Essstörungen: Behandlungen bei Mädchen um 31 Prozent gestiegen
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Daten der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen sowie aktuelle Erhebungen von Krankenkassen zeichnen ein besorgniserregendes Bild bei der Entwicklung von Essstörungen. Insbesondere bei jungen Frauen und Mädchen sind die Fallzahlen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, was zunehmend auch regulatorische Konsequenzen für soziale Medien nach sich zieht.
Entwicklung der Behandlungszahlen in Nordrhein-Westfalen
Nach Angaben der NRW-Landesregierung, die auf einer Anfrage der SPD basieren, stieg die Zahl der stationären Behandlungen wegen Essstörungen bei Mädchen und Frauen zwischen 2020 und 2024 um 31 Prozent auf rund 2.200 Fälle an.
Auch im ambulanten Bereich ist ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen: Hier stiegen die Fallzahlen im selben Zeitraum um 12,5 Prozent auf 74.900 im Jahr 2024, verglichen mit 66.600 Fällen im Jahr 2020. Die Datenbasis bezieht sich dabei auf gesetzlich versicherte Patienten.
Differenzierte Betrachtungen zeigen jedoch unterschiedliche Entwicklungen in verschiedenen Altersgruppen und Geschlechtern. Bei Kindern unter zehn Jahren war ein Rückgang der Behandlungen von 2.910 auf 2.750 Fälle zu beobachten. Bei Männern bewegen sich die Zahlen auf einem deutlich niedrigeren Niveau: Die ambulanten Fälle lagen zwischen 18.200 und 19.040, während stationär lediglich 150 bis 180 Behandlungen registriert wurden.
Krankenkassen-Analysen und die Rolle sozialer Medien
Eine Analyse der KKH bestätigt diesen Trend für die Jahre 2019 bis 2023. Demnach stiegen Essstörungen bei Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren um fast 50 Prozent. Franziska Klemm, Psychologin bei der KKH, warnte in diesem Zusammenhang vor den Auswirkungen unrealistischer Schönheitsideale.
Trends wie das sogenannte „Skinny Girl Mindset“ auf Plattformen wie TikTok könnten negative Einflüsse auf die Selbstwahrnehmung Jugendlicher haben. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, habe das Präventionsprogramm MaiStep bereits über 48.000 Jugendliche erreicht.
Ergänzend dazu lieferte eine im April und Mai 2026 durchgeführte Studie der Techniker Krankenkasse (TK) unter 1.400 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren Einblicke in das Nutzungsverhalten.
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Zwar gaben 80 Prozent der Befragten an, dass ihnen soziale Medien gutlägen, doch zeigten sich bei intensiver Nutzung negative gesundheitliche Effekte. Bei einer täglichen Nutzungsdauer von mehr als vier Stunden klagten 49 Prozent häufig über schlechte Laune, 38 Prozent über Schlafprobleme und 37 Prozent über Kopfschmerzen.
Im Vergleich dazu lagen diese Werte bei einer Nutzung von ein bis zwei Stunden deutlich niedriger. In der Folge sprachen sich 55 Prozent der befragten Jugendlichen für ein Social-Media-Verbot aus, wobei die Zustimmung in der Altersgruppe bis 14 Jahre bei 47 Prozent lag.
Regulatorische Maßnahmen und öffentlicher Diskurs
Der Druck auf Plattformbetreiber hat im August 2026 zu einer weitreichenden Einigung geführt. Der Konzern Meta zahlt einen Vergleich in Höhe von 18 Milliarden US-Dollar an US-Bundesstaaten, um Vorwürfe mangelnden Jugendschutzes beizulegen.
Im Zuge dessen wurden neue Regeln implementiert: Für Jugendliche gilt auf Facebook und Instagram nun ein Zeitlimit von zwei Stunden, eine Nutzungssperre zwischen 0 und 6 Uhr sowie die Ausblendung von „Likes“ und die Sperrung von Schönheitsfiltern.
Eine Klausel sieht vor, dass 30 Prozent der Vergleichssumme nur fließen, wenn auch Konkurrenten wie TikTok und YouTube identische Regeln übernehmen. Florida lehnte diesen Vergleich jedoch ab.
Fast die Hälfte der Jugendlichen, die täglich mehr als vier Stunden in sozialen Medien verbringen, klagt über schlechte Laune. Wenn Sie Ihr Kind vor den negativen Effekten schützen wollen, hilft Ihnen unser Leitfaden mit praktischen Tipps für eine gesunde Mediennutzung – ohne Verbote, aber mit klaren Grenzen. Leitfaden für gesunde Mediennutzung jetzt sichern
Auch im öffentlichen Raum thematisieren prominente Persönlichkeiten zunehmend den Druck durch Schönheitsideale. Sophia Thiel, die Ende August 2026 an einer sportlichen TV-Veranstaltung teilnimmt, betonte ihre heutige Fokussierung auf langfristige Gesundheit statt auf die Anpassung an äußere Ideale. Das Model Stefanie Giesinger kündigte an, ihre Karriere neu zu ordnen, um die Abhängigkeit von Instagram zu verringern.
In der TV-Branche berichtete Georgina Fleur zudem über den Kreislauf aus Bodyshaming und chirurgischen Eingriffen, die sie nach eigenen Angaben teilweise aufgrund externer Kritik an ihrem Körper vornehmen ließ. Dazu zählten unter anderem eine Fettabsaugung im Juni 2025 sowie eine Brustoperation im Herbst 2024.
