Essstörungen, Wartezeiten

Essstörungen: Wartezeiten auf Therapie steigen auf 32,5 Wochen

02.07.2026 - 21:11:13 | boerse-global.de

Wartezeit auf ambulante Psychotherapie bei Essstörungen steigt auf 32,5 Wochen. Neue Studie testet Familienbasierte Therapie als Alternative.

Essstörungen bei Jugendlichen: Wartezeiten auf Therapieplätze steigen drastisch
Essstörungen - Eine junge Person hält eine kleine Pflanze, mit verschwommenen Familienmitgliedern im Hintergrund, die Unterstützung symbolisieren. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Essstörungen steigt rasant – doch der Zugang zu Behandlung wird immer schwieriger. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen ambulanten Psychotherapieplatz ist auf 32,5 Wochen gestiegen.

Alarmierende Zahlen

Der DAK-Report 2024 zeigt: Bei Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren nahmen Essstörungen um 50 Prozent im Vergleich zu 2019 zu. Andere Erhebungen sprechen sogar von einem Plus von 54 Prozent gegenüber dem Stand vor zehn Jahren.

Als Haupttreiber gelten soziale Medien mit ihrem verzerrten Körperideal und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie.

Wartezeiten werden immer länger

Der BiPsy-Monitor 2026 liefert ernüchternde Daten: 2024 lag die Wartezeit auf einen Therapieplatz noch bei 28,3 Wochen. Inzwischen sind es 32,5 Wochen. Nur etwa die Hälfte der betroffenen Familien erhält überhaupt einen Termin für eine Erstsprechstunde. Von denen bekommen lediglich 55 Prozent einen festen Therapieplatz.

Neue Studie: Familie als Therapiebaustein

Die FIAT-Studie der Charité Berlin und der mhplus Krankenkasse startete Ende Mai 2026. Sie untersucht die Wirksamkeit der Familien-Basierten Therapie (FBT) bei Magersucht – im Vergleich zur klassischen stationären Behandlung.

Rund 200 Familien mit Kindern zwischen 8 und 17 Jahren nehmen teil. Der Beobachtungszeitraum beträgt zwölf Monate. Ziel ist es, das familiäre Umfeld stärker in die Genesung einzubeziehen und effektive ambulante Alternativen zu finden. Magersucht hat unter den psychischen Erkrankungen die höchste Sterblichkeitsrate.

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Abnehmspritzen als neues Risiko

Ein alarmierender Trend zeigt sich bei Gewichtsreduktionsmedikamenten wie GLP-1-Rezeptoragonisten. Vorläufige Ergebnisse des Karolinska Institutet belegen: Rund 10 Prozent der Menschen mit diagnostizierter Essstörung erhielten solche Präparate. In der Vergleichsgruppe ohne Diagnose waren es nur 7 Prozent.

Noch besorgniserregender sind Daten aus Louisville: 32,1 Prozent der Befragten mit Essstörungen gaben an, Abnehmspritzen zu nutzen. In der Allgemeinbevölkerung sind es nur 15 Prozent. Fachleute warnen vor psychischer Abhängigkeit, Organschäden und Mangelernährung. Viele Betroffene weichen auf den Schwarzmarkt aus – mit fatalen Folgen für die medizinische Kontrolle.

Neue Versorgungsstrukturen

Seit dem 1. Juli 2026 gibt es erste Verbesserungen: In Österreich eröffneten in St. Pölten und Purkersdorf spezialisierte Kinder-Primärversorgungseinheiten. Multidisziplinäre Teams aus Psychologie, Physiotherapie und Ergotherapie arbeiten dort zusammen. Auch in Italien wurden die Zugangswege zu pädiatrischen Essstörungsambulanzen aktualisiert – für einen schnelleren Direktkontakt zu Spezialisten.

Klettern gegen Essstörungen

Komplementäre Ansätze gewinnen an Bedeutung. In spezialisierten Kliniken in Oberbayern wird Klettern bereits als Therapie bei Depressionen und Essstörungen eingesetzt. Die ambulante Klettertherapie ist zwar noch keine Kassenleistung, ein Dachverband befindet sich jedoch in Gründung.

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Auch tiergestützte Therapien werden diskutiert – sie wirken stresssenkend. Experten bemängeln allerdings fehlende einheitliche Qualitätsstandards.

Strukturierte Sommerprogramme in Fachkliniken sollen zudem sicherstellen, dass junge Patienten auch in den Ferien einen geregelten Tagesablauf und therapeutische Begleitung erhalten. Das Risiko für Rückfälle ist in dieser Zeit besonders hoch.

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