Ernährungssicherheit, Proteinpflanzen

Ernährungssicherheit: EU fördert Proteinpflanzen gegen Klimarisiken

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU plant ein robusteres Proteinsystem, während Dürre und Unwetter Ernten belasten und trockenheitstolerante Kulturen an Bedeutung gewinnen.

EU stärkt Proteinpflanzen gegen Klimarisiken in der Landwirtschaft
Ein weites Feld mit trockenheitstoleranten Proteinpflanzen unter einem strahlend blauen Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Die Sicherung der europäischen Lebensmittelversorgung steht angesichts zunehmender klimatischer Instabilitäten vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Die EU-Kommission legte im Juli 2026 einen Aktionsplan für ein resilienteres EU-Proteinsystem vor, der insbesondere den Ausbau der Produktion von Proteinpflanzen und die Stärkung der Infrastruktur vorsieht.

Diese Strategie reagiert auf massive Ertragseinbußen und strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft, die durch lang anhaltende Dürreperioden und Unwetterereignisse verschärft werden.

Herausforderungen durch zunehmende Extremwetterereignisse

Die ökonomischen Auswirkungen der klimatischen Veränderungen sind bereits in verschiedenen Regionen Europas deutlich spürbar. Die Hagelversicherung bezifferte den Gesamtschaden durch Dürre und Unwetter zuletzt auf etwa 1 Milliarde Euro, wovon rund 400 Millionen Euro versichert seien.

In Österreich betonte Landwirtschaftskammerpräsident Waldenberger die Notwendigkeit, sich auf häufigere Dürren und Unwetter einzustellen; die bereitgestellte Dürrehilfe beläuft sich auf 240 Millionen Euro.

Besonders betroffen zeigt sich Oberösterreich mit Futterausfällen von bis zu 50 Prozent bei Kulturen wie Mais, Soja und Kürbis. Eine Studie der AGES prognostiziert für den Osten Österreichs langfristig sinkende Erträge um bis zu 50 Prozent und vergleicht das künftige Klima für das Jahr 2100 mit heutigen süditalienischen Verhältnissen.

Auch in Deutschland sind die Auswirkungen signifikant: Die Apfelernte im Jahr 2026 wird auf etwa 934.000 Tonnen geschätzt, was einem Rückgang von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bei Getreide wird ein Minus von 7 Prozent auf 42 Millionen Tonnen verzeichnet, während die Rapsernte um 20 Prozent einbrach.

Potenzial von Proteinpflanzen und trockenheitstoleranten Sorten

Ein zentraler Baustein des EU-Aktionsplans ist die Förderung von Proteinpflanzen, die teilweise eine höhere Resilienz gegenüber Trockenheit aufweisen. In Baden-Württemberg gelten Kichererbsen und Linsen als vielversprechende Alternativen, da sie trockenheitstolerant sind und Stickstoff im Boden binden können.

Deutschland importiert derzeit jährlich rund 40.000 Tonnen Speiselinsen, während die heimische Anbaufläche lediglich 2.000 Hektar umfasst. Zum Vergleich liegt der Weizenpreis aktuell bei circa 220 Euro pro Tonne.

Der Anbau von Soja rückt ebenfalls stärker in den Fokus, ist jedoch mit Herausforderungen verbunden. Bio-Landwirte weisen darauf hin, dass Soja ab Blühbeginn etwa 60 bis 80 Liter Wasser pro Quadratmeter benötigt, um Erträge zwischen 2 und 4 Tonnen pro Hektar zu erzielen. In Bayern werden bereits seit 2017 Sortenversuche mit 25 verschiedenen Sojasorten durchgeführt, begleitet von spezifischen Förderprogrammen.

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In der Weinbauregion Franken führt die Klimaveränderung zu einer deutlich verfrühten Lese. Im Vergleich zum Jahr 2000 beginnt diese etwa vier Wochen früher, wobei die Reifezeit von 102 auf 96 Tage gesunken ist.

Während der Zuckergehalt steigt, nimmt die Säure ab. Angesichts steigender Produktionskosten von 30 Prozent bei konstanten Weinpreisen werden dort bereits Oliven- und Mandelbäume sowie trockenheitsresistente Rebsorten als Anpassungsmaßnahmen diskutiert.

Innovative Ansätze in Forschung und Forstwirtschaft

Die Forschung liefert neue Erkenntnisse zur Anpassungsfähigkeit von Pflanzen. Forschende der Universität Bern belegten in einer Studie, die in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht wurde, dass Pflanzen Duftstoffe auch über die Blattoberfläche (Cuticula) aufnehmen können. Selbst bei geschlossenen Spaltöffnungen betrage diese Aufnahme 20 bis 30 Prozent.

Im forstwirtschaftlichen Bereich wird der Blauglockenbaum (Paulownia) als hitzeresistente und schnellwachsende Option untersucht. Eine Plantage in Neukirchen-Vluyn demonstriert mit 4.000 vierjährigen Bäumen, die bereits eine Höhe von 11 Metern erreicht haben, das Potenzial dieser Art.

Das Holz ist deutlich leichter als Eiche, gilt als stabil und erwies sich in Tests als feuerresistent. Zudem ermöglicht der Anbau die Generierung von CO2-Zertifikaten.

Politische Zielsetzungen und regionale Strategien

Neben den EU-weiten Plänen gibt es nationale Bestrebungen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit. In der Schweiz fordert die Ernährungsinitiative einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent, während dieser aktuell bei unter 50 Prozent liegt.

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Über dieses Vorhaben soll am 27. September abgestimmt werden. Der Schweizer Raufutterverband weist zudem auf eine kritische Versorgungslage hin: Im Winter 2026 fehlen schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Tonnen Futter, was die Heupreise von 22 auf bis zu 40 CHF pro 100 kg steigen ließ.

Parallel zu diesen Entwicklungen fordert der Bauernverband eine EU-Düngemittelbeihilfe in Höhe von 180 Millionen Euro, um die landwirtschaftlichen Betriebe bei der Bewältigung der gestiegenen Kosten und klimatischen Risiken zu unterstützen.

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