EU zwingt Google: Gemini-KI auf 427 Mio. Android-Geräten öffnen
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EU-Kommission verpflichtet Google, seine Gemini-KI auf Android-Geräten für Konkurrenten zu öffnen und Suchdaten zu teilen.
Die beiden verbindlichen Entscheidungen wurden am 16. Juli 2026 auf Basis des Digital Markets Act (DMA) erlassen. Ihr Ziel: fairen Wettbewerb zwischen KI-Assistenten im europäischen Markt sicherzustellen.
Android 18 und 19: Zwangsöffnung für Drittanbieter
Die Kommission verlangt von Google, elf zentrale Android-Funktionen für KI-Assistenten von Drittanbietern zu öffnen. Dazu gehören sprachgesteuerte Aktivierung, die Möglichkeit, Aktionen über verschiedene Apps hinweg auszuführen, sowie Zugriff auf Sensordaten des Geräts.
Der Zeitplan ist ambitioniert. Die meisten Änderungen muss Google mit der Veröffentlichung von Android 18 umsetzen – voraussichtlich im August 2027. Eine zweite Phase folgt mit Android 19 im August 2028: Dann müssen mehrere KI-Assistenten gleichzeitig auf ein Aktivierungswort hören können.
Branchenkenner schätzen, dass diese Änderungen rund 427 Millionen Smartphones in der EU betreffen werden. Bisher sind Tools wie ChatGPT bereits auf etwa 30 Prozent der EU-Smartphones installiert – trotz Googles Plattformdominanz.
Suchdaten: Google muss teilen
In einer zweiten, eigenständigen Entscheidung zwingt die EU-Kommission Google, anonymisierte Suchdaten mit Wettbewerbern zu teilen. Darunter fallen Informationen zu Ranking, Suchanfragen, Klicks und Aufrufen.
Hintergrund: Googles bisherige Angebote zur Datenweitergabe waren nach Einschätzung der Kommission unzureichend – angeblich wurden fast alle eindeutigen Suchanfragen herausgefiltert. Die neuen Teilungsregeln sollen ab November 2026 greifen, die vollständige Umsetzung ist für Januar 2027 geplant.
Wichtig: Die Daten dürfen nicht zum Training allgemeiner KI-Modelle verwendet werden, sondern nur zur Verbesserung der Such- und Abruffähigkeiten von Wettbewerbern. Google hält in der EU derzeit einen Suchmarktanteil von über 90 Prozent.
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Googles Widerstand und Sicherheitsbedenken
Die Konzernführung reagiert alarmiert. Kent Walker, Googles oberster Rechtsvertreter, warnt: Die erzwungene Öffnung von Systemzugriffen könne Datenschutz und nationale Sicherheit gefährden. Samir Samat, Chef des Android-Geschäfts, sieht die Plattform in eine falsche Richtung steuern.
Der Konflikt steht exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen der EU und großen Technologiekonzernen. Apple hat kürzlich die Einführung neuer Siri-KI-Funktionen in Europa zurückgehalten – aus Sorge, DMA-Interoperabilitätsauflagen würden die Nutzersicherheit gefährden.
Auch künftige Hardware ist betroffen. Samsung plant den Start seiner Galaxy Glasses (Codename „Jinju“) für den 22. Juli 2026. Die Datenbrille nutzt Gemini als primäre Schnittstelle, läuft aber auf Android-Basis – und muss daher irgendwann die EU-Auflagen erfüllen.
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Durchsetzung und Marktfolgen
Die EU-Kommission hat scharfe Waffen. Bei Verstößen gegen den DMA drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, bei Wiederholung sogar 20 Prozent. Google wird voraussichtlich Klage einreichen – doch ein Einspruch setzt die Umsetzungspflicht nicht außer Kraft.
Der Druck kommt nur wenige Wochen, nachdem der Europäische Gerichtshof am 2. Juli 2026 eine Rekordstrafe von 4,125 Milliarden Euro gegen Google bestätigt hatte – wegen alter Android-Geschäftspraktiken.
Die EU-Öffnung zeigt bereits lokale Wirkung: Meta musste nach einer Zwischenverfügung die WhatsApp-Schnittstellen für KI-Assistenten von Drittanbietern im Europäischen Wirtschaftsraum wieder öffnen. Nutzer können dort nun wieder Tools wie ChatGPT direkt in den Messenger integrieren.
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