Ernährung und KI: 40 Prozent fürchten Kontrollverlust durch digitale Helfer
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Einzug von Technologien wie Künstlicher Intelligenz in den Alltag macht auch vor der Lebensmittelversorgung nicht halt. Ob als digitaler Diätassistent, automatisierter Einkaufshelfer oder in Form von Kochrobotern: Moderne Systeme versprechen eine effizientere und zielgerichtete Versorgung.
Doch der Vorstoß digitaler Helfer stößt in der Bevölkerung auf deutliche Vorbehalte. Eine im April 2026 durchgeführte repräsentative Umfrage unter 1.581 Befragten in Deutschland für die Zukunftsstudie zur Ernährung 2040 im Auftrag von Nestlé beleuchtet die Haltung der Verbraucher und zeigt, wo die Skepsis gegenüber algorithmisch gesteuerten Mahlzeiten ansetzt.
Vorbehalte gegen Kontrollverlust und Fremdbestimmung
Laut den Erhebungsdaten befürchten 40 Prozent der Befragten einen Kontrollverlust oder eine Fremdbestimmung durch Künstliche Intelligenz. Entsprechend werden Kochroboter und automatisierte Assistenten, die auch den Lebensmitteleinkauf steuern können, nicht uneingeschränkt begrüßt.
Für viele Konsumenten berührt die Automatisierung der Essenszubereitung einen sensiblen Lebensbereich, in dem persönliche Entscheidungsfreiheit hoch bewertet wird. Für 69 Prozent bleiben Genuss und Gemeinschaft der zentrale Maßstab bei der Ernährung.
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Gleichzeitig besteht in bestimmten Teilbereichen durchaus Offenheit für technologiegestützte Verfahren. So gaben 42 Prozent an, sie würden KI zur Auswertung persönlicher Gesundheitsdaten nutzen.
Eine personalisierte Ernährung gilt bei 37 Prozent als wichtiges Instrument, während 78 Prozent einen starken Fokus auf individuelle Prävention als fortschrittlich einstufen. Dass technologische Hilfen diskutiert werden, hängt auch mit praktischen Engpässen zusammen: 40 Prozent der Studienteilnehmer fehlt häufig die Zeit für die gewünschte Ernährung.
Vor diesem Hintergrund erwarten 54 Prozent eine zunehmende Nutzung von Spritzen oder Tabletten zur Gewichtsregulation. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen an Gesundheitsstationen im Handel können sich 34 Prozent der Teilnehmer vorstellen.
Geändertes Konsumverhalten im Handel
Auch die Struktur des Einkaufs verändert sich mit fortschreitender Automatisierung. Zwar können sich 49 Prozent der Konsumenten autonome Stores vorstellen, doch für 46 Prozent bleibt das klassische Einkaufserlebnis samt Inspiration wesentlich. Den Handel selbst sehen 33 Prozent der Befragten als guten Berater für personalisierte Ernährungslösungen.
Neben der Digitalisierung rückt das allgemeine Wohlbefinden stärker in den Fokus: 67 Prozent erklären, sie sollten sich gesünder ernähren. 68 Prozent erwarten eine steigende Bedeutung der mentalen Gesundheit, und 44 Prozent glauben an eine gezielte Ausrichtung der Ernährung auf die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit bis zum Jahr 2040.
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Krisenbewusstsein und Nachfrage nach Nachhaltigkeit
Verstärkt werden diese Entwicklungen durch veränderte Rahmenbedingungen in der Beschaffung. 65 Prozent der Befragten erwarten, dass Klimawandel und Krisen Lebensmittel knapper, teurer und anfälliger für Lieferprobleme machen.
In der Folge rechnen 55 Prozent mit einer Anpassung des eigenen Essverhaltens. Jeweils 43 Prozent zeigen sich offen für Alternativprodukte bei knapp werdenden Rohstoffen wie Kaffee, Kakao und Getreide sowie für neue Rohstoffquellen wie fermentierte Proteine oder Algen.
Eine nachhaltige Ernährung halten jedoch 68 Prozent nur dann für durchsetzbar, wenn diese zugleich bezahlbar, verfügbar und attraktiv bleibt. Neue, nachhaltigere Wege in der Landwirtschaft fordern 71 Prozent.
Hersteller verweisen in diesem Zusammenhang auf eigene Transformationsschritte: Bei Nestlé stammen 20,7 Prozent der zentralen Rohstoffe und 53 Prozent des Grünkaffees aus Betrieben mit regenerativen Praktiken.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Technologie und Automatisierung zwar als Problemlöser diskutiert werden, die Akzeptanz bei den Verbrauchern jedoch an Bezahlbarkeit und persönlicher Autonomie hängt.
