Ernährungsberatung: 95% der Ärzte fordern Kassenleistung
17.06.2026 - 22:50:04 | boerse-global.de
Und die Abrechnung macht die Beratung fast unmöglich.
Wissenslücken bei Volkskrankheiten
Forscher befragten 134 niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte in Österreich zu ihren Ernährungskompetenzen. Das Ergebnis: Das Wissen variiert stark je nach Krankheitsbild.
Bei Stoffwechselstörungen wie Hypertriglyzeridämie lagen 92 Prozent der Antworten richtig. Auch bei Diabetes Typ 2 (79,4 Prozent) und Hypercholesterinämie (71,5 Prozent) schnitten die Mediziner ordentlich ab.
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Doch bei typischen Zivilisationskrankheiten hapert es. Nur 37,9 Prozent der Befragten beantworteten Fragen zur Adipositas-Ernährung korrekt. Bei Bluthochdruck (53,1 Prozent) und Gicht (55,8 Prozent) erreichte kaum mehr als die Hälfte die volle Punktzahl.
Diätologie als Kassenleistung gefordert
Die Ärzte sehen das Problem nicht nur bei sich selbst. 95,1 Prozent der Befragten fordern: Ernährungsberatung muss reguläre Kassenleistung werden. Bisher zahlen Patienten die professionelle Beratung meist selbst – ein Hindernis für die Behandlung chronischer Krankheiten.
Parallel dazu zeigt eine aktuelle Analyse zum Schmerzmanagement: Zwischen 2021 und 2023 bekamen 90 Prozent der Patienten mit akuten und 86 Prozent mit chronischen Schmerzen Medikamente. Nicht-medikamentöse Verfahren kamen – bis auf Physiotherapie – bei weniger als zehn Prozent zum Einsatz. Experten sehen darin die Dominanz der Pharmakologie gegenüber lebensstilbasierten Ansätzen.
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Weniger Zucker, mehr Gemüse
Der Hintergrund: Die Österreicher essen zunehmend bewusster. Laut AMA-Marketing lag der Pro-Kopf-Gemüseverzehr 2025 bei 117,1 Kilogramm. Spitzenreiter: Paradeiser (über 25 kg), Karotten (12 kg) und Zwiebeln (7,5 kg). Knapp ein Viertel der Ausgaben entfiel auf Bioware.
Auch die Industrie reagiert. Eine SIPCAN-Analyse zeigt: Der Zuckergehalt in Getränken sank seit 2010 um 22 Prozent. Der allgemeine Zuckerkonsum ging um 23,3 Prozent zurück – rechnerisch sechs Stück Würfelzucker pro Person und Tag weniger. Bis 2027 plant die Branche eine weitere Senkung auf 6,0 Gramm pro 100 Milliliter.
Steuersenkung für Grundnahrungsmittel
Ab 1. Juli 2026 kommt Bewegung in die Preise. Österreich führt einen neuen Umsatzsteuersatz von 4,9 Prozent auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ein. Betroffen: frisches und gefrorenes Gemüse, Obst, Milchprodukte, Eier sowie Brot und Teigwaren. Pflanzliche Milchalternativen bleiben mit 20 Prozent besteuert.
Die Handelsketten haben angekündigt, die Senkung vollständig weiterzugeben. Kombiniert mit den Forderungen der Ärzteschaft könnte das die Rahmenbedingungen für eine präventionsorientierte Gesundheitspolitik verändern. Eine politische Einigung über umfassende Gesundheitsreformen – auch für den niedergelassenen Bereich – ist bis Jahresende 2026 geplant.
