Erkältungsmittel: Zink kann die Krankheitsdauer um etwa zwei Tage verkürzen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deTraditionelle Hausmittel und Nahrungsergänzungsmittel stehen in der Erkältungszeit hoch im Kurs, doch wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit fallen häufig ernüchternd aus. Aktuelle Medienberichte, darunter von Quarks, dem Tagesspiegel und der Apotheken Umschau, beleuchten den tatsächlichen Nutzen populärer Methoden zur Infektabwehr auf Basis klinischer Daten.
Umstrittene Werbeversprechen rund um Honig und Pflanzenstoffe
Besonders teure Produkte wie Manuka-Honig geraten dabei in den Fokus. Die verbreiteten Versprechen, dass dieser als Immunbooster diene oder vor Erkältungen schütze, sind wissenschaftlich nicht belegt. Verfügbare Studien fanden größtenteils im Labor statt oder bezogen sich auf die Wundheilung.
Die Verbraucherzentrale NRW stufte eine entsprechende Anzeige des Anbieters Manuka Doctor auf Bild.de als unzulässige Gesundheitswerbung ein, zumal die europäische Behörde EFSA bislang keine gesundheitsbezogenen Angaben für Honig zugelassen hat.
Für herkömmlichen Honig lieferte eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2018 mit sechs Studien und 899 Kindern Hinweise darauf, dass er Husten bei Kindern zwischen einem und 18 Jahren wahrscheinlich etwas lindern kann.
Bei Säuglingen unter einem Jahr bleibt Honig wegen des Risikos von Säuglingsbotulismus verboten. Der Onkologe Sergej Astafurow erklärte, dass Honig, Zitrone, Knoblauch und Ingwer nicht vor akuten Atemwegsinfektionen schützen und Ansteckungen nicht verhindern.
Während für Knoblauch und Ingwer klinische Belege fehlen, lindere Honig Husten lediglich vorübergehend. Maßgeblicher für den Schutz seien mindestens sieben Stunden Schlaf täglich, abwechslungsreiche Ernährung, moderate Bewegung und rechtzeitige Impfungen.
Nährstoffe und Präparate im wissenschaftlichen Vergleich
Auch bei Vitaminen unterscheidet sich die Studienlage von weitverbreiteten Annahmen:
- Vitamin C: Laut Cochrane-Daten verhindert eine Dosis von 0,2 Gramm pro Tag keine Erkältung. Bei regelmäßiger Einnahme vorab verkürzt sich die Erkrankungsdauer bei Erwachsenen um rund 8 Prozent und bei Kindern um 14 Prozent. Eine Einnahme erst nach dem Auftreten von Symptomen zeigte keine konsistente Verkürzung. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 über zehn randomisierte Doppelblindstudien mit mindestens einem Gramm täglich ergab eine Verringerung des Schweregrads um durchschnittlich 15 Prozent, jedoch keine Senkung der Erkältungsanzahl abseits extremer körperlicher Belastungen wie Marathonläufen.
- Zink: Laut dem Immunologen Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) verweist ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2024 darauf, dass Zink eine Erkältung um etwa zwei Tage verkürzen kann.
Schmerzmittel aus der Apotheke sind nicht immer die einzige Option, wenn es um die Linderung alltäglicher Beschwerden geht. Dieser kostenlose Ratgeber erläutert, warum die Ingwerknolle als eines der ältesten Hausmittel in jede Hausapotheke gehört. Kostenlosen Spezialreport zur Heilkraft von Ingwer herunterladen
- Vitamin D: Eine Meta-Analyse von 18 randomisierten Studien mit 3.648 Teilnehmenden sowie eine aktualisierte Übersicht mit 64.086 Personen zeigten keinen klinisch relevanten Nutzen bei akuten Atemwegsinfekten und keinen signifikanten Schutz. Bei nachgewiesenem Mangel können Präparate laut dem Gesundheitsportal des Bundes möglicherweise vorbeugend wirken.
- Nasensprays und Zusätze: Sprays mit Carragelose aus Rotalgen erwiesen sich in Einzelstudien als wirksam, bieten aber keinen gesicherten Ansteckungsschutz.
Wer die natürlichen Kräfte von Lebensmitteln gegen Beschwerden wie Erkältungen oder Entzündungen nutzen möchte, erfährt in diesem Ratgeber die wichtigsten Grundlagen. Eine Expertin zeigt im Gratis-Report, wie Sie Hausmittel im Alltag richtig und effektiv einsetzen. Gratis-Report über die Anwendung von Naturmitteln sichern
Mechanische Maßnahmen, Risiken und praktische Empfehlungen
Zur Infektabwehr verweist Förster auf physikalische Faktoren: Eine Raumluftfeuchte von 40 bis 60 Prozent schütze das Flimmerepithel, während trockene Heizungsluft und Tabakrauch die Abwehr beeinträchtigen. Bei Nasenspülungen mit Kochsalzlösung zeigte eine Cochrane-Untersuchung von 2015 einen möglichen kleinen Nutzen.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hob hervor, dass Gurgeln mit Salzlösung oder Kräutertee die Schleimhäute befeuchtet und Schmerzen lindert. Für Dampfinhalationen sah ein Cochrane-Review von 2017 hingegen keinen sicheren Nutzen bei niedriger Evidenz; Fachleute warnen hierbei vor Verbrühungsrisiken.
Besondere Vorsicht gilt bei Kleinkindern. Melanie Ahaus vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen betonte, dass bis zum Schulalter acht bis zwölf Atemwegsinfekte pro Jahr mit einer Dauer von sieben bis zehn Tagen normal seien. Sie rät zu Nasentropfen aus einem Gramm Speisesalz auf 100 Milliliter Wasser.
Ätherische Öle wie Menthol oder Eukalyptus sind für Kinder unter drei Jahren ungeeignet. Eine Untersuchung von Öko-Test an 16 Erkältungsbädern ergab dreimal die Note „sehr gut“ und dreimal „mangelhaft“, da bei mehreren Produkten Altersbeschränkungen fehlten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt bei Kleinkindern vor Kehlkopfkrämpfen und Atemstillstand durch solche Öle.
