Millionen, Accounts

ePA-Nutzung: 44 Millionen Accounts, nur 1,2 Millionen aktiv

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran, doch die Nutzung digitaler Angebote wie der ePA bleibt hinter den Erwartungen zurück. Neue Modellpraxen und Milliardeninvestitionen sollen die Akzeptanz fördern.

Digitale Modellpraxis eröffnet: Fortschritte und Hürden bei der Gesundheits-Digitalisierung
Ein Arzt nutzt ein digitales Tablet in einer modernen Praxis für elektronische Patientenakten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens kommt voran – doch zwischen technischer Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung klafft weiterhin eine große Lücke. Neue Testzentren und milliardenschwere Investitionen stehen einer verhaltenen Akzeptanz digitaler Anwendungen gegenüber.

Münchner Modellpraxis für digitale Lösungen eröffnet

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hat am 30. Juli in München eine digitale Modellpraxis eröffnet. Die sogenannte E-Praxis ermöglicht Ärzten, Psychotherapeuten und medizinischen Teams, digitale Gesundheitslösungen unter realen Bedingungen zu testen. Ein zweiter Standort in Würzburg ist bereits geplant, um die Technologien schrittweise in den Praxisalltag zu integrieren.

Der Vorstoß fällt in eine Phase spürbarer Fortschritte bei der Krankenhaus-Digitalisierung. Laut der Studie DigitalRadar 2026 erreichen deutsche Kliniken im Schnitt 55 Punkte – ein Anstieg um 65 Prozent gegenüber 2021, als der Wert bei 33,3 Punkten lag. Sachsen führt das Länderranking mit 60,3 Punkten an, dicht gefolgt von Berlin mit 59,4 Punkten. Finanziert wird der Ausbau durch 4,3 Milliarden Euro aus dem Krankenhauszukunftsfonds sowie zusätzlichen 1,3 Milliarden Euro aus den Landeshaushalten.

Elektronische Patientenakte: Viele Accounts, wenig Nutzung

Besonders deutlich zeigt sich die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bei der elektronischen Patientenakte (ePA). Zwar existierten im Juli 2025 rund 44 Millionen ePAs – doch nur etwa 1,2 Millionen wurden tatsächlich aktiv genutzt. Die Techniker Krankenkasse meldete 750.000 aktive Nutzer bei elf Millionen angelegten Akten, die Barmer verzeichnete 250.000 Nutzer bei 7,8 Millionen Akten, und die AOK kam auf 200.000 aktive Nutzer bei 25,8 Millionen ePAs.

Vertreter von AOK und TK fordern deshalb höhere Nutzungsraten – zumal Ärzte seit Oktober 2025 zur ePA-Nutzung verpflichtet sind. Auch die technische Stabilität bereitet weiterhin Sorgen: Ende Juli meldete Gematik eine teilweise Störung der Telematikinfrastruktur (TI), von der unter anderem ePA und E-Rezept betroffen waren. Der Ausfall ging auf bestimmte TI-Gateways zurück und veranlasste einige Apothekerverbände, rechtliche Schritte zu prüfen.

Eigener Weg bei der elektronischen Überweisung

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) drängt unterdessen auf ein separates System für elektronische Überweisungen – unabhängig von der ePA. Die Begründung: Patienten dürfen Dokumente aus ihrer Akte löschen, was die Behandlungskontinuität gefährden könnte. Ein spezieller Dienst innerhalb der TI soll künftig Überweisungen, Befunde und Medikationspläne verwalten. Zugriffsrechte erhielten nicht nur Ärzte und Praxispersonal, sondern auch Terminservicestellen unter der 116117. Die KBV rechnet damit, dass die Einführung eines Hausarztmodells das jährliche Überweisungsvolumen von 70 auf 170 Millionen steigern könnte.

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Streit um Datenhoheit und Zugriffsrechte

Der geplante Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GeDIG) sorgt derweil für Diskussionen. Der Hartmannbund in Baden-Württemberg warnt davor, dass Krankenkassen zu „digitalen Gatekeepern" werden könnten. Der Verband fordert klare Grenzen – etwa eine strikte Trennung zwischen Gesundheitsberatung und Leistungsentscheidungen. Auch der Zugriff der Kassen auf Praxis-Terminkalender müsse ausgeschlossen bleiben.

Zusätzlich entbrannte ein Streit über den ePA-Zugang für Betriebsärzte. Nach anfänglicher Kritik an Datenschutzbedenken stellten die Verbände BsAfB, DGAUM und VDBW Mitte Juli klar: Werksärzte unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht gemäß §203 Strafgesetzbuch. Der ePA-Zugang sei für die integrierte Versorgung und die Vermeidung überflüssiger Doppeluntersuchungen unverzichtbar.

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Höhere Apothekenhonorare und digitale Identität

Um gestiegene Kosten aufzufangen, hat die Bundesregierung eine zweistufige Erhöhung der Apothekenvergütung beschlossen. Das Honorar pro verschreibungspflichtiger Packung stieg im Juli 2026 auf 9,00 Euro und soll im Januar 2027 auf 9,50 Euro angehoben werden. Ab 2027 bedeutet das jährliche Zusatzkosten von rund 875 Millionen Euro für die gesetzliche Krankenversicherung.

Parallel treibt der Bund die Einführung der EUDI-Wallet voran, die am 2. Januar 2027 starten soll. Das Projekt mit einem geschätzten Budget von 135 Millionen Euro bis 2028 wird künftig auch Gesundheitsfunktionen integrieren. Eine digitale Gesundheits-ID ist für 2027 geplant, der digitale Versicherungsnachweis soll bis Ende 2028 folgen.

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