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EUDI Wallet: 450 Millionen EU-Bürger bis Ende 2026

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 23:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU-weite digitale Brieftasche nimmt Form an: Deutschland plant den Start der DeutschlandID für Anfang 2027, während andere Staaten bereits Pilotprojekte und Ausschreibungen vorantreiben.

EU-weite digitale Brieftasche: Deutschland startet mit eigener ID-Lösung 2027
Ein Smartphone-Bildschirm zeigt eine sichere digitale Identitätsschnittstelle für die Europäische Digitale Identitäts-Brieftasche. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die europäische Digital-Identität nimmt Form an: Bis Ende 2026 müssen alle EU-Staaten ihren Bürgern die elektronische Brieftasche bereitstellen. Deutschland setzt dabei auf einen eigenen Zeitplan und startet Anfang 2027.

Der Fahrplan für die digitale Identität in Europa

Die eIDAS-2.0-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1183) gibt den Takt vor. Seit ihrem Inkrafttreten im Mai 2024 arbeiten die Mitgliedstaaten an den rechtlichen und technischen Grundlagen. Mehr als 450 Millionen Bürger sollen bis zum 31. Dezember 2026 Zugang zu einer digitalen Brieftasche erhalten.

Doch damit nicht genug: Ab dem 24. Dezember 2027 müssen regulierte Branchen wie Banken, Telekommunikationsanbieter und öffentliche Dienste die EUDI Wallet als gültiges Identifikationsmittel akzeptieren. Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass bereits 2026 rund 500 Millionen Smartphone-Nutzer digitale Identitätslösungen verwenden werden.

Ein entscheidender Vorteil des Systems: Die sogenannte selektive Offenlegung. Nutzer können einzelne Merkmale wie Alter oder Wohnsitz nachweisen, ohne ihre kompletten Daten preiszugeben. Das stärkt den Datenschutz erheblich.

Deutschland setzt auf die „DeutschlandID“

Die Bundesregierung hält am nationalen Starttermin 2. Januar 2027 fest. Das Digitale Identitätsgesetz (DIdG) hat im Sommer 2026 das Gesetzgebungsverfahren durchlaufen und schafft die Grundlage für digitale Ausweise, elektronische Aufenthaltstitel und den digitalen Führerschein.

Die Pläne der Koalition sehen vor, das bestehende BundID-System zu einem zentralen Konto mit dem Namen „DeutschlandID" auszubauen. Dieses soll für Bürger zur Pflicht werden – Ausnahmen sind für Menschen ohne digitalen Zugang geplant.

Die finanziellen Mittel sind beträchtlich: Bis 2026 sind 79,3 Millionen Euro Nettoausgaben eingeplant, weitere 135 Millionen Euro sollen bis 2028 in den Ausbau fließen. Ab 2027 soll zudem die GesundheitsID integriert werden. Das Ziel: Bis Ende 2028 der volle Nachweis des Versicherungsstatus über die Wallet.

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Internationale Großprojekte und technische Interoperabilität

Während einige Staaten ihre Gesetze anpassen, sichern sich andere die notwendige Infrastruktur. Griechenland hat ein Ausschreibungsverfahren für ein umfassendes digitales Identitätssystem gestartet. Das Volumen: rund 415,6 Millionen Euro (netto). Die Angebotsfrist läuft bis zum 10. September 2026. Umfasst sind die Ausgabe von Personalausweisen, Reisepässen und ein zentraler „Citizen Identity Hub", der mit den eIDAS-2.0-Standards kompatibel sein soll.

Auch bei der technischen Interoperabilität geht es voran. Auf den EUDIW-Unfold-Sitzungen im Juli 2026 demonstrierte Toppan Security, dass seine Wallet-Lösungen mit der französischen „France Identité" kompatibel sind. Grundlage sind Standards wie ISO/IEC 18013-5 und W3C Verifiable Credentials – entscheidend für die grenzüberschreitende Anerkennung digitaler Ausweise.

Tourismus als Testfeld, EZB plant Integration

Der Tourismus erweist sich als ideales Experimentierfeld. Die spanische Stadt Benidorm startete im Mai 2026 einen Innovationswettbewerb, den das Unternehmen SICPA gewann. Geplant ist ein Pilotprojekt für Hotel-Check-ins: Die EUDI Wallet soll die Registrierung beschleunigen und Wartezeiten verkürzen – bei voller Kontrolle der Gäste über ihre Daten. Mehrere Hotelketten und der regionale Tourismusverband HOSBEC sind beteiligt.

Auch die Europäische Zentralbank schaut in diese Richtung. Die App für den digitalen Euro, deren Pilotphase 2027 beginnen soll, wird erweiterte Barrierefreiheitsfunktionen erhalten. Eine spätere Integration in das EUDI-Wallet-Ökosystem gilt als wahrscheinlich.

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Sicherheitsrisiken und wirtschaftlicher Nutzen

Die zunehmende Verbreitung digitaler Identitäten zieht neue Bedrohungen an. Ein Whitepaper des Unternehmens Shufti warnt vor einem Anstieg von Deepfake-basiertem Identitätsbetrug um 495 Prozent bis Ende 2026. Experten empfehlen eine einheitliche Vertrauensarchitektur, die autoritative Datenquellen mit biometrischer Absicherung und elektronischen Signaturen kombiniert.

Die wirtschaftlichen Vorteile sind ebenfalls beachtlich. Nach internen Regierungsprognosen spart die digitale Identität den Bürgern rund 3,9 Millionen Stunden pro Jahr – ein Gegenwert von 97,5 Millionen Euro. Die Verwaltung könnte sogar über 121 Millionen Euro jährlich einsparen, sobald das System vollständig läuft.

Ob die ambitionierten Zeitpläne halten, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die digitale Identität kommt – die Weichen sind gestellt.

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