Entzündung, Herzrisiko

Entzündung und Herzrisiko: Hohe GlycA-Werte erhöhen Gefahr um 43 Prozent

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 02:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen verbinden Entzündungswerte und Stress mit körperlichen Folgen; soziale Unterstützung und Krafttraining zeigen ebenfalls gesundheitliche Bezüge.

Studien zeigen, wie soziale Beziehungen und Stress Gesundheit prägen
Ein minimalistisch gestalteter Raum mit natürlichem Lichteinfall und einer Pflanze, der eine ruhige und ausgeglichene Atmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Beiträge und Erhebungen unterstreichen, dass Wohlbefinden und Gesundheit maßgeblich durch das Zusammenspiel von mentalen, psychologischen und physischen Faktoren bestimmt werden. Körperliche Beschwerden lassen sich selten isoliert von seelischen Belastungen betrachten, während umgekehrt psychische Zustände messbare Spuren in den biologischen Systemen hinterlassen.

Entzündungsprozesse und körperliche Reaktionen auf Stress

Dass psychische und soziale Einflüsse organische Folgen haben, belegt unter anderem eine im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlichte Untersuchung des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London.

Auf Basis von Daten von rund 480.000 Menschen in Großbritannien zeigte sich, dass Personen mit den höchsten Entzündungswerten – gemessen am Marker GlycA – ein um 43 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall aufwiesen als Personen mit den niedrigsten Werten.

Bei erhöhten Werten stellten die Forscher zudem verdickte Herzwände und kleinere Herzkammern fest. Studienleiter Declan O'Regan verwies darauf, dass soziale Faktoren und seelische Verfassungen eng mit Entzündungsreaktionen und Herzschäden zusammenhängen.

Ergänzend betont Stefan Reber, dass die Belastbarkeit stark mit dem Mikrobiom und dem Immunsystem interagiert. Das Immunsystem reagiere selbst auf Termindruck wie auf eine greifbare körperliche Bedrohung.

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Soziale Bindungen und kognitive Ressourcen

Die physische Auswirkung des sozialen Umfelds lässt sich bis in Stoffwechselprozesse nachverfolgen. Eine im Journal Science Advances erschienene Untersuchung der Hebräischen Universität Jerusalem an 108 Teilnehmenden ergab, dass nach dem Verzehr von etwas mehr als 100 Gramm Weißbrot der Blutzuckerspiegel in Gegenwart einer vertrauten Person weniger stark stieg und schneller zum Ausgangswert zurückkehrte als beim Alleinessen.

Studienautorin Shir Atzil wies darauf hin, dass die Blutzuckerregulierung nicht nur von der Nahrung, sondern auch von der Begleitung abhänge, und ordnete dies dem Feld der Sozialphysiologie zu.

Auch der kognitive Erhalt im Alter profitiert von Beziehungsnetzen: Eine US-Studie der Wake Forest University School of Medicine, veröffentlicht am 25. August 2026 in Alzheimer's & Dementia, analysierte Daten von 3.873 Personen ab 50 Jahren.

Während chronischer Stress zu Studienbeginn mit Einbußen bei Sprachfähigkeit und Aufmerksamkeit einherging, war eine höhere soziale Unterstützung laut Studienleiterin Michelle M. Mielke unabhängig von Geschlecht und Herkunft mit einem geringeren Abbau der Aufmerksamkeit verbunden.

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Wie stark innere Einstellungen die Stimmung prägen, verdeutlichte zudem eine Studie der Universität zu Lübeck vom 1. September 2026 unter Erstautor Jan Weis und Leitung von David Stolz: Ein hohes Selbstmitgefühl führe unabhängig von Erfolg oder Misserfolg zu mehr positiven Emotionen, was für die Behandlung von Depressionen relevant sei.

Komplexe Krankheitsbilder und therapeutische Interventionen

Die enge Verknüpfung zeigt sich auch bei postinfektiösen Erkrankungen wie Long-COVID und ME/CFS, die mit Fatigue, Belastungsintoleranz und kognitiven Störungen einhergehen.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina forderte in einer Stellungnahme eine stärkere Verzahnung von Forschung und Versorgung sowie die Einbindung der Betroffenen-Expertise. In Deutschland existiert ein dreistufiges Versorgungsmodell, das pro Quartal Abrechnungen im sechsstelligen Bereich verzeichnet.

Das Altea-Netzwerk hebt hervor, dass rund 10 Prozent der Personen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 von Long COVID betroffen sind. Eine systematische Übersicht über 24 Studien mit 3.695 Teilnehmenden ergab moderate Evidenz für die Wirksamkeit von Online-Programmen mit kognitiver Verhaltenstherapie, kombinierter Rehabilitation und moderatem Ausdauertraining.

Auch körperliche Kraftübungen entlasten die Psyche: Eine im Fachjournal Journal of Affective Disorders publizierte Untersuchung der University of Limerick an jungen Frauen mit subklinischer generalisierter Angststörung belegte, dass ein achtwöchiges Krafttraining depressive Symptome je nach Intensität um 43 bis 54 Prozent reduzieren konnte.

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