Ernährung, Langlebigkeit

Ernährung und Langlebigkeit: Pflanzliche Kost senkt Demenzrisiko um 30%

29.06.2026 - 00:01:08 | boerse-global.de

Studien belegen: Pflanzliche Kost und bestimmte Nährstoffe können Lebenserwartung und Gesundheit im Alter deutlich verbessern.

Life Summit Berlin 2026: So beeinflusst Ernährung die Lebensspanne
Ernährung - Eine Nahaufnahme einer Auswahl an gesunden Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten auf einem Holztisch. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Beim Life Summit Berlin 2026 trafen sich rund 3.000 Teilnehmer, um über Wege zu einem langen, gesunden Leben zu diskutieren. Die Kernbotschaft: Nur 20 bis 50 Prozent unserer Lebensspanne sind genetisch bedingt. Der Rest liegt in unserer Hand – und vor allem auf dem Teller.

Proteine, Pflanzen und die Macht der Methionin

Eine aktuelle Studie in Cell Metabolism sorgt für Aufsehen. Forscher um Valter Longo von der University of Southern California analysierten Daten von 200.000 Personen. Ihr Ergebnis: Eine proteinarme Ernährung, ergänzt mit der Aminosäure Methionin, ist mit einer längeren Lebensspanne verbunden. Besonders tierische Proteine scheinen problematisch – sie können das Risiko für Typ-2-Diabetes verdoppeln. Pflanzliche Kost wirkt dagegen schützend.

Den Beweis liefern die sogenannten „Blue Zones“. In diesen Regionen werden Menschen überdurchschnittlich alt. Ihre Ernährung besteht zu 95 Prozent aus pflanzlichen Lebensmitteln, Fleisch gibt es maximal fünfmal im Monat. Täglich stehen Hülsenfrüchte, Olivenöl, Nüsse und Beeren auf dem Speiseplan. Das Karolinska Institutet untermauert diesen Ansatz: Eine niedrig-entzündliche Kost senkt das Demenzrisiko um 30 Prozent – selbst bei genetischer Vorbelastung für Alzheimer.

Spermidin und Co.: Was Supplemente wirklich bringen

Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf einzelne Wirkstoffe. Eine Pilotstudie der University of Oxford in Aging Cell untersuchte Spermidin. Ältere Erwachsene nahmen täglich 6 mg über 13 Wochen ein – mit überraschendem Ergebnis: Nach einer COVID-19-Impfung zeigte sich eine verbesserte Immunantwort. Der Grund liegt in der Aktivierung der Autophagie, dem zellulären Reinigungsprozess. Natürliche Quellen sind Weizenkeime, Pilze und Hülsenfrüchte.

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Für Frauen in den Wechseljahren sieht die Lage anders aus. Dr. Chris Macdonald von der University of Cambridge empfiehlt eine angepasste Nährstoffzufuhr: Omega-3-Fettsäuren (250–500 mg täglich), Magnesium (300–400 mg) sowie Vitamin D3 und K2. Höhere Proteinzufuhren seien notwendig, um Muskelschwund zu verhindern. Studien auf dem ECO 2026 zeigten zudem, dass Wirkstoffe wie Semaglutid nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen senken können.

Die Gene: Was wir von Hundertjährigen lernen können

Trotz aller Lifestyle-Faktoren bleibt die Genetik spannend. Die Leiden Longevity Study identifizierte seltene Genvarianten, die den Alterungsprozess verlangsamen. Nachkommen langlebiger Eltern entwickeln kardiometabolische Erkrankungen im Schnitt 13 Jahre später als der Rest der Bevölkerung. Eine Variante des CGAS-Gens reduziert Entzündungsreaktionen im Körper. Das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln will diese Erkenntnisse nun vertiefen.

Das DNA Longevo Projekt in Brasilien geht noch einen Schritt weiter. Es analysiert das Erbgut extrem langlebiger Geschwister, um Schutzgene zu identifizieren. Ziel ist es, Organfunktionen und kognitive Fähigkeiten bis ins hohe Alter zu bewahren. Zum Vergleich: In Deutschland lebten 2024 rund 17.900 Hundertjährige. Die Lebenserwartung lag bei 83,5 Jahren für Frauen und 78,9 Jahren für Männer.

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Bewegung und der Darm: Die unterschätzten Faktoren

Neben der Ernährung bleibt Bewegung essenziell. Auf dem Forum 65 in Ravensburg betonten Sportwissenschaftler: Schon kleine Anpassungen im Alltag wirken – kurze Spaziergänge oder Kniebeugen nach Telefonaten. Die WHO empfiehlt wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung.

Die Darm-Hirn-Achse rückt ebenfalls in den Fokus. Eine Studie des King’s College London zeigte: Tägliche 7,5 g Ballaststoffe wie Inulin über zwölf Wochen verbessern das visuelle Gedächtnis und die Lernfähigkeit bei Über-60-Jährigen. Der Effekt beruht auf der Zunahme nützlicher Bifidobakterien im Darm. Experten raten zudem zu Intervallfasten im Rhythmus 14:10 oder 16:8, um die zelluläre Regeneration zu fördern.

de | wissenschaft | 69648542 |