Erkältung: Hühnersuppe und Salzlösung schlagen Medikamente
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 06:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts einer anhaltenden Erkältungs- und Grippewelle mit zahlreichen Krankenständen, wie Berichte aus Oberösterreich Mitte September 2026 verdeutlichen, suchen viele Betroffene nach schonenden Wegen zur Linderung der Beschwerden.
Während eine gewöhnliche Erkältung meist ein bis zwei Wochen dauert und begleitender Husten bis zu acht Wochen anhalten kann, stellt sich bei viralen Infekten regelmäßig die Frage nach dem Nutzen natürlicher Maßnahmen im Vergleich zu klassischen Medikamenten.
Mediziner und Fachleute betonen dabei die Möglichkeiten, den Heilungsverlauf auf sanfte Weise zu begleiten, verweisen jedoch zugleich auf klare Grenzen der Selbstmedikation.
Hühnersuppe, Nährstoffe und die Rolle von Vitamin C
Klassische Hausmittel besitzen bei unkomplizierten Infekten nach wie vor einen hohen Stellenwert. So heben Fachleute die Wirkung traditioneller Hühnersuppe hervor: Deren Inhaltsstoffe können weiße Blutkörperchen ausbremsen und dadurch Entzündungsprozesse mildern.
Forscher der University of Nebraska führten dies unter anderem auf die Aminosäure Cystein zurück, der eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben wird. Ergänzend wird bei Erkältungen der Verzehr von Obst und Gemüse mit hohem Vitamin-C-Gehalt, Ingwer und Honig empfohlen sowie auf eine ausreichende Zufuhr von Zink über Lebensmittel wie Fisch, Milch, Käse oder Haferflocken gesetzt.
Bei Zink-Präparaten ist hingegen Vorsicht geboten, da eine Überdosierung Ohrensausen und Geschmacksverlust auslösen kann. Der weitverbreitete Ratschlag, bei Fieber auf Nahrung zu verzichten, entbehrt zudem wissenschaftlicher Belege.
Auch der therapeutische Nutzen hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel wird differenziert beurteilt. Nach Erkenntnissen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) können Vitamin-C-Präparate den Ausbruch einer Erkältung nicht verhindern.
Eine regelmäßige Einnahme kann die Krankheitsdauer lediglich um rund 10 Prozent verkürzen – was etwa einer Reduktion von zehn auf neun Tage entspricht. Beginnt die Einnahme hingegen erst mit dem Auftreten der ersten Symptome, lässt sich laut IQWiG keine Wirkung feststellen.
Richtige Anwendung bei Schnupfen und Inhalation
Bei verstopfter Nase raten Experten zu befeuchtenden Maßnahmen wie isotonischer Kochsalzlösung, Inhalationen und einer hohen Flüssigkeitszufuhr. Abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin sollten nicht unkritisch eingesetzt werden: Experten raten zu einer Beschränkung auf maximal drei bis fünf Tage, um Gewöhnungseffekten oder einer Abhängigkeit vorzubeugen; generell gilt eine Anwendungsdauer von maximal einer Woche als Grenze.
Hält die Verstopfung ab Tag 11 weiterhin an oder treten starke Kopf- oder Ohrenschmerzen auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, da dies auf eine bakterielle Infektion oder eine Nebenhöhlenentzündung hinweisen kann.
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Für Nasenspülungen empfiehlt sich eine frische isotonische Kochsalzlösung mit einem Natriumchloridgehalt von 0,9 Prozent. Diese entspricht einem Mischungsverhältnis von 9 Gramm Salz auf einen Liter Wasser beziehungsweise 4,5 Gramm auf 500 Milliliter oder 2,25 Gramm auf 250 Milliliter.
Wichtig ist die Verwendung von reinem, unjodiertem und fluoridfreiem Salz ohne Rieselhilfen. Für empfindliche Personen, Allergiker und Kleinkinder sollte das Wasser zuvor abgekocht und auf etwa 37 Grad abgekühlt werden.
Bei Inhalationen über Vernebler ist sterile isotone Kochsalzlösung mit 0,9 Prozent Salzgehalt vorgeschrieben; von selbstgemischten Lösungen aus Leitungswasser und Haushaltssalz wird wegen mangelnder Sterilität und Keimgefahr strikt abgeraten.
Hypertonische Lösungen mit einem Gehalt von 3 bis 6 Prozent können zwar zähen Schleim bei Bronchitis lösen, bergen jedoch das Risiko, Reizhusten zu provozieren. Empfohlen wird eine Anwendung zwei- bis dreimal täglich für rund zehn Minuten, wobei auf Konservierungsstoffe verzichtet werden sollte.
Halsschmerzen und Risiken bei Kombinationspräparaten
Halsbeschwerden sind zu rund 80 Prozent auf virale Erreger wie Rhino- oder Coronaviren zurückzuführen. Bakterielle Auslöser wie A-Streptokokken treten bei Erwachsenen deutlich seltener auf und machen bei Kindern etwa 15 bis 30 Prozent der Fälle aus. Der Einsatz von Antibiotika bleibt daher in den meisten Fällen wirkungslos.
Zur Linderung kann das Gurgeln mit einer zwei- bis dreiprozentigen Kochsalzlösung die Dauer verkürzen. Freiverkäufliche Antiseptika mit Wirkstoffen wie Dequaliniumchlorid, Benzalkoniumchlorid, Amylmetacresol oder Tyrothricin sollten maximal drei bis fünf Tage verwendet werden. Steigt das Fieber über 38,5 Grad, ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
Dass der Griff zu synthetischen Erkältungsmedikamenten nicht frei von Risiken ist, zeigen Daten der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). Diese registrierte für den Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis zum 30. Juni 2026 insgesamt 51 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit sieben rezeptfreien Pseudoephedrin-Präparaten.
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Darunter fielen 31 Meldungen über Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzrasen und Blutdruckanstieg, 19 allergische Reaktionen sowie 7 Fälle mit beiden Symptombildern.
Nach Wirkstoffkombinationen entfielen 15 Berichte auf Mischungen mit H1-Antihistaminika, 19 auf Kombinationen mit Acetylsalicylsäure (ASS) und 17 auf solche mit Ibuprofen; dokumentiert wurde unter anderem der Fall eines 42-Jährigen, der nach der Einnahme von Pseudoephedrin und ASS einen Herzinfarkt mit Kammerflimmern erlitt.
Schutz durch Impfungen
Zur Vorbeugung schwerer Verläufe verweist die Ständige Impfkommission (Stiko) auf die Grippeschutzimpfung. Diese wird Personen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem zweiten Trimester, Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Asthma oder HIV sowie Pflegeheimbewohnern, medizinischem Personal und engen Kontaktpersonen empfohlen.
Der optimale Impfzeitraum liegt zwischen Ende Oktober und Anfang November. Der Schutz setzt etwa zwei Wochen nach der Verabreichung ein und nimmt nach drei Monaten wieder ab; Kinder im Alter von sechs Monaten bis neun Jahren benötigen zwei Injektionen im Abstand von vier Wochen.
Dass echte Virusgrippen nicht unterschätzt werden dürfen, belegen historische Zahlen des Robert Koch-Instituts: In der schweren Grippesaison 2017/18 wurden über 25.000 Todesfälle verzeichnet, die höchste Zahl innerhalb von 30 Jahren.
