ERGO schafft KI-Vorstand: Guy Goldstein übernimmt am 1. Oktober
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 11:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche Großunternehmen treiben ihre Wachstumsstrategien im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) voran und schaffen gezielt Posten auf Vorstandsebene sowie neue Organisationsstrukturen, um die Technologie tief in ihren Geschäftsprozessen zu verankern.
Berichte aus mehreren Branchen verdeutlichen, dass Konzerne von der Softwareentwicklung über die Industrie bis hin zur Versicherungswirtschaft operative Abläufe zunehmend durch KI-Agenten und spezialisierte Führungskräfte steuern lassen.
SAP setzt auf KI-Agenten und Teams vor Ort
Beim Softwarekonzern SAP bezeichnete Vorstandschef Christian Klein KI-Agenten in Berlin als historische Wachstumschance für das Unternehmen. Der Konzern beabsichtigt, seine Plattform, Unternehmenssoftware, Branchendaten und bestehendes Industriewissen zu kombinieren.
Die bereits im Mai 2026 in den USA vorgestellte Plattform für das autonome Unternehmen zielt darauf ab, Betriebsabläufe zu optimieren und Ausgaben zu senken. Klein betonte, dass Agenten schrittweise mehr Verantwortung übernehmen sollen, schloss jedoch eine vollständige Autonomie in kritischen Bereichen aus; die Verantwortung verbleibe bei den Menschen.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte SAP einen Umsatz von 36,8 Mrd. Euro, was einem Zuwachs von 8% gegenüber 2024 entspricht, sowie einen Nettogewinn von 7,5 Mrd. Euro.
Um die Technologie direkt in die Praxis zu überführen, entsendet SAP Entwicklerteams aus drei bis zehn Personen direkt zu Großkunden. Erste einsatzbereite Agenten werden laut Berichten innerhalb von sechs bis neun Wochen erwartet.
Bei Bayer automatisierte ein vierköpfiges Team bereits die Erfassung offener Forderungen, während bei H&M Systeme zur Bearbeitung von Retouren entstehen. Zudem werden Toyota und Bosch als Partner genannt. Erfolgreiche Kundenlösungen sollen künftig in Standardprodukte einfließen. Bis Ende 2026 plant SAP mehr als 50 Joule-Assistenten mit einem Netzwerk aus über 200 spezialisierten Agenten.
Bereits am 22. September 2026 präsentierte SAP auf einer Konferenz in Atlanta Erweiterungen für Signavio, LeanIX, WalkMe und Cloud ALM zur Einbindung und Überwachung von KI-Agenten. Ein geplanter Agenten-Knotenpunkt soll Sprachmodelle und Server erfassen und Verantwortlichen zuweisen, während ein Kontrollassistent Vorgaben wie den europäischen Rechtsakt über Künstliche Intelligenz berücksichtigt.
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Umstrukturierungen bei ERGO und Siemens
In der Versicherungswirtschaft schafft die ERGO-Gruppe ein eigens Vorstandsressort für die Technologie. Das Unternehmen beruft zum 1. Oktober 2026 Guy Goldstein als Vorstandsmitglied für Künstliche Intelligenz.
Goldstein soll die systematische Einführung von KI über die gesamte Gruppe und alle Ländermärkte hinweg leiten und bleibt zugleich Leiter der Innovationsgesellschaft ERGO NEXT, die 2016 in Palo Alto gegründet und 2025 vollständig in den Konzern eingegliedert wurde.
Der bisherige Digitalvorstand Mark Klein verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum Jahresende 2026. ERGO begründet die Neuaufstellung mit der Unternehmensstrategie bis 2030. Die Gruppe ist in mehr als 20 Ländern aktiv, beschäftigt über 36.000 Angestellte sowie selbstständige Vermittler und erwirtschaftete 2025 einen Versicherungsumsatz von 21,7 Mrd. Euro bei einem Ergebnis von 917 Mio. Euro.
Zeitgleich bündelt Siemens zum 1. Oktober 2026 die Geschäftseinheiten Fabrikautomation, Bewegungssteuerung, Prozessautomation und Kundendienste in einer einheitlichen Automatisierungsorganisation. Die Leitung übernimmt Rainer Brehm, der an Cedrik Neike, den Chef der Industriesparte, berichtet. Der Schritt soll Hardware, Software und KI enger verzahnen.
Für den Zukauf der Softwareunternehmen Altair und Dotmatics investierte Siemens mehr als 15 Mrd. US-Dollar und errichtet zudem ein KI-Zentrum in Seattle. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 215 Mrd. Euro (244 Mrd. US-Dollar) bezifferte der Analyst Andre Kukhnin von der Bank UBS den Bewertungsabschlag zu reinen Softwareanbietern auf rund 10–15%, verglichen mit bis zu 50% vor etwa drei Jahren.
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Etablierte Agentenstrukturen in der Energiewirtschaft
Auch in der Versorgungswirtschaft greifen bereits strukturierte Initiativen. Beim Energiekonzern EnBW steuert eine zentrale Agenten-Fabrik die Entwicklung und unternehmensweite Skalierung von KI-Lösungen in Abstimmung mit den Fachbereichen.
Die seit 2025 laufende Strategie umfasst unter anderem Systeme für das Anforderungsmanagement, eine interne Auskunftsplattform für Personalfragen namens Enni sowie Lernprogramme für Mitarbeiter.
Überdies kommen maschinelles Lernen in der Instandhaltung von Anlagen sowie autonome Drohnen zur Inspektion von Photovoltaikparks zum Einsatz. Begleitende Schulungen bereiten Belegschaft und Führungskräfte auf die veränderten Arbeitsabläufe vor.
