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EU Kids Act: Soziale Medien für unter 13-Jährige bald verboten

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 08:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sexualisierte Inhalte belasten Schüler, während Brüssel neue Plattformregeln plant und Deutschland schärfer gegen Deepfakes vorgehen will.

Schulchats im Fokus: EU plant strengeren Schutz für Minderjährige
Ein leerer, modern gestalteter Klassenraum mit Holztischen und Stühlen bei natürlichem Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

In schulischen Messenger-Gruppen zirkulieren zunehmend sexualisierte Inhalte, Gewaltvideos und KI-manipulierte Bilder. Auf diese bedenkliche Entwicklung weisen Experten des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) in Stuttgart sowie der Beratungsplattform Juuuport hin, wie Berichte vom 18. September 2026 zeigen. Die digitalen Klassenräume und Chatgruppen geraten damit verstärkt ins Visier von Jugendschützern und der Politik.

Alarmierende Zahlen unter Schülern

Die Dimensionen der Übergriffe im digitalen Raum sind nach Angaben der Fachleute beträchtlich. Nach Erhebungen des LMZ Stuttgart sind sechs von zehn Mädchen in sechsten Klassen von ungefragt zugesandten Nacktbildern, sogenannten Dickpics, betroffen.

Bei der Online-Beratungsplattform Juuuport gehen monatlich 250 bis 300 Anfragen von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie Kindern von 10 bis 13 Jahren ein. Rund 35 ehrenamtliche Scouts bearbeiten diese Hilferufe zu Belästigungen und Gewalt im Netz.

Parallel dazu fordern Verbände eine grundlegende Reform der schulischen Medienbildung. Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) und das Deutsche Kinderhilfswerk mahnen jährlich mindestens 800 Millionen Euro für diesen Bereich an.

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Eine GMK-Umfrage aus dem Jahr 2026 verdeutlicht das Defizit: Rund 90 Prozent der Befragten bewerten die Medienbildung an Schulen als schlecht oder sehr schlecht.

Zwei Drittel fordern, die Hauptverantwortung dafür in die Hände von ausgebildeten Medienpädagogen zu legen. Als Gründe für den Missstand nennt die GMK unzureichende Lehrkräftequalifikationen, fehlende Verankerungen in den Lehrplänen sowie generellen Personalmangel.

Brüssel plant drastische Beschränkungen für Plattformen

Auf europäischer Ebene soll der Schutz von Minderjährigen im Internet nun gesetzlich verschärft werden. Die EU-Kommission plant, dass Plattformen künftig einen Sicherheitsnachweis erbringen müssen, bevor Minderjährige Zugang erhalten.

Ein vorgelegter, 99-seitiger Entwurf für einen sogenannten EU Kids Act sieht weitreichende Beschränkungen vor: Kindern unter 13 Jahren soll der Zugang zu sozialen Medien gänzlich untersagt werden. Für 13- und 14-Jährige sind lediglich von Eltern verwaltete Konten mit Zeitlimits – maximal eine Stunde Nutzung pro Tag – vorgesehen.

Zudem sollen KI-Chatbots für Minderjährige deaktiviert oder standardmäßig abgeschaltet werden. Auch Funktionen wie endloses Scrollen, nächtliche Push-Nachrichten sowie Fremdkontakte sollen eingeschränkt werden.

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Kamera, Mikrofon und Standortfreigaben müssen standardmäßig ausgeschaltet bleiben; eigene reguläre Konten wären erst ab 15 Jahren gestattet. Die Plattformen stünden in der Pflicht, dieses jugendgerechte Sicherheitsdesign nachzuweisen, wozu auch ein Altersnachweis für alle Nutzer gehört.

Kritik an den technischen Hürden äußert die Bürgerrechtsorganisation EDRi: Deren Einschätzung nach sind die Systeme für verlässliche Alterskontrollen derzeit noch nicht einsatzbereit.

Die ÖDP-Europaabgeordnete Manuela Ripa (EVP-Fraktion) hält eine Altersgrenze von 13 Jahren unter Umständen für zu niedrig und drängt auf eine strikte Durchsetzung gegenüber den großen Tech-Konzernen. Die parlamentarischen Beratungen im Europäischen Parlament und im Rat der Mitgliedstaaten laufen derzeit noch.

Reaktionen aus Verbänden und Politik

Unterstützung erhält das Brüsseler Vorhaben vom Deutschen Caritasverband, der eine rasche Umsetzung sowie flankierende nationale Schritte für digitale Teilhabe und Jugendschutz anmahnt. Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa unterstrich, Schutz und Befähigung müssten zusammengehören.

Plattformbetreiber müssten zu Transparenz bezüglich ihrer Algorithmen verpflichtet werden, zudem gelte es, Verstöße wirksam zu sanktionieren und rechtswidrige Inhalte schneller zu entfernen.

Auch die Bundespolitik forciert Maßnahmen gegen digitale Übergriffe. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kündigte auf dem KI-Festival Big Bang, das vom 16. bis 17. September mit 11.400 Gästen stattfand, ein schärferes Vorgehen gegen Deepfakes an. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle zeitnah ins Bundeskabinett eingebracht werden.

Ziel sei es, dass Betroffene Verantwortliche identifizieren, manipulierte Inhalte zügig löschen und Konten auf gerichtlichem Weg sperren lassen können. Auf Unternehmensseite forderte Microsoft die Einführung eines verbindlichen Verhaltenskodex für künstliche Intelligenz.

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