Erkältung: Hausmittel wirken erst im 48-Stunden-Fenster
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 08:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wenn sich ein Kratzen im Hals ankündigt, greifen viele Menschen zu heißem Ingwertee, konzentrierten Ingwershots oder einem wärmenden Vollbad in der Hoffnung, die herannahende Erkältung im Keim zu ersticken. Medizinische Fachleute dämpfen diese Erwartung jedoch deutlich: Hat die Infektion erst einmal begonnen, lässt sich der Ausbruch kaum noch verhindern.
Das Zeitfenster der Virenvermehrung
Nach Einschätzung von Markus Tullius, Chefarzt an der Helios Klinik Wipperfürth, verfügen Ingwergetränke oder ein heißes Bad über keine direkte antivirale Abwehrwirkung. Der Mediziner verweist auf die zeitliche Verzögerung bei Infekten: Zwischen dem eigentlichen Kontakt mit den Erregern und dem Auftreten der ersten spürbaren Symptome vergehen häufig rund 48 Stunden.
In diesem Zeitraum haben sich die Viren im Körper bereits massiv vermehrt. Die beliebten Hausmittel besitzen demnach vor allem einen psychologischen Linderungseffekt, können das Fortschreiten des Infekts aber nicht abwenden.
Auch hinsichtlich des Verlaufs rät Tullius zu realistischen Erwartungen und verweist auf die bekannte Faustregel, wonach eine Erkältung drei Tage kommt, drei Tage bleibt und drei Tage geht. Eva Hummers von der Universität Göttingen und der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) betont ebenfalls, dass sich eine Erkältung nicht abkürzen lasse.
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Die Erkrankung dauere üblicherweise ein bis zwei Wochen, während begleitender Husten sogar bis zu acht Wochen anhalten könne. Während der Konsum von Speiseeis Halsschmerzen lindern könne, helfe warmes Bier nachweislich nicht.
Risiken von Kombipräparaten und Nasensprays
Kritisch sehen Mediziner den unbedachten Einsatz bestimmter Arzneimittel. Tullius warnt vor Kombinationspräparaten, die Wirkstoffe wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) mit dem gefäßverengenden Pseudoephedrin verbinden. Diese Mittel verschafften zwar eine kurzfristige Entlastung, könnten die Dauer des Infekts unter Umständen jedoch sogar verlängern.
Bei verstopfter Nase raten Mediziner zudem zur Vorsicht beim Gebrauch abschwellender Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin. Sonja Siegert vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mahnt, solche Sprays keinesfalls länger als eine Woche anzuwenden, da andernfalls eine Abhängigkeit drohe.
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Andere ärztliche Empfehlungen begrenzen den Einsatz bereits auf maximal drei bis fünf Tage, um Schleimhautschäden und Gewöhnungseffekte zu vermeiden. Als schonendere Alternativen bieten sich Inhalationen, isotonische Kochsalzlösungen und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr an. Ein Arztbesuch sei ratsam, wenn die Beschwerden ab dem elften Tag anhalten oder starke Kopf- beziehungsweise Ohrenschmerzen hinzukommen.
Der Nutzen von Vitaminen und Nährstoffen
Häufig diskutiert wird der Stellenwert von Nahrungsergänzungsmitteln. Wie Eva Hummers und Sonja Siegert ausführen, vermag Vitamin C einer Erkältung zwar nicht vorzubeugen, eine regelmäßige vorbeugende Einnahme könne die Dauer der Erkrankung jedoch um rund zehn Prozent verkürzen – beispielsweise von zehn auf neun Tage.
Beginne die Zufuhr hingegen erst beim Auftreten der Symptome, zeige sich kein messbarer Effekt. Hinsichtlich Zink verweist Tullius auf Erkenntnisse des Cochrane-Netzwerks, wonach die Wirkung weiterhin unsicher sei und Nebenwirkungen auftreten könnten.
Beth Quatrara von der Universität Virginia äußert sich ebenfalls skeptisch gegenüber Supplementen und warnt, dass eine Zink-Überdosierung zu Ohrensausen und Geschmacksverlust führen könne.
Stattdessen empfehlen Ernährungsexperten eine proteinreiche Kost mit Nährstoffen aus natürlichen Quellen. Dazu zählen Vitamin-C-reiches Obst und Gemüse sowie Lebensmittel mit Zink wie Fisch, Milch, Käse oder Haferflocken.
Auch klassische Hühnersuppe behält ihren Wert: Forschungen der University of Nebraska zufolge bremst sie die Aktivität weißer Blutkörperchen und dämpft Entzündungen. Neben der Aminosäure Cystein beruht dieser Effekt vor allem auf dem Zusammenspiel aus Wärme, Feuchtigkeit und Gemüse – weshalb auch vegetarische Zubereitungen Linderung verschaffen können.
