Erbrecht: Ehepartner erhalten nicht automatisch alles
19.06.2026 - 12:40:22 | boerse-global.de
Ehepartner erhalten nicht automatisch den gesamten Nachlass. Ohne Testament bilden sie meist eine Erbengemeinschaft mit Kindern oder anderen Verwandten. Lebensgefährten ohne Trauschein haben gar kein gesetzliches Erbrecht.
Pflichtteile gefährden Unternehmen
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Der Pflichtteil umfasst die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Anspruch haben Kinder, Ehegatten und unter bestimmten Umständen Eltern. Für Unternehmer wird das schnell zum Problem: Pflichtteilsansprüche sind sofort fällig und in bar zu zahlen. Das kann die Liquidität eines Betriebs gefährden.
Seit 2015 erleichtert die Europäische Erbrechtsverordnung (EuErbVO) internationale Erbfälle. Sie erlaubt eine Rechtswahl nach dem Staatsangehörigkeitsprinzip.
Immobilien clever übertragen
Immobilien machen oft den Großteil des Vermögens aus. Zur Wertermittlung kommen Sachwert-, Ertragswert- oder Vergleichswertverfahren zum Einsatz.
Die vorweggenommene Erbfolge senkt die Steuerlast. Steuerliche Freibeträge lassen sich alle zehn Jahre neu ausschöpfen. Zur Absicherung vereinbaren Übergebende oft Nießbrauch oder Wohnrechte. Auch Rückforderungsrechte bei Insolvenz oder Scheidung des Beschenkten sind üblich.
Vorsicht: Schenkungen innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Erbfall können Pflichtteilsergänzungsansprüche auslösen.
Streit um Akteneinsicht
Pflichtteilsberechtigte kämpfen um Transparenz. Die Oberlandesgerichte sind sich uneinig:
Das OLG Karlsruhe entschied am 30. März 2023 (Az. 14 W 27/23): Berechtigte dürfen beim Notartermin Kontoauszüge einsehen. Das OLG München sah das am 3. Dezember 2024 (Az. 33 W 1034/24 e) anders – mit Verweis auf das postmortale Persönlichkeitsrecht des Erblassers. Der Bundesgerichtshof muss nun klären.
Das OLG Hamm betont zudem: Ein Testament muss eigenhändig geschrieben sein. Wer Dritte mitschreiben lässt, riskiert die Ungültigkeit.
Digitaler Nachlass wird zum Thema
Seit 2018 gilt: Digitale Konten und Verträge sind vererbbar. Der Verbraucherservice Bayern empfiehlt eine strukturierte Dokumentation aller Zugangsdaten. Sonst verlieren Erben den Zugriff auf Online-Konten – und zahlen weiter für unerkannte Abonnements.
Steuerliche Entwicklungen 2026
Das Bundesverfassungsgericht könnte 2026 weitere Korrekturen bei der Erbschaftsteuer fordern. Der DIHK legte im Juni 2026 ein Positionspapier vor: Er fordert die Beibehaltung der Verschonungsregeln für Betriebsvermögen und eine Reduktion des Kapitalisierungsfaktors im Ertragswertverfahren.
Der Bundesfinanzhof brachte am 25. Februar 2026 (Az. II R 1/22) Erleichterungen: Eine Steuerfestsetzung kann unbillig sein, wenn der Erbe faktisch nicht bereichert ist und alle zumutbaren Schritte unternommen hat.
Konflikte vermeiden – so geht's
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- Klare Dokumentation: Ein eindeutiges Testament und eine geordnete Nachlassmappe schaffen Klarheit.
- Offene Kommunikation: Begründen Sie Entscheidungen gegenüber Angehörigen bereits zu Lebzeiten.
- Gerechtigkeit statt Gleichheit: Berücksichtigen Sie individuelle Lebenssituationen.
- Vorsorgevollmachten: Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten sichern die Handlungsfähigkeit vor dem Erbfall.
Kleinstparzellen als Dauerproblem
In Thüringen bleiben zehntausende Hektar Privatwald eigentumsrechtlich ungeklärt. Die Erbscheinkosten sind höher als die Grundstückswerte. Erben scheuen den bürokratischen Aufwand. Eine Initiative für kostengünstigere, beschränkte Erbscheine wird derzeit politisch diskutiert.
