Ernährungsmonitor, Werbeverbote

Ernährungsmonitor: 80 Prozent befürworten Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Umfrage zeigt breite Unterstützung für Werbebeschränkungen an Kinder, während eine Zuckerabgabe mehrheitlich auf Ablehnung stößt.

Schweizer Ernährungsmonitor: Mehrheit für Werbeverbote, gegen Zuckersteuer
Frisches, unverarbeitetes Gemüse und Getreide auf einem Holztisch als Symbol für gesunde Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte über staatliche Eingriffe in das Ernährungsverhalten der Schweizer Bevölkerung zeigt ein gespaltenes Bild. Während fiskalische Maßnahmen wie eine Zuckersteuer weiterhin mehrheitlich abgelehnt werden, wächst die Zustimmung für regulatorische Werbeverbote deutlich. Dies geht aus der 13. Durchführung des Ernährungsmonitors hervor, den das Forschungsinstitut GFS Bern im Auftrag Schweizer Mineral- und Softdrinkproduzenten unter Stimmberechtigten durchgeführt hat.

Wachsender Rückhalt für staatliche Werbebeschränkungen

Die Ergebnisse des Ernährungsmonitors verdeutlichen eine signifikante Verschiebung in der öffentlichen Wahrnehmung von Präventionsmaßnahmen. Acht von zehn befragten Personen befürworten demnach ein Werbeverbot für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Salz- oder Fettgehalt, sofern sich diese Produkte an Kinder richten. Insgesamt bewerten drei Viertel der Teilnehmenden die bisherigen staatlichen Maßnahmen gegen Übergewicht als nicht ausreichend.

Gleichzeitig offenbart die Untersuchung eine widersprüchliche Haltung zum Thema Zucker: Zwar lehnen zwei Drittel der Befragten eine spezifische Zuckersteuer ab, doch fordert ein ebenso großer Anteil von zwei Dritteln, dass der Zuckerkonsum staatlich eingeschränkt werden müsse.

Der Ruf nach staatlichen Eingriffen wird vor dem Hintergrund lauter, dass sich jeder vierte Befragte als zu dick empfindet und den Wunsch äußert, das eigene Körpergewicht zu reduzieren.

Hinsichtlich moderner medizinischer Ansätze zur Gewichtsregulierung herrscht Skepsis. Der Einsatz von Gewichtsabnahme-Medikamenten wird von 41 % der Befragten kritisch betrachtet, während 36 % diese positiv bewerten. Eine deutliche Mehrheit von über zwei Dritteln lehnt die Verwendung solcher Präparate aus rein ästhetischen Gründen ab.

Kontrast zwischen Volksabstimmung und langfristigen Konsumzielen

Die Ergebnisse der Umfrage stehen im Kontext der nationalen Abstimmung vom 27. September 2026. Dabei lehnten die Schweizer Stimmberechtigten die Ernährungsinitiative von Franziska Herren mit einer deutlichen Mehrheit von 72,5 % ab. In keinem Kanton fand die Vorlage eine Zustimmung; der Ja-Anteil blieb landesweit unter der 30-Prozent-Marke.

Anzeige

Acht von zehn Befragten fordern ein Werbeverbot für zucker-, salz- und fettreiche Lebensmittel, die sich an Kinder richten – doch im Regal ändert sich für Eltern bisher wenig. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie versteckten Zucker in Kinderprodukten erkennen und mit welchen familientauglichen Alternativen Sie den Werbedruck umgehen. Jetzt kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern

Interessanterweise zeigten Auslandschweizer mit einem Ja-Anteil von 37 % eine höhere Affinität zu der Initiative. Agnese Zucca, Projektleiterin bei gfs.bern, ordnete dieses Stimmverhalten dahingehend ein, dass Auslandschweizer bei Umweltfragen häufig einen Gegenpol bilden und tendenziell eher linke Positionen vertreten.

Trotz der deutlichen Ablehnung der Initiative betonte Bundesrat Guy Parmelin, dass das Ergebnis keinen Stillstand in der Ernährungspolitik bedeute. Auch Bauernverbandspräsident Markus Ritter sprach sich für alternative Wege aus, etwa durch Zielvereinbarungen für den Detailhandel, um den Absatz pflanzlicher Proteine zu stärken. Die Jungen Grünen fordern unterdessen die Einführung einer spezifischen Berufslehre für vegan-vegetarische Köche.

Wissenschaftliche Szenarien verdeutlichen derweil die Distanz zwischen der aktuellen Realität und künftigen Nachhaltigkeitszielen. Eine Studie der Forschungsanstalt Agroscope zu den Konsumzielen für das Jahr 2050 beziffert den notwendigen Gemüsekonsum auf 368 Gramm pro Person und Tag – aktuell liegt dieser Wert bei 140 Gramm.

Der Fleischkonsum müsste demnach von 150 Gramm auf 50 Gramm sinken, während Importprodukte wie Reis und Pasta in diesem Modell vollständig gestrichen sind.

Informationsdefizit bei steigendem Interesse

Ein markanter Trend zeigt sich im Informationsstand der Bevölkerung. Das Interesse an Ernährungsthemen hat mit 89 % den höchsten Wert seit Beginn der Befragungen im Jahr 2014 erreicht. Demgegenüber steht jedoch ein Tiefstand beim subjektiven Informationsgefühl: Lediglich 68 % der Befragten fühlen sich mindestens gut über Ernährungsthemen informiert.

Anzeige

Jeder vierte Befragte empfindet sich als zu dick – und nur 68 Prozent fühlen sich über Ernährung mindestens gut informiert. Wenn Sie beim Einkauf für Ihre Familie endlich klare Orientierung wollen, gibt Ihnen unser kostenloser Ratgeber einen einfachen Ernährungsplan nach den Schweizer Konsumzielen an die Hand. Orientierung für den Familieneinkauf sichern

In der politischen Arena zeichnet sich ab, dass der Bund weiterhin auf Kooperation mit der Wirtschaft setzt. Wie Berichte aus dem Frühjahr belegen, laufen Verhandlungen mit der Branche über eine freiwillige Selbstregulierung.

Sollten diese Gespräche nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen, bleibt die Option gesetzlicher Neuregelungen bestehen. Auch Vertreter der PdAS wiesen darauf hin, dass die Realität trotz der Ablehnung der jüngsten Initiative weitere Maßnahmen erzwingen werde.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70204254 |