Epilepsie-Therapie, Vagusnerv-Stimulation

Epilepsie-Therapie: Vagusnerv-Stimulation reduziert Anfälle um 76%

10.06.2026 - 15:06:51 | boerse-global.de

Studien belegen Wirksamkeit der Vagusnerv-Stimulation bei Epilepsie und PTBS. Erste Gentherapie gegen WOREE-Syndrom erfolgreich.

Nervenleiden im Fokus: Neue Therapien mit VNS und Gentherapie
Epilepsie-Therapie - Nahaufnahme eines leuchtenden neuronalen Netzwerks oder einer Gehirnillustration mit subtilen elektrischen Impulsen, die Vagusnerv-Stimulation symbolisieren. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Drei Verfahren stehen im Fokus: Vagusnerv-Stimulation, Gentherapie und neue Schmerztherapien. Aktuelle Studien aus dem Jahr 2026 zeigen beeindruckende Ergebnisse.

Anzeige

Was hat der Vagusnerv mit Ihrem Blutdruck, Ihrer Verdauung und Ihrem Immunsystem gemeinsam? Ein kostenloser Report enthüllt, wie Sie diesen 'Gesundheitsschalter' ganz einfach selbst aktivieren können. Kostenlosen Report zur Vagusnerv-Aktivierung sichern

Vagusnerv-Stimulation: Langzeitdaten belegen Wirksamkeit

Die CORE-VNS-Studie liefert handfeste Zahlen. Über 531 Patienten mit medikamentenresistenter Epilepsie wurden 36 Monate lang beobachtet. Das Ergebnis: Die Vagusnerv-Stimulation (VNS) reduziert die Anfallshäufigkeit signifikant – und zwar unabhängig davon, ob die Patienten zuvor eine Gehirnoperation hatten.

Die mediane Anfallsreduktion lag bei 76,3 Prozent in der Gruppe mit vorheriger Operation und bei 76,6 Prozent ohne chirurgischen Eingriff. Rund 62 bis 65 Prozent der Patienten sprachen auf die Therapie an, definiert als mindestens 50 Prozent weniger Anfälle. Besonders spannend: Patienten ohne Voroperation erreichten mit 17,9 Prozent häufiger völlige Anfallsfreiheit als die operierte Gruppe (8,8 Prozent). Die Studie wurde 2026 in medRxiv veröffentlicht.

Gentherapie: Weltweit erste Behandlung eines Säuglings

Ein Meilenstein gelang Anfang Juni 2026 in Israel. Am Schneider Children's Medical Center behandelten Ärzte erstmals weltweit einen acht Monate alten Säugling mit dem WOREE-Syndrom – einer schweren Epilepsieform durch einen WWOX-Gen-Defekt.

Die Therapie setzt auf einen AAV9-Vektor, der das fehlende Gen direkt ins Gehirn transportiert. Entwickelt wurde der Ansatz von Professor Rami Aqeilan von der Hebrew University, lizenziert an das Unternehmen Mahzi Therapeutics. Erste Beobachtungen nach einem Monat: stabiler Zustand ohne schwere Anfälle. Ein zweites Kind im Rahmen eines Compassionate-Use-Programms zeigte ebenfalls erste Verbesserungen. Die Gentherapie ist ein zentrales Thema der 64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie in Würzburg.

VNS auch bei PTBS vielversprechend

Die Vagusnerv-Stimulation könnte weit über die Epilepsie hinauswirken. Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2025 im Fachjournal Brain Stimulation untersuchte ein miniaturisiertes VNS-Implantat bei neun probanden mit behandlungsresistenter posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) – kombiniert mit Expositionstherapie.

Das Ergebnis verblüffte: Alle Teilnehmer erfüllten nach der Therapie die PTBS-Kriterien nicht mehr. Die Verbesserungen hielten sechs Monate an. Zwar fehlt eine Kontrollgruppe und die Teilnehmerzahl ist gering – doch Fachleute sehen darin ein starkes Indiz. Immerhin ist VNS seit 2005 für Depressionen zugelassen.

Ergänzend dazu: Eine Studie der UC San Diego untersuchte eine 14-wöchige ketogene Ernährung bei 22 Erwachsenen mit Anorexia nervosa. 72 Prozent der Teilnehmer, die die Studie abschlossen, erreichten den Genesungsbereich – mit verbesserten Depressionswerten.

Anzeige

Mehr Energie, weniger Stress: So nutzen Tausende Deutsche die stille Kraft ihres Vagusnervs zur Förderung der Selbstheilungskräfte. Der kostenlose PDF-Ratgeber von René Gräber zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Nervensystem in wenigen Minuten täglich unterstützen. Jetzt kostenloses Trainingsvideo und PDF anfordern

Neue Schmerztherapien: Von Stammzellen bis Cannabis

Chronische neuropathische Schmerzen sind eine echte Herausforderung. Das EU-Projekt RESOLVE unter Leitung des Universitätsklinikums Essen setzt auf extrazelluläre Vesikel aus Stammzellen – gefördert mit 1,2 Millionen Euro. Ziel: Entzündungen regulieren und Nervenreparatur fördern.

Für die Praxis steht ein neues Medikament in den Startlöchern: Exilby, ein Cannabinoid-Präparat des Münchner Unternehmens Vertanical. Nach erfolgreichen Phase-3-Studien mit über ein Jahr anhaltender Schmerzreduktion startet der Verkauf im September 2026 in Deutschland und Österreich.

Der Markt für nicht-invasive VNS-Geräte wächst ebenfalls. Systeme wie Nuropod, Pulsetto Lite oder das KI-gestützte SONA-System versprechen Stressbewältigung und bessere Herzratenvariabilität. Doch Vorsicht: Während einige Geräte Zertifizierungen besitzen, ist die Datenlage etwa bei neuromuskulärer Stimulation gegen venöse Beingeschwüre laut IQWiG-Vorbericht vom Juni 2026 noch lückenhaft.

de | wissenschaft | 69514479 |