EU-Deepfakes, Abgeordnete

EU-Deepfakes: 119 Abgeordnete fordern schärferes Vorgehen gegen Nudifier-Apps

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 18:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein fraktionsübergreifender Appell verlangt die Durchsetzung bestehender EU-Regeln und zusätzliche Maßnahmen gegen sexualisierte Deepfakes.

119 EU-Abgeordnete fordern schärferes Vorgehen gegen KI-Deepfakes
Die moderne Fassade eines europäischen Regierungsgebäudes bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Insgesamt 119 Abgeordnete des Europäischen Parlaments aus verschiedenen demokratischen Fraktionen haben sich einem fraktionsübergreifenden Appell gegen die Verbreitung sexualisierter KI-Deepfakes angeschlossen.

In einem Brief der Fraktion Grüne/EFA an die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten fordern die Parlamentarier verstärkte Maßnahmen gegen die missbräuchliche Nutzung künstlicher Intelligenz zur Erstellung pornografischer Inhalte ohne Zustimmung der Betroffenen.

Forderungen nach konsequenter Durchsetzung bestehender Regeln

Die Initiatoren des Schreibens, Terry Reintke und Lena Schilling von den Grünen, drängen insbesondere auf eine strikte Anwendung des Verbots sogenannter Nudifier-Apps ab dem 2. Dezember 2026. Diese Anwendungen ermöglichen es, Personen auf Fotos mittels KI digital zu entkleiden.

Darüber hinaus verlangt die Abgeordnetengruppe die konsequente Durchsetzung des Digital Services Act (DSA) gegenüber Online-Plattformen und Suchmaschinen sowie eine Beschleunigung laufender Verfahren.

Behörden sollen nach dem Willen der Unterzeichner künftig verstärkt als zentrale Kontroll- und Anlaufstellen fungieren. Zudem wird die rasche Umsetzung der EU-Richtlinie gegen Gewalt an Frauen gefordert. Als konkreten Anlass für den Appell nennen die Initiatoren eine Untersuchung von AGORA Digitale Transformation. Dieser Studie zufolge wurden europaweit 147 Abgeordnete auf Deepfake-Webseiten identifiziert, wobei 138 der Betroffenen Frauen sind.

Kritik an mangelnder Wirksamkeit von Bußgeldern

Auch aus anderen Fraktionen kommt Unterstützung für eine Verschärfung der Gangart. Die SPD-EU-Abgeordnete Birgit Sippel sprach sich für eine konsequentere Anwendung des EU-AI-Acts aus. Während Artikel 5 Nudifier-Apps verbiete und Artikel 50 eine Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte vorsehe, reiche ein reines Verbot laut Sippel nicht aus. Sie forderte ergänzende strafrechtliche Maßnahmen.

Kritik übte die Abgeordnete an der aktuellen Praxis der Bußgelder, da Provider diese häufig nicht zahlen würden. Für den Fall einer anhaltenden Missachtung der Regeln schlug sie einen einjährigen Ausschluss der betreffenden Anbieter vom EU-Markt vor.

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Zudem thematisierte sie steuerliche Aspekte und forderte eine Digitalsteuer für den EU-Haushalt, da große Technologiekonzerne außerhalb Irlands kaum Steuern entrichten würden. Seitens der EU-Kommission stellte Präsidentin von der Leyen zudem die Planung eines sogenannten „Kids Act“ in Aussicht.

Massive Zunahme geschlechtsspezifischer Online-Gewalt

Die Dimension des Problems wird durch internationale Daten untermauert. Nach Angaben von UN Women entfallen etwa 90 bis 95 Prozent aller Online-Deepfakes auf nicht-einvernehmliche pornografische Bilder, wobei rund 90 Prozent der Opfer Frauen sind. Andere Erhebungen gehen davon aus, dass sogar 96 Prozent des KI-Materials im Internet sexuell expliziter Natur ist und in 99 Prozent der Fälle Frauen zeigt.

Besonders betroffen sind Frauen in der Öffentlichkeit. Eine Analyse zeigt, dass 138 europäische Politikerinnen auf Deepfake-Porno-Seiten erscheinen, wobei die Wahrscheinlichkeit einer digitalen Manipulation mit der Höhe der politischen Position zunimmt. Lena Schilling gab an, selbst von solchen Deepfakes betroffen zu sein.

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Compliance-Experten warnen davor, die Tragweite der neuen KI-Gesetzgebung zu unterschätzen, da bei Verstößen empfindliche Strafen drohen. Sichern Sie sich jetzt den kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act inklusive aller relevanten Übergangsfristen für Ihr Unternehmen. Kostenlosen KI-Leitfaden jetzt herunterladen

In anderen Ländern wurden bereits rechtliche Konsequenzen gezogen. Im Vereinigten Königreich ist die Erstellung nicht-einvernehmlicher Deepfake-Intimbilder seit Februar 2026 nach dem Section 138 Data (Use and Access) Act 2025 strafbar.

Dortige Fälle wie die der Moderatorin Narinder Kaur oder der Abgeordneten Jess Asato verdeutlichen den Druck auf Betroffene: Die Dozentin Jill Salt verzichtete aufgrund von Deepfake-Material sogar auf eine Wiederwahl zum Biddulph Town Council.

Fachleute wie Josie Christodoulou, die zyprische Kommissarin für Geschlechtergleichstellung, warnen zudem davor, dass KI-Modelle menschliche Vorurteile und Geschlechterstereotype reproduzieren. Da Modelle mit Daten trainiert werden, in denen Stereotypen verankert sind, verstetigen sich diese in der Anwendung.

Als eine Ursache hierfür gilt unter anderem die deutliche Unterrepräsentation von Frauen im Technologiesektor. Die Organisation Hope For Children CRC Policy Center fordert angesichts dieser Entwicklungen verstärkte digitale Bildung und eine kontinuierliche menschliche Aufsicht über KI-Systeme.

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