Essens-Jetlag, Unregelmäßige

Essens-Jetlag: Unregelmäßige Mahlzeiten erhöhen Herzrisiko um 20%

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 13:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Analyse verbindet verschobene Wochenendmahlzeiten bei Männern mit höheren Herzrisiken; weitere Studien beleuchten Schlaf, Ernährung und Entzündung.

Unregelmäßige Essenszeiten erhöhen bei Männern das Herzrisiko
Ein minimalistischer, leerer Esstisch in einem hellen, modern eingerichteten Raum bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die zeitliche Konsistenz der Nahrungsaufnahme eine wesentliche Rolle für die kardiovaskuläre Gesundheit spielt.

Ein Phänomen, das in der Forschung als „Weekend dietary jet lag“ bezeichnet wird – die Verschiebung der Mahlzeiten am Wochenende um mehr als eine Stunde im Vergleich zu den Werktagen –, korreliert laut einer in der Fachzeitschrift Communications Medicine veröffentlichten Analyse mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Signifikante Risikoerhöhung bei männlichen Probanden

Grundlage der Erkenntnisse ist die Auswertung der NutriNet-santé-Kohorte durch Forscher der Université Sorbonne Paris Nord. An der Studie nahmen 104.806 Personen mit einem Durchschnittsalter von 42,7 Jahren teil, wobei der Frauenanteil bei 79 Prozent lag. Während eines Beobachtungszeitraums von 8,1 Jahren wurden 2.368 Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 1.270 Fälle von ischämischen Herzkrankheiten dokumentiert.

Die Datenanalyse ergab signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede. Bei Männern stieg das allgemeine Herz-Kreislauf-Risiko durch den Essens-Jetlag um 15 Prozent, während das Risiko für eine ischämische Herzkrankheit um 20 Prozent zunahm.

Pro zusätzlicher Stunde Verschiebung der Mahlzeiten am Wochenende erhöhte sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse um 14 Prozent und das Koronarrisiko um 21 Prozent. Bei Frauen konnte hingegen kein statistisch belastbarer Zusammenhang zwischen unregelmäßigen Essenszeiten und kardiovaskulären Erkrankungen festgestellt werden.

Differenzierte Betrachtungen zeigen zudem, dass Männer, die am Wochenende deutlich früher essen als unter der Woche, ein um 44 Prozent erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko und ein um 68 Prozent gesteigertes Risiko für koronare Herzkrankheiten aufweisen.

Werden die Mahlzeiten nach hinten verschoben, steige das Risiko für koronare Herzkrankheiten um 36 Prozent. Fachleute vermuten, dass die Störung der inneren Uhr durch die unregelmäßigen Rhythmen die Ursache darstellt, wobei Faktoren wie Schlafqualität und die Zusammensetzung der Nahrung als primäre Erklärungsmodelle ausgeschlossen wurden.

Zusammenspiel von Schlaf, Hormonen und Sättigung

Ergänzende Untersuchungen der Universität Chicago mit gesunden jungen Männern unterstreichen den Einfluss der Tagesrhythmik auf den Stoffwechsel. Demnach senke bereits ein leichter Schlafmangel das Sättigungshormon Leptin um 18 Prozent, während das Hungerhormon Ghrelin um 28 Prozent ansteige. In der Folge nähmen Hunger und Appetit um rund ein Viertel zu, wobei insbesondere das Verlangen nach kalorien- und kohlenhydratreichen Lebensmitteln wachse.

Präventiv könne laut Studien der University of Missouri ein proteinreiches Frühstück mit etwa 35 Gramm Eiweiß wirken, das die Sättigung über den Tag verbessere und das Verlangen nach Snacks am Abend reduziere. Dies gewinne insbesondere ab einem Alter von etwa 30 Jahren an Bedeutung, da ab diesem Zeitpunkt ohne gezielte Maßnahmen ein kontinuierlicher Muskelverlust einsetze.

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Einfluss spezifischer Lebensmittel auf Entzündungsmarker

Neben dem Timing beeinflusst die Wahl der Lebensmittel das Entzündungsgeschehen im Körper. Eine zwölfwöchige Studie mit 51 Erwachsenen untersuchte den Effekt von Pistazien auf das Mikrobiom. In der Testphase, in der täglich 57 Gramm Pistazien konsumiert wurden, zeigte sich eine Zunahme gesundheitsförderlicher Bakterien wie Roseburia und Lachnospiraceae, die kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat produzieren.

Hinsichtlich der Herzgesundheit verweisen Experten zudem auf die positiven Effekte von Joghurt. Laut einer Übersichtsarbeit im Journal of Nutrition, Health and Aging senkt der Konsum von Joghurt mindestens fünfmal pro Woche das Bluthochdruckrisiko um 16 Prozent. Eine dänische Untersuchung ergab zudem, dass der Ersatz von Milch durch Vollmilchjoghurt das Herzinfarktrisiko um 11 bis 13 Prozent mindern könne.

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Für die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln wie Omega-3-Fettsäuren ist hingegen der Einnahmezeitpunkt entscheidend. Da diese fettlöslich sind, reduziert sich ihre Bioverfügbarkeit bei der Einnahme auf leeren Magen um bis zu 50 Prozent. Therapeutisch gelten Dosen von 1 bis 2 Gramm EPA und DHA als sinnvoll, um Triglyceridwerte langfristig um 15 bis 30 Prozent zu senken.

Klinische Beobachtungen nach bariatrischen Eingriffen

Dass eine massive Gewichtsreduktion auch die zelluläre Entzündungslast senkt, zeigt eine Untersuchung des Universitätsklinikums Leipzig an 111 adipösen Probanden. Nach bariatrischen Operationen und einer mittleren Abnahme von 44,5 Kilogramm innerhalb eines Jahres näherten sich die Werte verschiedener Monozyten-Typen sowie Entzündungsmarker wie HbA1c und Blutfette wieder den Normalwerten an.

Bei Patienten mit zusätzlichem Typ-2-Diabetes blieben die Monozyten-Zahlen jedoch auf einem höheren Niveau, was weitere klinische Forschung zu gezielten medikamentösen Interventionen erforderlich macht.

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