Erbschaftsteuer, Bundesländer

Erbschaftsteuer: Fünf Bundesländer stopfen 3,6-Milliarden-Schlupflöcher

22.06.2026 - 23:42:41 | boerse-global.de

Fünf Bundesländer fordern strengere Regeln bei der Erbschaftsteuer. Ein Positionspapier zielt auf Steuerschlupflöcher und Familienstiftungen ab.

Erbschaftsplanung 2026: Steuerfallen, Fristen und Gestaltungsoptionen
Erbschaftsteuer - Eine Lupe über einem juristischen Dokument, das Schlupflöcher und eine große Summe Euro-Banknoten symbolisiert. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Zwischen neuen Steuerdebatten, Gerichtsurteilen und Gestaltungsoptionen müssen Erben und Vererber einiges beachten.

Testament oder Erbvertrag – die Qual der Wahl

Wer sein Vermögen regeln will, hat zwei Wege. Ein Testament ist einseitig und jederzeit widerrufbar. Ein Erbvertrag dagegen bindet – und muss notariell beurkundet werden. Das lohnt sich besonders für Ehepaare, unverheiratete Partner oder bei der Unternehmensnachfolge.

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Die Kosten dafür sind überschaubar. Bei einem Nachlasswert von 100.000 Euro liegen die Notarkosten bei etwa 400 bis 600 Euro.

Doch Vorsicht bei der Form: Das Oberlandesgericht Oldenburg erkannte im Dezember 2023 einen handgeschriebenen Brauerei-Bestellzettel als gültiges Testament an. Die Richter trauten sich zu, die Echtheit ohne Gutachter zu beurteilen. In Fachkreisen wird das kritisch gesehen – wegen möglicher technischer Defizite bei der Echtheitsprüfung.

Fristen: Wer zu spät kommt, den bestraft das Erbrecht

Pflichtteilsansprüche verjähren nach drei Jahren. Die Frist beginnt mit dem Jahresende, in dem der Berechtigte vom Erbfall und der enterbenden Verfügung erfährt. Wer es verschläft, hat Pech gehabt – spätestens nach 30 Jahren ist sowieso Schluss.

Ähnlich knapp ist die Frist bei Testament-Anfechtungen wegen Irrtums, Täuschung oder Drohung: Ein Jahr nach Kenntnis muss die Anfechtung beim Nachlassgericht landen. Auch hier gilt die absolute 30-Jahres-Grenze.

Steuer-Schlupflöcher: Fünf Bundesländer gehen in die Offensive

Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen legten am 19. Juni 2026 ein Positionspapier vor. Ihr Ziel: Steuerliche Schlupflöcher stopfen. Der Hintergrund ist brisant.

2024 wurde in 45 Fällen eine potenzielle Steuerlast von 3,6 Milliarden Euro auf rund 200 Millionen Euro gedrückt. Das entspricht einem Erlass von 95 Prozent. Die Minister wollen unter anderem Familienstiftungen als Steuersparmodelle einschränken.

Bayern liefert parallel dazu Rekordzahlen: Fast 2,4 Milliarden Euro wurden 2025 bei Schenkungsteuererlassen für Betriebsvermögen ab 26 Millionen Euro erlassen. Die Einnahmen lagen unter einer Milliarde Euro. Während das Finanzministerium Arbeitsplätze sichern will, sehen Oppositionspolitiker eine gezielte Entlastung großer Vermögen.

Das Bundesverfassungsgericht wird voraussichtlich noch 2026 entscheiden, ob die aktuellen Erbschaftsteuerregelungen verfassungsgemäß sind.

Banken, Versicherungen und das liebe Geld

Nach einem Erbfall kann es bei Banken haken. Sie verlangen meist einen Erbschein oder ein eröffnetes Testament. Rechtsexperten raten deshalb zu Kontovollmachten über den Tod hinaus. Verzögert die Bank schuldhaft, drohen Schadensersatzansprüche. Die Schlichtungsstelle der Banken hilft im Streitfall.

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Eine clevere Lösung: Rückkaufsfähige Lebensversicherungen, besonders aus der Schweiz. Sie zahlen die Todesfallleistung direkt an Begünstigte aus – sofortige Liquidität ohne Wartezeit. Für Pflichtteilsansprüche zählt meist der Rückkaufswert, nicht die volle Versicherungssumme.

Die Sozialbehörde klopft an

Ein oft übersehenes Risiko: Nach dem Tod eines Pflegebedürftigen können Sozialämter Pflegeheimkosten aus dem Nachlass zurückfordern. Fachanwälte empfehlen daher eine frühzeitige Planung. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom 25. Februar 2026 stärkte zudem die Rechte von Erben in Härtefällen bei der Erbschaftsteuer.

de | wissenschaft | 69606431 |