Epilepsie, Demenz

Epilepsie und frühe Demenz: Studie zeigt sechsfach erhöhtes relatives Risiko

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 23:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Französische und schwedische Daten zeigen einen Zusammenhang, belegen jedoch nicht, dass Epilepsie frühe Demenz verursacht.
Ein minimalistischer, schattiger Krankenhausflur mit weichem Tageslicht, der eine ruhige und klinische Atmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Eine im Fachjournal Neurology veröffentlichte Untersuchung weist auf eine Assoziation zwischen epileptischen Erkrankungen und einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer Demenz vor dem 65. Lebensjahr hin. Die Untersuchung, über die unter anderem am 14. Oktober 2026 auf neurology.org sowie durch die American Academy of Neurology (AAN) berichtet wurde, stützt sich auf umfangreiche populationsbasierte Datensätze aus Frankreich und Schweden.

Kohortenvergleich in Frankreich und Schweden

Insgesamt umfasste das analysierte Datenmaterial aus beiden Ländern rund 512.000 Teilnehmer, darunter über 27.000 Patienten mit früher Demenz und 277.000 Personen in Vergleichsgruppen ohne Demenz.

In der französischen Kohorte wurden 11.360 Demenzpatienten mit 113.600 Personen ohne Demenzerkrankung verglichen. Dabei lag der Anteil von Personen mit einer Epilepsie-Diagnose in der Gruppe der Demenzpatienten bei 12,5 Prozent, verglichen mit lediglich 1,2 Prozent in der Kontrollgruppe.

Zudem nahmen 27,3 Prozent der Demenzpatienten Antiepileptika ein, während dieser Anteil in der Vergleichsgruppe 10,3 Prozent betrug. Eine parallel analysierte Kohorte in Schweden umfasste 16.433 Demenzpatienten und 164.330 Kontrollpersonen und wies vergleichbare Muster auf.

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Beobachtungen im Zehn-Jäheres-Verlauf

Eine vertiefte Betrachtung einer französischen Teilgruppe im Alter von 30 bis 55 Jahren erfasste 12.901 Personen mit neu diagnostizierter Epilepsie, 64.083 mit vorbestehender Epilepsie sowie 129.010 Personen ohne eine solche Diagnose.

Innerhalb eines Beobachtungszeitraums von zehn Jahren traten Demenzdiagnosen bei 2,2 Prozent der Personen mit neu diagnostizierter Epilepsie auf. Bei Personen mit vorbestehender Erkrankung lag dieser Wert bei 1,7 Prozent, während in der Gruppe ohne Epilepsie 0,2 Prozent betroffen waren.

Demnach entwickelten von 1.000 Menschen mit einer neu gestellten Epilepsiediagnose rund 22 innerhalb eines Jahrzehnts eine frühe Demenz. Bei 1.000 Personen ohne Epilepsie waren es im gleichen Zeitraum etwa zwei.

Nach statistischer Bereinigung um potenzielle Einflussfaktoren wie Schlaganfälle, Stimmungsstörungen und Schädel-Hirn-Traumata ergab sich für neu diagnostizierte Patienten ein rund sechsfach erhöhtes relatives Risiko, während das relative Risiko bei vorbestehender Epilepsie um 74 Prozent erhöht war.

Einordnung, Limitationen und klinische Relevanz

Die Autoren betonen, dass die Daten eine statistische Assoziation beschreiben und keinen kausalen Nachweis für Ursache und Wirkung liefern. Zudem verbleibt das absolute Risiko für die Entstehung einer frühen Demenz auf einem geringen Niveau.

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Vincent Navarro von der Sorbonne erklärte im Zusammenhang mit den Studienergebnissen, dass die Befunde dafür sprechen, Maßnahmen der Demenzprävention künftig stärker in die neurologische Versorgung von Epilepsiepatienten zu integrieren.

Als methodische Limitationen führen die Verfasser an, dass in den Registern keine detaillierten Differenzierungen zu den spezifischen Demenz- und Epilepsietypen vorlagen. Darüber hinaus stammten die Daten ausschließlich aus zwei einkommensstarken europäischen Ländern mit universeller Gesundheitsversorgung.

Früh einsetzende Demenzerkrankungen machen insgesamt knapp 5 Prozent aller Demenzfälle aus. In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft schätzungsweise 85.000 Menschen unter 65 Jahren mit einer Demenzdiagnose.

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