Erkältungswelle, RKI

Erkältungswelle: RKI meldet 38 Prozent Rhinoviren in untersuchten Proben

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rhinoviren prägen das aktuelle Infektionsgeschehen; Kliniken bewerten die Lage regional unterschiedlich, während die Atemwegsaktivität zunimmt.

Erkältungswelle in Deutschland: RKI meldet moderate, steigende Aktivität
Ein leerer, modern gestalteter Wartebereich in einer Arztpraxis mit hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Obwohl der Herbst bislang mit vergleichsweise milden Temperaturen aufwartet, berichten Menschen in verschiedenen deutschen Regionen von einer spürbaren Zunahme an Erkältungen. Medien wie der WDR und die Mopo griffen das Phänomen auf und stellten die Frage, warum Schnupfen und Husten trotz Sommertemperaturen grassieren. Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) und weiterer Institutionen liefern dazu ein differenziertes Bild.

Moderates, aber steigendes Niveau laut RKI

Laut RKI steigt die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen bundesweit bereits seit Kalenderwoche 33. In der Woche vom 21. bis 27. September 2026 lag sie auf moderatem Niveau, wobei die Zahl der Arztbesuche wegen Atemwegsinfekten weiter zunahm.

In 234 bundesweit untersuchten Proben aus den Kalenderwochen 36 bis 39 waren laut RKI 38 Prozent positiv auf Rhinoviren und 13 Prozent auf Parainfluenzaviren.

In Hamburg und Schleswig-Holstein dominieren demnach diese klassischen Erkältungsviren, während Influenza, SARS-CoV-2 und RSV aktuell nur eine geringe Rolle spielen: Influenza- und Covid-Diagnosen machten in erfassten Krankenhausfällen jeweils höchstens ein Prozent aus.

Auch der Patientenservice 116 117 registrierte Veränderungen im Meldeverhalten. In Kalenderwoche 39 waren Bauchschmerzen mit 8.596 bundesweiten Meldungen, entsprechend 7,5 Prozent aller Anrufe, das häufigste Symptom. Deutlich auffälliger war der Anstieg bei Grippesymptomen: Die Meldungen stiegen gegenüber der vorherigen Periode um 130,7 Prozent, von 1.919 auf 4.428 Anrufe.

Juckreiz-Meldungen gingen dagegen gegenüber dem Vormonat um 16,3 Prozent zurück, von 1.740 auf 1.457. Die Krankenkasse AOK verweist zudem auf Noro- und Rotaviren als häufige Ursachen saisonaler Magen-Darm-Beschwerden.

Regionale Einschätzungen fallen uneinheitlich aus

Eine nicht repräsentative WDR-Umfrage im Bergischen Land ergab, dass viele Menschen Anfang Oktober 2026 von Erkältungen berichteten, obwohl die Tage noch warm waren. Kliniken und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein sahen in diesem Zeitraum jedoch keinen signifikanten Anstieg und erwarten einen deutlicheren Zuwachs an Infektionen erst mit Beginn der Heizperiode.

Im Krankenhaus Bethanien in Solingen fehlten in den vorangegangenen zwei bis drei Wochen auffällig viele Beschäftigte, während weniger Patienten betroffen waren; schwere Fälle gab es dort bislang nicht. Dort wurde jedoch der erste Coronafall der Saison eingeliefert. Ein Sprecher der KV Nordrhein empfiehlt insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen die Grippeimpfung.

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Auch der Thüringer Hausärzteverband meldete eine leichte Zunahme von Erkältungen. Laut dem Thüringer Gesundheitsministerium sind Arztbesuche wegen Atemwegserkrankungen zwar noch niedrig, aber leicht steigend; in den vergangenen vier Meldewochen habe es jeweils weniger als zehn Grippefälle pro Woche gegeben. Impfstoffe gegen Corona und Influenza würden bereits ausgeliefert, für die Saison 2026/27 zeichneten sich keine Engpässe ab.

Ein RKI-Wochenbericht mit Stand vom 29. September 2026 bestätigt: Die SARS-CoV-2-Last im deutschen Abwasser ist niedrig, aber leicht steigend, ebenso die Influenza-Viruslast. Als dominante Corona-Variante gilt demnach XFG, auch „Stratus“ genannt, die laut WHO weiterhin beobachtet wird.

