Entzündlicher, Brustkrebs

Entzündlicher Brustkrebs: Nur 36 Prozent erkennen Rötungen als Symptom

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronische Entzündungen können Krebsprozesse beeinflussen; entzündlicher Brustkrebs bleibt wegen unspezifischer Anzeichen oft schwer erkennbar.
Mikroskopische Aufnahme von biologischem Gewebe in Rottönen als Symbol für Entzündungsprozesse und Zellbiologie. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Beiträge untersuchen den Zusammenhang zwischen langfristigen Entzündungen und dem Risiko für Brustkrebs sowie die erheblichen Schwierigkeiten bei der Diagnose von entzündlichem Brustkrebs.

Eine wachsende Zahl von Untersuchungen legt nahe, dass chronische, niedriggradige Entzündungsprozesse im Körper die Krebsentstehung begünstigen und das Tumorwachstum beeinflussen können, auch wenn der genaue biologische Mechanismus noch nicht vollständig geklärt ist.

Wie chronische Entzündungsprozesse das Krebsrisiko beeinflussen

Chronische Entzündungen können das Rückfallrisiko nach einer abgeschlossenen Krebsbehandlung erhöhen, die Ausbreitung von Tumorzellen erleichtern und Tumoren unempfindlicher gegenüber Chemotherapie und Strahlentherapie machen.

Als bedeutende Risikofaktoren für solche anhaltenden Entzündungszustände gelten Übergewicht, Bewegungsmangel, der Konsum von Alkohol und Tabak sowie chronischer Stress. Bei chronischem Stress sind biologische Effekte auf das Hormon Cortisol, Entzündungsmarker, das Immunsystem und oxidativen Stress belegt, wenngleich eine definitive Antwort auf kausale Zusammenhänge noch aussteht.

Auch bei der Verbindung zwischen langem Sitzen und dem Brustkrebsrisiko wird eine chronische Entzündung neben Östrogen, Insulinresistenz und Körperfett als möglicher Mechanismus diskutiert.

Körperliche Aktivität wirkt dem entgegen, moduliert Hormonmuster und senkt systemische Entzündungsmarker. Insbesondere nach den Wechseljahren erhöht überschüssiges Fettgewebe den Östrogenspiegel und die Insulinresistenz, was die Proliferation von Tumorzellen vorantreibt.

Forschungsarbeiten der Mayo Clinic zeigen zudem, dass gesundes Brustgewebe über ein eigenes Mikrobiom verfügt, das sich deutlich von der mikrobiellen Zusammensetzung in Tumorgewebe unterscheidet.

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Einige Studien weisen darauf hin, dass eine regelmäßige Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika wie Ibuprofen oder Aspirin mit einem leicht geringeren Brustkrebsrisiko einhergeht. Fachleute betonen jedoch die Notwendigkeit einer ärztlichen Rücksprache, da kein einzelnes entzündungshemmendes Medikament als gesicherter Schutz vor Krebs belegt ist.

Besondere Herausforderungen beim entzündlichen Brustkrebs

Vom allgemeinen Entzündungsrisiko abzugrenzen ist der entzündliche Brustkrebs, im Englischen als Inflammatory Breast Cancer (IBC) bezeichnet. Diese aggressive Krebsform macht in den USA und Großbritannien 1 bis 5 % aller Brustkrebsdiagnosen aus, in Tunesien bis zu 4 % und in Ägypten bis zu 11 %. In den USA ist die Erkrankung für bis zu 10 % der Brustkrebstodesfälle verantwortlich; die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei rund 40 %.

Die Diagnose gestaltet sich oft schwierig, da sich IBC meist ohne tastbaren Knoten präsentiert. Die Erkrankung entsteht, wenn Krebszellen – oft ausgehend von den Milchgängen als invasives duktales Karzinom – die Haut und Lymphgefäße der Brust infiltrieren.

Typische Symptome sind rasche Hautveränderungen mit Rötungen über mehr als ein Drittel der Brust, Schwellungen, Hautverdickungen, Dellenbildung, Brustwarzenveränderungen, Überwärmung sowie eine Orangenhaut genannte Oberflächenstruktur. Diese Anzeichen können sich rasch innerhalb von drei bis sechs Wochen oder wenigen Monaten verschärfen.

Bei der Erstdiagnose liegt zumeist bereits ein Stadium III oder IV vor. Das Durchschnittsalter bei der Diagnose wird in Studien teils mit circa 57 Jahren beziffert, während Mediziner der Mayo Clinic das durchschnittliche Erkrankungsalter überwiegend bei über 65 Jahren sehen.

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Forschende der Duke University weisen auf ein gefährliches Wissensdefizit in der Bevölkerung hin. In einer US-Umfrage unter 177 Erwachsenen gaben zwar fast 80 % an, von IBC gehört zu haben. Allerdings erkannten nur 50 % Hautverdickungen und Warzenumstülpungen als mögliche Symptome.

Weniger als 40 % ordneten Orangenhaut oder Formveränderungen der Krankheit zu, und lediglich 36 % nannten Rötungen. Dagegen vermuteten über 62 % fälschlicherweise das Vorhandensein eines Knotens. Die Forschenden fordern daher gezielte Aufklärungskampagnen.

Differenzialdiagnose und therapeutische Ansätze

Medizinerinnen wie Tina Hieken von der Mayo Clinic weisen darauf hin, dass deutliche Größen- oder Formunterschiede zwischen den Brüsten, Rötungen oder Schwellungen – insbesondere bei nicht-stillenden Frauen – umgehend abgeklärt werden müssen. Bringt eine Antibiotikabehandlung keine Besserung, sind weiterführende Untersuchungen unverzichtbar.

In der Differenzialdiagnose muss unter anderem die granulomatöse Mastitis berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich um eine gutartige entzündliche Erkrankung der Brust, die durch harte Knoten, Schmerzen, Rötungen und Hautveränderungen das klinische Bild eines Brustkrebses nachahmen kann.

Da bildgebende Verfahren einen Tumor nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen können, sind neben klinischer Untersuchung, Ultraschall und gegebenenfalls Mammographie meist Gewebebiopsien erforderlich.

Die Behandlung der gutartigen Entzündung erfolgt abhängig vom Schweregrad mit Beobachtung, Kortikosteroiden, Immunmodulatoren, Antibiotika bei bakteriellen Infektionen wie durch Corynebacterium oder Abszessdrainagen, wobei ein Wiederauftreten möglich bleibt.

Wird hingegen entzündlicher Brustkrebs festgestellt, erfolgt die Behandlung nach einem trimodalen Schema: Zunächst beginnt eine systemische Vorbehandlung, bestehend aus Chemotherapie, Immuntherapie oder bei HER2-positivem Subtyp einer Kombination aus zwei zielgerichteten Antikörpern und Chemotherapie. Daran schließen sich die operative Entfernung der Brust und der benachbarten Lymphknoten sowie eine Bestrahlung von Thorax, Achsel und Schulter an.

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