Erdnussallergie, Darmbakterien

Erdnussallergie: Darmbakterien lindern schwere Reaktionen deutlich

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Pilotstudie zeigt: Kapseln mit Spender-Darmbakterien erhöhen die Erdnuss-Toleranz bei sechs von 15 Allergikern deutlich.

Darmbakterien-Transfer: Neue Hoffnung bei schwerer Erdnussallergie
Laboraufnahme einer mikrobiologischen Probe in einer Petrischale als Symbol für moderne Mikrobiom-Forschung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Darmbakterien gesunder Spender könnten schwere Erdnussallergien lindern. Das legt eine Pilotstudie des Boston Children's Hospital nahe, die im August 2026 im Fachjournal Science Translational Medicine erschien.

Bakterienkapseln statt Spritze

15 Probanden mit schwerer Erdnussallergie schluckten über einen Zeitraum Kapseln mit gefriergetrockneten Darmbakterien gesunder Spender. Vor der Behandlung vertrugen die Teilnehmer weniger als 100 Milligramm Erdnussprotein – das entspricht etwa einer halben Erdnuss.

Vier Monate nach der Intervention zeigte sich: Sechs der 15 Probanden vertrugen mindestens 300 Milligramm Erdnussprotein. Ein Teilnehmer konnte sogar über 1000 Milligramm konsumieren, ohne eine schwere Reaktion zu zeigen. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Antibiotika als Turbo

Entscheidend für den Erfolg war offenbar eine Vorbehandlung: In der Gruppe mit Antibiotika sprachen drei von fünf Patienten auf die Therapie an. Ohne Vorbehandlung war es nur drei von zehn.

Anzeige

Chronische Beschwerden und allergische Reaktionen hängen oft eng mit Prozessen im Körper zusammen, die durch die richtige Wahl der Lebensmittel beeinflusst werden können. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie mit 12 natürlichen Entzündungs-Killern Ihr Wohlbefinden steigern können. Kostenlosen PDF-Ratgeber zur Ernährung jetzt anfordern

Die Forscher identifizierten auch den vermutlichen Mechanismus: Bei erfolgreich Behandelten fanden sich erhöhte Spiegel bestimmter Gallensalzmetaboliten im Darm. Diese regen die Produktion regulatorischer T-Zellen an – Immunzellen, die überschießende allergische Reaktionen dämpfen. Im Labor schützten Bakterien erfolgreicher Probanden zudem Mäuse vor Allergien gegen Eier.

Auch bei Harnwegsinfektionen vielversprechend

Der Mikrobiom-Transfer wird längst nicht nur bei Allergien erprobt. Eine Ende Juli 2026 in Nature Microbiology veröffentlichte Fallserie der Universitätsklinik Balgrist, der Universität Zürich und der Universität zu Köln dokumentierte Erfolge bei chronischen Harnwegsinfektionen durch E. coli.

Drei Patientinnen erhielten eine Phagentherapie, zwei davon zusätzlich eine Stuhltransplantation. Bei den Frauen mit Kombibehandlung sank die Infektionshäufigkeit über zwei Jahre deutlich. Die dritte Patientin berichtete immerhin von milderen Symptomen. Eine größere Studie ist ab Sommer 2027 im europäischen Projekt REPhRAME geplant.

Anzeige

Wer sich mit dem Einfluss des Mikrobioms auf die Gesundheit befasst, erkennt schnell die Bedeutung einer gezielten Nährstoffzufuhr für das Immunsystem. Dieser Leitfaden bietet praktische Rezepte und einen Selbsttest, um stille Entzündungen im Alltag natürlich zu bekämpfen. Hier den kostenlosen Ratgeber mit 9 Ernährungsregeln sichern

Die neuen Ergebnisse passen zu Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung: Bereits Anfang 2024 wiesen Metagenomstudien der Universität Kiel auf einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang bestimmter Darmbakterien in urbanen Populationen und häufigeren chronisch-entzündlichen Erkrankungen hin.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69922337 |