Ernährung, Alterung

Ernährung und Alterung: Vier Kostformen sind mit langsamerem Altern verbunden

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 10:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
WHO-Richtwerte, globale Versorgungsprobleme und Studienergebnisse prägen die Debatte über Ernährung und Prävention.
Frische Gemüsesorten, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Welternährungstages rücken Gesundheitsressorts und wissenschaftliche Fachbeiträge die zentrale Rolle einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Kost in den Mittelpunkt. Eine bewusste Lebensmittelauswahl gilt zunehmend als unverzichtbarer Pfeiler der individuellen Prävention sowie stabiler Gesundheitssysteme.

Weltweit weisen Fachleute und Institutionen darauf hin, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse, politischen Initiativen und praktischen Maßnahmen den Weg zu einem gesundheitsfördernden Essverhalten ebnen.

Empfehlungen für den Alltag und Reduktion von Risikofaktoren

Das Südtiroler Ressort Gesundheitsvorsorge verweist zum Welternährungstag auf Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach sollten Personen ab zehn Jahren täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse zu sich nehmen, was einer Menge von mindestens 400 Gramm entspricht.

Zudem wird geraten, häufiger Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen in den Speiseplan zu integrieren sowie stark verarbeitete Lebensmittel und ungünstige Fette seltener zu verzehren.

Auch beim Salz- und Zuckerkonsum mahnen Fachbehörden zur Mäßigung: Erwachsene sollen weniger als 5 Gramm Salz pro Tag konsumieren. Die Zufuhr an freiem Zucker sollte unter 10 Prozent der gesamten Energieaufnahme liegen, idealerweise sogar unter 5 Prozent. Bei einer durchschnittlichen Energiezufuhr von 2.000 Kilokalorien entspricht dies höchstens 50 Gramm beziehungsweise bevorzugt 25 Gramm Zucker.

Der Südtiroler Landesrat Hubert Messner unterstrich in diesem Kontext, dass Ernährung einen direkten Einfluss auf die Gesundheit ausübe und ein wesentlicher Bestandteil der Prävention sei. Dabei gehe es nicht um strikte Verbote oder Perfektion, sondern um ein nachhaltiges Bewusstsein.

Das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen werde stark durch das familiäre und schulische Umfeld geprägt, weshalb Projekte wie „Gesundheit macht Schule“ an Bildungseinrichtungen ansetzen.

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Internationale Gesundheitseinrichtungen teilen diese Einschätzungen. Die peruanische Sozialversicherung EsSalud rief durch Ernährungsberaterin Lic. Romy Nadia Barreto Enciso dazu auf, Warnsiegel auf Verpackungen zu beachten und Produkte mit einem Überschuss an Zucker, Natrium sowie gesättigten Fetten nur mit Zurückhaltung zu konsumieren.

Als kostengünstige und nährstoffreiche Alternativen empfahl EsSalud Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen sowie Quinoa, Hafer, Fisch, Ei, Geflügel, saisonales Obst und Gemüse und Wasser statt zuckerhaltiger Getränke.

Zur Vermeidung von Anämie bei Kindern wurden unter anderem Linsen und Blutwurst zur Eisenversorgung sowie Zitrusfrüchte zur besseren Eisenaufnahme hervorgehoben; für ältere Menschen seien Proteinquellen wie Hülsenfrüchte, Ei und Fisch für den Muskelerhalt essenziell.

Globale Herausforderungen und Ernährungssysteme

Auf internationaler Ebene verbindet sich die Debatte um gesunde Ernährung mit gravierenden Versorgungsfragen. Der UN-Generalsekretär bezeichnete Nahrung als grundlegendes Menschenrecht und wies darauf hin, dass im vergangenen Jahr 645 Millionen Menschen an Hunger litten.

Zudem könnten sich fast 2,7 Milliarden Menschen keine gesunde Ernährung leisten. Überlagernde Krisen, unterbrochene Produktions- und Lieferketten sowie hohe Kosten für Nahrungs- und Düngemittel verschärften die Lage weltweit zusätzlich.

Unter dem Leitspruch „Innovationen heute. Ernährung von morgen.“ forderte der UN-Generalsekretär den gezielten Einsatz von Daten, Innovationen und künstlicher Intelligenz, um den weltweiten Zugang zu nährstoffreichen Lebensmitteln zu verbessern.