In Hessen lag die 7-Tage-Inzidenz bei 0,9 Fällen je 100.000 Einwohner. Ein Vertreter des Hausärzteverbands erwartet für die kommenden Wochen einen starken Anstieg von Infektfällen; einzelne ältere und vorerkrankte Covid-Patienten wurden laut Klinikbericht bereits wieder stationär aufgenommen.

Impfquoten und Empfehlungen

Laut Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung ließen sich im vergangenen Erfassungszeitraum fast 10,7 Millionen Menschen in niedergelassenen Haus- und Facharztpraxen gegen Influenza impfen – rund 750.000 mehr als im vorherigen Zeitraum.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) und Fachleute empfehlen Risikogruppen, Menschen ab 60 Jahren sowie Beschäftigten im medizinischen und pflegerischen Bereich die Impfung idealerweise zwischen Oktober und Mitte Dezember; der Immunschutz benötigt danach etwa zwei Wochen.

Nach Angaben der KVT ist der optimale Impfzeitraum Oktober bis Mitte Dezember, mit vollständigem Schutz nach 10 bis 14 Tagen. Die Impfquote gegen Grippe lag in Thüringen bei 41 Prozent bei den ab 60-Jährigen, bundesweit bei 34,5 Prozent. 2025 ließen sich 378.198 Menschen in Thüringer Praxen impfen, 2024 waren es 361.234.

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Rückblick auf die vergangene Saison und Langzeitfolgen

Ein RKI-Saisonbericht zeigt, dass es im Winter 2025/26 in Deutschland rund 180 Millionen akute Atemwegserkrankungen und 37 Millionen Arztbesuche wegen Atemwegsinfektionen wie Grippe, Covid-19 oder RSV gab. 429.000 Infektionen erforderten eine stationäre Behandlung, 22.700 Betroffene starben.

Kleinkinder hatten im Schnitt 4,6 akute Atemwegserkrankungen, Menschen ab 60 Jahren 1,3. Die Saison wurde insgesamt als moderat eingestuft – in den Wintern 2023/24 und 2024/25 waren mehr Atemwegserkrankungen registriert worden.

Eine Analyse der Universitätsmedizin Halle zu postakuten Infektionssyndromen, basierend auf einer Befragung von September 2024 bis August 2025 mit 47.000 Teilnehmenden, von denen knapp die Hälfte eine Atemwegsinfektion hatte, ergab, dass 19 Prozent der Erkälteten nach zwölf Wochen noch Beschwerden berichteten; neun von zehn Betroffenen waren im Alltag beeinträchtigt.

Innerhalb von zwölf Monaten waren 17 Prozent vollständig genesen, mehr als die Hälfte der Betroffenen hatte länger als ein Jahr Beschwerden, und 58 Prozent suchten deswegen medizinische Hilfe. Studienautor Jonas Frost schätzt das Risiko anhaltender Beschwerden nach einer Atemwegsinfektion im abgefragten Zeitraum auf 16 Prozent.

Vitamin D als Präventionsfaktor – mit Einschränkungen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) verweist auf eine Auswertung von 73 Studien, wonach ein niedriger Vitamin-D-Status statistisch mit einem höheren Risiko für akute Atemwegsinfektionen verbunden war.

Ein sicherer Schutz durch Supplemente sei jedoch nicht belegt: Eine Studie von 2021 mit mehr als 21.000 Menschen im Alter von 60 bis 84 Jahren fand keinen signifikanten Unterschied bei Atemwegsinfekten zwischen monatlicher Vitamin-D-Gabe und Placebo.

Als Grenzwerte nennt die DGE unter 25 bis 30 nmol/l (10 bis 12 ng/ml) eine mangelhafte Versorgung, ab 50 nmol/l (20 ng/ml) den anzustrebenden Bereich. Bei notwendiger Einnahme empfiehlt die DGE täglich 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationale Einheiten; hohe Dosen ohne nachgewiesenen Mangel brächten laut DGE keinen zusätzlichen Präventionsvorteil.

Insgesamt zeichnen die vorliegenden Daten das Bild einer beginnenden, bislang moderaten Erkältungswelle, die regional unterschiedlich wahrgenommen wird – während einzelne Hausärzteverbände bereits einen deutlichen Anstieg erwarten, sehen Kliniken in anderen Regionen noch keinen auffälligen Trend.

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