Ernährung, Milliarden

Ernährung: 2,69 Milliarden Menschen leisten sich gesundes Essen nicht

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Laut UN-Welternährungsbericht hungern 2025 noch 645 Millionen Menschen. Steigende Preise und Konflikte gefährden das UN-Ziel zur Hungerbekämpfung bis 2030.

UN-Bericht 2026: Hunger sinkt langsam, aber Ernährungskrise bleibt kritisch
Nahaufnahme eines modernen Feldes mit frischem Gemüse im Sonnenlicht, symbolisch für globale Ernährungssicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

645 Millionen Menschen waren 2025 chronisch unterernährt – ein Rückgang um 28 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch bleibt die Ernährungskrise global kritisch.

Gesundes Essen wird zum Luxusgut

Der aktuelle UN-Welternährungsbericht (SOFI 2026) zeigt: 7,8 Prozent der Weltbevölkerung hungern, 2024 waren es noch 8,1 Prozent. Die Welthungerhilfe warnt jedoch: Beim aktuellen Tempo wird das UN-Ziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen, klar verfehlt. Prognosen zufolge könnten dann noch 510 bis 520 Millionen Menschen betroffen sein.

Das größte Problem ist nicht die Kalorienverfügbarkeit, sondern der Preis. Rund 2,69 Milliarden Menschen – ein Drittel der Weltbevölkerung – können sich keine gesunde Ernährung leisten. Die Kosten dafür stiegen binnen fünf Jahren um 25 Prozent auf durchschnittlich 4,28 US-Dollar pro Tag.

Ein FAO-Chefökonom erklärt: 70 bis 75 Prozent dieser Kosten entstehen erst nach der Ernte – bei Verarbeitung und Logistik. Eine Stärkung der lokalen Produktion, besonders in Afrika, könnte die Preise dort um bis zu 80 Prozent senken.

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Afrika und Asien am härtesten betroffen

Die geografische Verteilung ist ungleich. Afrika verzeichnet mit 309 Millionen die meisten Hungernden, dicht gefolgt von Asien mit 292 Millionen. Somalia bleibt trauriger Spitzenreiter: Der Welthunger-Index 2025 erreichte dort mit 42,6 den höchsten Wert weltweit. Rund 1,8 Millionen Kinder gelten als unterernährt.

Die Folgen für die nächste Generation sind dramatisch: 150 Millionen Kinder unter fünf Jahren zeigen Wachstumsverzögerungen durch Mangelernährung. Bewaffnete Konflikte verschärfen die Lage zusätzlich – allein der Nahost-Krieg könnte 23,4 Millionen Kinder in die Armut treiben.

Krieg bedroht globale Agrarmärkte

Geopolitische Konflikte treiben die Preise für Treibstoffe und Düngemittel in die Höhe. Blockaden in der Straße von Hormus und die Kämpfe im Nahen Osten belasten die Handelswege massiv. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes warnte am 20. Juli vor Versorgungslücken bei Stickstoffdünger.

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Die EU hat deshalb eine Agrarreserve von 540 Millionen Euro mobilisiert – 60 Millionen Euro davon für Deutschland. Parallel eskaliert die Lage im Schwarzen Meer: Ukrainische Angriffe trafen die russische Handelsflotte, Russland attackierte Hafenanlagen in Odessa. Rund 25 Prozent der russischen Weizenexporte sind von den Unsicherheiten betroffen.

„Planetary Health Diet“ als Ausweg?

Forscher suchen nach langfristigen Lösungen. Eine Studie im Fachmagazin Nature analysiert das Potenzial der „Planetary Health Diet“. Das Ergebnis: Eine weltweite Umstellung auf stärker pflanzenbasierte Ernährung bis 2050 könnte 274 Millionen Hektar Weideland freisetzen.

Die CO2-Emissionen der Landwirtschaft ließen sich um 76 Prozent senken, Methan und Lachgas um ein Drittel reduzieren. Die Forscher betonen: Ein Festhalten an aktuellen Konsummustern wäre langfristig teurer als die ökologische Transformation. Als Orientierung für nachhaltige Tierbestände nennen sie das Niveau der Mitte der 1990er-Jahre.

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