Erkältungsmittel, Verdachtsfälle

Erkältungsmittel: 51 Verdachtsfälle bei Pseudoephedrin-Präparaten

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 07:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden sichern in Indonesien 2.523 nicht zugelassene Naturheilmittel. Deutsche Meldedaten zeigen Risiken bei Pseudoephedrin-Präparaten.

Illegale Naturheilmittel und Nebenwirkungen: Arzneirisiken im Fokus
Ein Glasbecher mit getrockneten Heilkräutern auf einem Edelstahltisch in einem Labor. Illustration mit AI erstellt.

Zwei aktuelle Entwicklungen lenken den Blick auf Sicherheitslücken im Arzneimittelbereich: eine großangelegte Beschlagnahmung illegaler Naturheilmittel in Indonesien und Auswertungen zu unerwünschten Wirkungen rezeptfreier Erkältungspräparate in Deutschland. Beide Fälle zeigen, wie wichtig aktive Meldesysteme und Kontrollen sind, um Gesundheitsrisiken für Patienten frühzeitig zu erkennen.

Massenbeschlagnahmung in Indonesien

Die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde BBPOM Surabaya beschlagnahmte gemeinsam mit der Ermittlungseinheit Korwas PPNS der Polizei Ost-Java im Kabupaten Bangkalan insgesamt 2.523 illegale Produkte der Kategorie Obat Bahan Alam, also traditionelle Naturheilmittel. Der Wert der sichergestellten Waren wird mit über Rp60 Juta beziffert.

Nach Angaben der Behörde verfügten die Produkte über keine gültige Zulassung. Ein Teil der Ware enthielt zudem BKO – Bahan Kimia Obat, also nicht deklarierte chemische Wirkstoffe, die in Naturheilmitteln gesetzlich nicht enthalten sein dürfen. Zu den betroffenen Marken zählten unter anderem Produkte, die unter den Namen urat madu, montalin und king cobra vertrieben wurden.

Die Behörden stufen den Fall als Verstoß gegen Pasal 435 des indonesischen Gesetzes Nr. 17/2023 ein. Der Strafrahmen für solche Delikte reicht laut BBPOM Surabaya bis zu zwölf Jahren Haft oder einer Geldstrafe von bis zu Rp5 Mrd. Der Fall verdeutlicht ein Grundproblem im Umgang mit traditionellen und pflanzlichen Präparaten: Ohne Zulassungsverfahren und Kontrolle der Inhaltsstoffe können Konsumenten unwissentlich chemischen Zusatzstoffen ausgesetzt sein, deren Dosierung und Wechselwirkungen nicht geprüft wurden.

Ruf nach aktiver Meldung problembehafteter Medikamente

Unabhängig vom konkreten Fall in Indonesien mahnen Gesundheitsbehörden generell an, dass Patienten und Fachpersonal problematische Medikamente aktiv melden sollten. Nur durch systematische Meldungen lassen sich Risikomuster erkennen, bevor größere Schäden entstehen. Dieser Grundsatz zeigt sich exemplarisch in Auswertungen der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker (AMK) zu Pseudoephedrin-haltigen Präparaten.

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Auswertung zu Pseudoephedrin-Präparaten

Die AMK dokumentierte im Zeitraum von 2013 bis zum 30.06.2026 insgesamt 51 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei sieben rezeptfreien Präparaten, die den abschwellenden Wirkstoff Pseudoephedrin enthalten. Von diesen 51 Fällen entfielen 19 auf Kombinationspräparate mit ASS, 17 auf Kombinationen mit Ibuprofen und 15 auf Präparate mit H1-Antihistaminika.

Bei der Symptomatik dominierten kardiovaskuläre Beschwerden: In 31 Fällen wurden Tachykardie oder ein Blutdruckanstieg beobachtet, in 19 Fällen traten allergische Reaktionen auf. Auffällig ist die Geschlechterverteilung – von den Betroffenen waren 41 Frauen und 10 Männer. Das Alter der Patienten reichte von 19 bis 84 Jahren.

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Was Verbraucher daraus ableiten können

Beide Beispiele – die illegalen Naturheilmittel in Indonesien und die dokumentierten Nebenwirkungen bei rezeptfreien Erkältungsmitteln in Deutschland – verweisen auf unterschiedliche, aber verwandte Risikofelder: zum einen nicht zugelassene, teils mit verbotenen Zusätzen versetzte Produkte außerhalb regulärer Vertriebswege, zum anderen bekannte, aber unterschätzte Nebenwirkungen frei verkäuflicher Arzneimittel.

In beiden Fällen gilt die Empfehlung von Gesundheitsbehörden, verdächtige Symptome oder Produkte den zuständigen Meldestellen zu melden, damit Risiken systematisch erfasst und Gegenmaßnahmen frühzeitig eingeleitet werden können.

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