Ersparnisse, Rücklagen

Ersparnisse: Jeder vierte Deutsche hat keine Rücklagen

22.06.2026 - 13:53:13 | boerse-global.de

Belgier legen monatlich hohe Beträge zurück, während viele Deutsche keine Rücklagen bilden. Ein Preisgefälle treibt den Einkaufstourismus an.

Sparverhalten in Europa: Belgien spart fleißig, Deutschland hinkt hinterher
Ersparnisse - Eine Hand legt eine Euro-Münze in ein Sparschwein. Im Hintergrund sind verschwommen Finanzdiagramme auf einem Tablet zu sehen. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Belgier fleißig Geld auf die Seite legen, sorgt sich fast jeder zweite Deutsche um seine Ersparnisse – oder hat gar keine. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt ein gespaltenes Europa.

Belgien: Sparweltmeister mit Alterssorgen

Die Belgier sind ein Volk von Sparern. Laut einer aktuellen Umfrage der Santander Bank legt die größte Gruppe – rund 38 Prozent – monatlich zwischen 100 und 499 Euro zurück. Weitere 27 Prozent sparen sogar 500 Euro oder mehr. Vier Prozent der Befragten bilden monatlich Rücklagen von über 1.500 Euro. Nur 17 Prozent der Belgier kommen auf weniger als 100 Euro im Monat.

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Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Geringere Ausgaben und Sondereinkünfte wie Urlaubsgeld oder das 13. Monatsgehalt machen das Sparen leichter.

Doch trotz dieser hohen Sparquote haben die Belgier Angst vor dem Alter. Eine Studie von Belfius und Profacts zeigt: 63 Prozent der noch nicht im Ruhestand befindlichen Personen befürchten, dass ihre Rente nicht ausreichen wird. Fast die Hälfte der aktuellen Rentner muss ihre Bezüge bereits aufstocken. Der CEO von Belfius Insurance rechnet vor: Wer mit 35 Jahren mit dem Sparen beginnt, muss im Alter von 55 Jahren viermal so viel zurücklegen, um den Lebensstandard zu halten.

Preisgefälle treibt Einkaufstourismus an

Die Kaufkraftunterschiede in Europa sind enorm – und das spüren die Verbraucher an der Tankstelle und im Supermarkt. Eurostat-Daten für 2025 zeigen: Belgien (Index 116,2) und die Niederlande (115,6) liegen deutlich über dem EU-Durchschnitt. Deutschland bleibt mit 108,3 vergleichsweise günstig.

Die Folgen sind deutlich:

Kraftstoffe: Der Benzinpreis in den Niederlanden liegt im Juni 2026 bei über 2,20 Euro pro Liter. In Belgien schwankt er zwischen 1,71 und 1,76 Euro. Grenzgänger sparen bei einer Tankfüllung von 240 Litern bis zu 120 Euro.

Lebensmittel: Eine Foodwatch-Analyse zeigt: Bekannte Eiscreme-Produkte sind in Österreich im Schnitt 50 Prozent teurer als in Deutschland. Grund sind territoriale Lieferbeschränkungen. In Deutschland senkt Aldi Ende Juni bereits zum neunten Mal die Preise für Wurstwaren.

Einzelhandel: Laut GfK kaufen 48 Prozent der Bewohner der niederländischen Provinz Limburg monatlich in Deutschland ein. Besonders gefragt: Wein, Erfrischungsgetränke und Sanitärprodukte. Die niederländischen Akzisen treiben die Preise in die Höhe.

Belgien: Sparen auf Staatskosten

Auch der belgische Staat muss sparen. Außenminister Prévot schlug im Juni eine Sparrunde von 7 Milliarden Euro vor. Die Nationalbank fordert sogar 13 Milliarden – das hält Prévot für unrealistisch. Bisher hat die Regierung bereits Maßnahmen im Umfang von 32 Milliarden Euro umgesetzt.

Zur Entlastung des Haushalts plant der Staat den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent an der Bank Belfius. Der Erlös: bis zu zwei Milliarden Euro. 2024 hatte das Institut noch 440 Millionen Euro Dividende an den Staat gezahlt.

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Deutschland: Jeder Vierte hat keine Rücklagen

Ganz anders sieht es in Deutschland aus. Eine Ipsos-Untersuchung vom März 2026 zeigt: 27 Prozent der 1.007 Befragten haben überhaupt keine Ersparnisse. Hauptursache ist mit 47 Prozent ein zu geringes Einkommen.

Das Geldvermögen der privaten Haushalte stieg zwar im dritten Quartal 2025 auf 9,4 Billionen Euro – doch die Verteilung ist extrem ungleich. Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besitzen etwa die Hälfte des Gesamtvermögens. Ein aktueller Sparreport vom Juni 2026 ergänzt: 44 Prozent der Deutschen mussten im vergangenen Jahr auf Rücklagen zurückgreifen, um laufende Kosten zu decken.

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