Ernährungsschutz, Defizite

Ernährungsschutz: 74% sehen Defizite bei Kindern und Jugendlichen

18.06.2026 - 16:43:48 | boerse-global.de

Verbraucherschutz-Report zeigt große Defizite bei Social Media und Ernährung. Vertrauen in die Politik sinkt auf 20 Prozent.

vzbv-Report: Deutsche fordern mehr Schutz für Jugendliche online
Ernährungsschutz - Eine junge Hand greift nach einem verlockend verpackten Snack, im Hintergrund verschwommen digitale Werbeanzeigen auf Bildschirmen. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders in sozialen Medien und bei der Ernährung fordern die Deutschen strengere Regeln.

Social Media als größte Gefahrenzone

87 Prozent der Befragten bewerten die Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche in sozialen Netzwerken und Online-Spielen als schlecht. Das geht aus einer forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hervor, die im April 2026 durchgeführt wurde.

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Insgesamt 79 Prozent der Bundesbürger fordern härtere Regeln, um junge Konsumenten besser abzusichern. Dabei messen 90 Prozent der Gesamtbevölkerung dem Verbraucherschutz eine hohe Bedeutung bei – bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 96 Prozent.

Ernährung: Jeder Vierte sieht Defizite

Auch beim Essen gibt es Nachholbedarf. 74 Prozent der Befragten halten den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Ernährungsbereich für unzureichend. Die Kritik richtet sich vor allem gegen gezieltes Marketing auf digitalen Kanälen.

Eine Studie der DAK-Gesundheit und des UKE Hamburg belegt die Wirksamkeit moderner Werbestrategien: 47 Prozent der Jugendlichen werden durch Werbung in sozialen Medien auf Produkte aufmerksam, 40 Prozent lassen sich von Influencern beeinflussen. Die Ausgaben sind beträchtlich – viele 10- bis 17-Jährige geben monatlich 51 bis 100 Euro für Konsumgüter aus, jährlich bis zu 1.200 Euro.

DAK-Chef Andreas Storm und Studienleiterin Silke Paschke fordern deshalb mehr Medienkompetenz und strengere Regeln. Rückrufe wie bei veganem Cordon Bleu der Rügenwalder Mühle (Plastikrückstände) oder bei Instant-Nudeln (krebserregende Stoffe) zeigen zudem die Notwendigkeit einer lückenlosen Lebensmittelüberwachung.

Vertrauen in die Politik sinkt

Das Vertrauen in die Politik beim Verbraucherschutz schwindet. 2024 vertrauten noch 24 Prozent der Befragten den politischen Akteuren, 2025 waren es 22 Prozent – aktuell liegt der Wert bei nur noch 20 Prozent. vzbv-Vorständin Ramona Pop kritisierte, die Bundesregierung werde ihrer Verantwortung für den Schutz der jüngsten Konsumenten nicht gerecht. Sie fordert verbindliche Regeln für Ernährung, Finanzen und Digitales.

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Auf EU-Ebene zeichnen sich indes gegenläufige Entwicklungen ab. Das EU-Parlament lockerte die Kennzeichnungspflicht für bestimmte gentechnisch veränderte Lebensmittel. Pflanzen mit neuen genomischen Techniken (NGT1) sollen ab Mitte 2028 ohne spezielle Kennzeichnung in den Handel kommen. Kritiker von SPD, Grünen und Linken sehen darin einen Rückschritt für die Transparenz.

Konkrete Vorschläge in Sicht

Eine Fachkommission unter Leitung von Karin Prien will am 24. Juni 2026 Vorschläge zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vorlegen. Die Dringlichkeit unterstreicht die Bilanz der Verbraucherzentralen: 2025 verzeichneten sie über 348.000 Beschwerden – ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der vzbv reagierte mit 227 Abmahnungen und mehr als 100 Klagen.

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