Künstliche Intelligenz, EU-Kommission

Strafburg KI-Kurs: Ursula von der Leyen bremst Frontier-Modelle und stellt sich gegen Trump

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 11:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt auf eine Verlangsamung bei hochentwickelter Künstlicher Intelligenz und positioniert sich damit klar gegen US-Präsident Donald Trump. Sie kündigt neue Kooperationen, Investitionen und Initiativen für sichere KI in Schlüsselbranchen an.

Führende Branchenvertreter fordern ein langsameres Tempo bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. (Symbolbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Führende Branchenvertreter fordern ein langsameres Tempo bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. (Symbolbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz weniger Tempo und stellt sich damit offen gegen die Haltung von US-Präsident Donald Trump.

Von der Leyen warnt vor Risiken hochentwickelter KI

In ihrer Rede zur Lage der Union in Straßburg hob von der Leyen die Risiken fortschrittlicher KI-Modelle hervor und kündigte an, die wichtigsten Labore zu Gesprächen einzuladen. Diskutiert werden soll, wie Europa die Industrie unterstützen kann, bei der Entwicklung einen Gang zurückzuschalten. Trump hatte die Gefahren zuvor heruntergespielt und erklärt, derzeit sei eine „kranke Verschwörung“ gegen KI im Gange.

Branchenchefs mahnen zur Verlangsamung

Zuletzt hatten führende Köpfe der KI-Branche vor der Technologie gewarnt. Anthropic-Chef Dario Amodei forderte eine Verlangsamung des Entwicklungstempos, da er besorgt ist, ein KI-Schwarm könne das gesamte Internet übernehmen und potenziell Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar verursachen. Von der Leyen knüpfte daran an und sagte: „Wenn die Entwickler der Technologie sich so klar äußern, dann sollten wir das auch.“

Fokus auf Frontier-Modelle und internationale Kooperation

Die Kommissionspräsidentin betonte, ohne Auseinandersetzung mit den Risiken lasse sich das Potenzial der KI nicht freisetzen. Im Zentrum stehen dabei sogenannte Frontier-Modelle an der Grenze des technisch Machbaren, die sich nicht mehr allein durch Programmierung, sondern auch eigenständig durch Training weiterentwickeln. Von der Leyen kündigte an, mit gleichgesinnten Partnern wie Kanada und dem Vereinigten Königreich bei Modellbewertung, Verifizierung, Frühwarnung und KI-Sicherheit zusammenzuarbeiten.

Mehr Rechenkapazität und Investitionen in Europa

Die EU-Kommission will zudem Vorschläge vorlegen, wie die europäische Rechenkapazität gesteigert werden kann. Dazu sollen neue Wege entwickelt werden, um öffentliche und private Mittel in vielversprechende Unternehmen zu lenken. Ziel ist, die technologische Basis für sichere und leistungsfähige KI-Entwicklungen in Europa zu stärken.

Geplante KI-Initiativen für Schlüsselbranchen

Im November plant von der Leyen darüber hinaus bedeutende Initiativen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schlüsselbranchen. Das größte Potenzial sieht sie in industrieller KI für Gesundheit, Verkehr, Landwirtschaft und Lebensmittel, moderne Produktion sowie Verteidigung und Weltraum.

Mensch soll Kontrolle über KI behalten

„Wir wollen, dass die KI einen Mehrwert schafft“, betonte die deutsche Politikerin. Dies solle verantwortungsvoll, zu niedrigeren Kosten und mit geringerem Energieverbrauch geschehen. Vor allem aber soll aus ihrer Sicht der Mensch das Heft in der Hand behalten: KI solle unterstützen, nicht Menschen ersetzen.

Europas Kurs bei KI zwischen Chancen und Risiken

Die Rede von Ursula von der Leyen zur Lage der Union setzt einen klaren Schwerpunkt auf Sicherheitsfragen bei Künstlicher Intelligenz. Während viele Unternehmen auf immer leistungsfähigere Systeme drängen, legt die EU-Kommission den Fokus auf sogenannte Frontier-Modelle, die sich an der Grenze des heute technisch Machbaren bewegen. Diese Systeme sind nicht nur Werkzeuge, sondern hochkomplexe Modelle, die durch Training immer selbstständiger werden und daher besondere Anforderungen an Kontrolle und Aufsicht stellen.

Spannungslinie zwischen Regulierung und Innovationsdruck

Indem von der Leyen eine Verlangsamung des Tempos und engere Kooperation mit KI-Laboren ins Spiel bringt, stellt sie sich bewusst gegen die Linie von US-Präsident Donald Trump, der von einer „kranken Verschwörung“ gegen KI spricht. Damit prallen zwei politische Leitbilder aufeinander: ein stärker sicherheitsorientierter, regulierender Ansatz in Europa und ein eher wachstums- und technikgetriebener Kurs in Teilen der USA. Für Unternehmen in der EU bedeutet das, dass künftige KI-Großprojekte noch stärker an Sicherheitsstandards, Bewertungsverfahren und Frühwarnsysteme gekoppelt werden dürften.

Folgen für Bürger, Wirtschaft und globale Zusammenarbeit

Von der geplanten Zusammenarbeit mit Partnerländern wie Kanada und dem Vereinigten Königreich sowie von Initiativen zur europäischen Rechenkapazität und Investitionsförderung könnten mittelfristig neue Förderprogramme und Infrastrukturprojekte ausgehen. Für Bürger und öffentliche Einrichtungen stehen dabei Anwendungen in Gesundheit, Verkehr oder Landwirtschaft im Vordergrund, die Leistungsfähigkeit und Effizienz steigern sollen, ohne menschliche Entscheidungen zu ersetzen. Der Anspruch, dass „der Mensch das Heft in der Hand behält“, unterstreicht den Versuch, KI als unterstützende Technologie zu etablieren und zugleich Risiken wie unkontrollierte Verbreitung oder großflächige Schäden frühzeitig einzudämmen.

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