Ernährung, Mediziner

Ernährung bestimmt, wie krank wir werden

13.05.2026 - 06:31:06 | boerse-global.de

Mediziner betonen auf dem DGIM-Kongress die zentrale Rolle von Darmgesundheit und Ballaststoffen für die Infektionsabwehr.

Ernährung bestimmt, wie krank wir werden - Foto: über boerse-global.de
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Sie entscheidet maßgeblich über unsere Gesundheit – und darüber, wie gut wir uns gegen Infektionen wehren können. Das betonten Experten auf dem 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin Mitte Mai 2026.

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Eine gezielte Nährstoffzufuhr geht weit über die reine Energieversorgung hinaus. Fachleute fordern eine Neuausrichtung in der Prävention: Vollwertige Ernährung soll das Risiko für Zivilisationskrankheiten senken und die körpereigene Abwehr stärken. Besonders bei Kindern ist die Versorgung mit Mikronährstoffen und Ballaststoffen entscheidend.

Das Immunsystem sitzt im Darm

Etwa 70 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Darm. Dr. Tamiko Katsumoto von der Stanford University erklärte in aktuellen Analysen: Ein Großteil chronischer Erkrankungen werde durch Entzündungsprozesse getrieben – und die hängen maßgeblich von der Darmgesundheit ab.

Ballaststoffe spielen dabei eine Schlüsselrolle. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 30 Gramm pro Tag. Ein Wert, den viele in westlichen Industrienationen verfehlen.

Zwei Arten von Ballaststoffen sind relevant: Lösliche Ballaststoffe aus Hafer, Gerste oder Äpfeln senken den Cholesterinspiegel und stabilisieren den Blutzucker. Unlösliche Ballaststoffe aus Vollkornprodukten fördern die Verdauung. Beide Formen unterstützen die Produktion kurzkettiger Fettsäuren, die Entzündungsprozesse dämpfen.

Immer mehr Fachleute diskutieren das Konzept der „30-Pflanzen-Challenge“: Wer pro Woche 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel isst, erhöht die Diversität der Darmbakterien. Das stärkt die Barrierefunktion gegen Krankheitserreger.

Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln

Vitamine und Mineralstoffe sind essenziell. Doch Fachärzte warnen vor unkritischer Supplementierung. Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin am 12. Mai 2026 hieß es: Supplemente seien nicht grundsätzlich harmlos. Sie können mit Medikamenten wechselwirken oder bei Überdosierung Therapien beeinträchtigen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Vitamin D. Ein Mangel führt bei Kindern zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen wie Rachitis oder Beinverformungen. Als Mangel gilt ein Blutwert unter 20 Nanogramm pro Milliliter, unter 10 Nanogramm spricht man von schwerem Mangel. Symptome sind Knochenschmerzen, Muskelschwäche und erhöhte Infektanfälligkeit.

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Doch Vorsicht: Werte über 50 Nanogramm können Übelkeit, Bluthochdruck und gefährliche Kalziumablagerungen verursachen.

Auch Magnesium ist unentbehrlich für Muskelfunktion und Nervensystem. Die DGE empfiehlt 350 Milligramm für Männer und 300 für Frauen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät jedoch, über Supplemente nicht mehr als 250 Milligramm pro Tag zuzuführen. Höhere Dosen lösen Durchfall aus. Eine Supplementierung sollte nur bei klinisch nachgewiesenem Mangel erfolgen.

Pflanzenbetonte Ernährung senkt das biologische Alter

Die University of Sydney veröffentlichte im Mai 2026 neue Belege für die Wirksamkeit pflanzenbetonter Ernährung. In einer Studie mit 104 Teilnehmern verbesserte eine Ernährung reich an komplexen Kohlenhydraten aus Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchten Biomarker wie Cholesterin und Entzündungswerte innerhalb von vier Wochen signifikant. Rechnerisch senkte das das biologische Alter. Fettreiche Mischkost zeigte kaum positive Effekte.

Für Kinder ist auch die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren bedeutsam. Die Stiftung Warentest bestätigte im Mai 2026: Hochwertige vegane Präparate auf Algenölbasis sind eine schadstofffreie Alternative zu Fischöl. Sie liefern die wichtigen Fettsäuren EPA und DHA.

Doch auch hier warnt das BfR vor Exzessen: Mehr als 1,5 Gramm EPA/DHA täglich können das Immunsystem schwächen und das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen.

Ein oft unterschätzter Nährstoff ist Cholin. Er reguliert den Fettstoffwechsel und ist essenziell für die fetale Gehirnentwicklung und den Schutz der Leber. Eine ausreichende Versorgung in der frühen Entwicklungsphase legt wichtige Grundsteine für die spätere kognitive Gesundheit.

Mythen und wissenschaftliche Evidenz

In der Ernährungsdebatte vermischen sich wissenschaftliche Erkenntnisse oft mit populären Trends. Die Ärztin Luisa Werner und die Biologin Heike Vogel wiesen Anfang Mai 2026 darauf hin: Konzepte wie „Darm-Detox“ sind medizinisch nicht nötig. Der Darm reinigt sich selbst.

Auch der Ersatz von Haushaltszucker durch Datteln oder Agavendicksaft ist kritisch zu sehen. Diese Produkte enthalten trotz fehlendem raffinierten Zucker erhebliche Mengen Fruchtzucker und beeinflussen den Stoffwechsel ähnlich stark.

Beim Intervallfasten (etwa die 16:8-Methode) zeigen Studien: Es ist keine primäre Methode zur Gewichtsreduktion, kann aber Stoffwechsel und Blutzuckerwerte positiv beeinflussen. Für Kinder und Jugendliche steht jedoch nicht Kalorienrestriktion im Vordergrund, sondern Nährstoffdichte. Hochverarbeitete Lebensmittel erhöhen das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Eine Kombination aus Ballaststoffen, Proteinen und gesunden Fetten beugt Heißhungerattacken vor und sorgt für langanhaltende Sättigung.

Prävention als gesellschaftliche Aufgabe

Die Forderung nach struktureller Verankerung von Ernährungswissen wird lauter. Ein internationales Experten-Panel an der Universität Innsbruck veröffentlichte im Mai 2026 Berichte im Rahmen der HEAL-Initiative (Healthy Eating & Active Living). Zivilisationskrankheiten sind für 90 Prozent der Todesfälle in Europa verantwortlich. Die Wissenschaftler fordern ein Investitionsverhältnis von 3:1 zugunsten der Prävention gegenüber der Therapie.

Zukünftige Strategien zur Infektionsvermeidung bei Kindern müssen auf Bildung setzen. Die Integration von Wissen über vollwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung und regelmäßige Bewegung in den Schulalltag gilt als essenziell. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Auswirkungen von Zucker, hochverarbeiteten Lebensmitteln und den Nutzen von Ballaststoffen frühzeitig zu schärfen. Das soll die Belastung der Gesundheitssysteme reduzieren und die Lebensqualität kommender Generationen sichern.

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