Notwendig sei eine enge Kooperation zwischen Wissenschaft, Landwirtschaft, indigenen Gemeinschaften und Jugendverbänden, begleitet von der Mobilisierung finanzieller Mittel für Entwicklungsländer.

Darüber hinaus gelte es, Ökosysteme im Einklang mit dem Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums sowie dem Internationalen Jahr der Bäuerin zu schützen, um widerstandsfähigere Ernährungssysteme zu schaffen.

Aktuelle wissenschaftliche Befunde

Die Notwendigkeit präventiver Ernährungsstrategien wird durch die epidemiologische Forschung gestützt. Laut Daten der Global Burden of Disease Study stehen jährlich rund 11 Millionen Todesfälle weltweit im Zusammenhang mit ungesunder Ernährung.

Eine in der Fachzeitschrift Nature Communications publizierte Untersuchung der Arbeitsgruppe um Juliana F. Tavares und Dan Liu vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen verknüpft bestimmte Ernährungsmuster mit biologischen Markern: Eine mediterrane, pflanzenbasierte, nordische sowie die DASH-Ernährung waren demnach jeweils mit einem langsameren biologischen Altern assoziiert.

Die Ergebnisse stützen sich auf Daten von 6.470 Teilnehmenden der Rheinland-Studie und wurden an rund 1.000 Teilnehmenden der EPIC-Potsdam-Kohorte überprüft.

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Gleichzeitig rückt die Verarbeitung von Lebensmitteln in den Fokus der Forschung. Eine Studie in Nature Metabolism zeigte an 32 gesunden Personen in einem randomisierten Crossover-Design, dass eine ultrahochverarbeitete Mahlzeit im Umfang von rund 300 Kilokalorien nach 40, 60, 90 und 120 Minuten signifikant höhere Insulinspiegel hervorrief als eine nicht hochverarbeitete Mahlzeit mit vergleichbarem Kaloriengehalt – bei weitgehend ähnlicher Blutzuckerreaktion.

Funktionelle Magnetresonanztomografien bei 52 Probanden wiesen zudem Korrelationen zwischen Stoffwechselreaktionen und Hirnaktivierungen beim Betrachten von Lebensmittelbildern auf.

Die in vielen Untersuchungen genutzte NOVA-Klassifikation unterteilt Nahrungsmittel anhand ihres Verarbeitungsgrades in vier Gruppen. Beobachtungsstudien dokumentieren einen Zusammenhang zwischen hohem Konsum stark verarbeiteter Produkte und Risiken für Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs sowie einer höheren Gesamtsterblichkeit, wenngleich Kausalitäten damit nicht abschließend belegt sind.

Differenzierte Analysen zeigen zudem, dass diese Zusammenhänge besonders für verarbeitetes Fleisch und Softdrinks bestehen, während sie bei industriellen Vollkorn- und Getreideprodukten nicht in gleicher Weise auftreten.

Gemeinschaftsverpflegung und kommunale Praxis

Erkenntnisse zur Ernährung finden zunehmend Eingang in die Praxis von Gemeinschaftsküchen. Die Zentralküche der Mühlenkreiskliniken, die in Minden täglich rund 5.000 Mahlzeiten zubereitet und über 30 Kostformen anbietet, ist für bestimmte Menülinien nach den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zertifiziert.

Auch die Zentralküche der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), die täglich rund 2.800 Essen bereitstellt, richtet ihre Verpflegung an Vorgaben der DGE und der Planetary Health Diet aus: Im Rahmen der Initiative „Healthy Hospital Food“ soll der Mittagsteller künftig zu 75 Prozent aus pflanzlichen Komponenten wie Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüse bestehen, ergänzt durch regionale Zutaten.

Wissenschaftlicher Austausch begleitet diese Ansätze auf verschiedenen Ebenen. Im Rahmen eines Workshops der Seoul National University und des Bremer Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) diskutierten Fachleute aus Deutschland und Südkorea Strategien zur Senkung des Zuckerkonsums bei Kindern.

Bei Initiativen zur Familienbildung, etwa im Rahmen von Fachforen oder kommunalen Programmen, werden konkrete Wege vermittelt: Eine strukturierte Mahlzeitenplanung, regionale und saisonale Lebensmittel sowie das gemeinsame Kochen gelten als praxistaugliche Schritte, um gesunde Ernährung im Alltag nachhaltig zu verankern.

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