Pilotphase mit ausgewählten Nutzern für Tests im echten Leben
  • Januar bis März 2027: Dreimonatige Einführungsphase nach dem offiziellen Start

Die Nutzung bleibt freiwillig. Anfangs unterstützt das System den Personalausweis mit PIN. Der digitale Führerschein soll kurz darauf folgen. Beim Altersnachweis an der Supermarktkasse sollen nur Foto, Name und Alter übermittelt werden – die Adresse bleibt geschützt.

Politische Strategie und technische Abhängigkeiten

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger preist die EUDI Wallet als „chirurgisches Werkzeug" für den Bürokratieabbau. Besonders bei der Alterskontrolle in sozialen Medien sieht er Potenzial: Statt eines kompletten Verbots sei die technische Lösung überlegen. Dabei würde nur die Information übermittelt, dass ein Nutzer über einer bestimmten Altersgrenze liegt – nicht das genaue Geburtsdatum.

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Doch während die Politik vorantreibt, warnen Technikexperten vor neuen Abhängigkeiten. Kritiker von Waag Futurelab bemängeln, dass die aktuellen Prototypen auf Sicherheits-APIs von Apple und Google angewiesen sind. Dies könnte das Ziel der europäischen digitalen Souveränität untergraben.

Immerhin: Auf internationaler Ebene gibt es Fortschritte. Pilotprojekte zwischen der EU und Japan haben erfolgreich die Interoperabilität digitaler Brieftaschen für den Austausch akademischer Zeugnisse getestet. Für eine formelle gegenseitige Anerkennung sind jedoch noch weitere völkerrechtliche Abkommen nötig.

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