Entscheidungsfähigkeit: Bonner Programm «Be strong!» startet mit über 100 Kursen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bildungsangebote und Trainingsprogramme verfolgen verstärkt das Ziel, durch gezielten Kompetenzaufbau sowie körperliche Aktivität das persönliche Selbstvertrauen und die Entscheidungsfähigkeit der Teilnehmenden zu fördern.
Von niedrigschwelligen Sport- und Inklusionsformaten bis hin zu Programmen an Hochschulen und in der Erwachsenenbildung zeigt sich über verschiedene Lebensphasen hinweg ein breites Spektrum an Initiativen, die Selbstbestimmung und Handlungsspielräume erweitern sollen.
Strukturierte Ansätze zur Bewältigung komplexer Optionen
Im Alltag und bei grundlegenden Weichenstellungen erweist sich eine Fülle an Wahlmöglichkeiten häufig als Hürde. Fachleute aus der Psychotherapie weisen darauf hin, dass ein Übermaß an Optionen Entscheidungen erschwert.
Als hilfreich gilt es, das vorhandene Angebot bewusst einzugrenzen, vorab zwei bis drei wesentliche Kriterien festzulegen und den Anspruch an ein vermeintlich perfektes Ergebnis aufzugeben. Bei akutem Stress kann zeitlicher Abstand helfen, etwa indem eine Nacht über die Fragestellung geschlafen wird.
Ebenso empfiehlt sich eine klare methodische Struktur aus Ziel, Optionen und dem wichtigsten Kriterium, während die eigene Intuition eher als Information denn als abschließendes Urteil betrachtet werden sollte.
Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen entstehen ebenfalls spezifische Unterstützungsformate. So entwickelt die Hochschule Luzern gemeinsam mit Partnern das Angebot «Entscheiden lernen». Dieses zielt darauf ab, mehr Selbstbestimmung in den Lebensbereichen Wohnen, Arbeit und Unterstützung zu ermöglichen. Ein gemischtes Team aus Forschenden mit und ohne kognitive Beeinträchtigungen arbeitet in diesem Kontext bereits seit dem Jahr 2018 zusammen.
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Inklusion und sportliche Förderung für junge Menschen
Neben theoretischen Ansätzen spielen körperliche Aktivität und gemeinschaftliche Bewegung eine wesentliche Rolle beim Aufbau von Selbstvertrauen. Der Hessische Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband setzt kostenlose Förderschul- und Inklusions-Schulcamps für Kinder und Jugendliche mit Behinderung fort, finanziell unterstützt durch Magna International.
Bei einem Camp in Idstein-Wörsdorf nahmen 30 Kinder und Jugendliche aus Förderschulen der Region teil. Nach Angaben des sportlichen Leiters Michael Trippel eröffnen solche Maßnahmen einen niedrigschwelligen Zugang zu Fußball und Vereinssport; mehrere Teilnehmende fanden über diese Angebote bereits den Weg in feste Sportvereine.
An Hochschulen wird die Stärkung persönlicher Handlungsfähigkeiten ebenfalls systematisch verankert. Die Universität Bonn startet zum Wintersemester 2026/27 den Gesamtrollout des Studienbegleitprogramms «Be strong!» mit über 100 Kursen, nachdem im Wintersemester 2025/26 eine Pilotphase vorausgegangen war.
Die Kurse verteilen sich auf die drei Schwerpunkte Studienorientierung («Gut orientiert!»), fachlich-methodische Kompetenzentwicklung («Fachlich fit!») und Stärkung persönlicher Ressourcen («Be empowered!»).
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Bewegung und Selbstbestimmung im höheren Lebensalter
Auch in späteren Lebensphasen greifen Bildungsträger den Zusammenhang von Aktivität, geistiger Fitness und Selbstwirksamkeit auf. In Österreich bündeln die Katholischen Bildungswerke Angebote unter der Dachmarke «Gute Tage – Seniorinnenbildung», darunter rund 140 Gruppen in Wien.
Bisherige Formate wie LIMA, SelbA oder «mitten im Leben» treten dabei gemeinsam auf, um Aspekte wie Gemeinschaft, Sinn, geistige Fitness, digitale Kompetenzen und Beweglichkeit zu verbinden.
Dass lokale Präventionsangebote positive Effekte auf das persönliche Wohlbefinden haben, verdeutlicht auch das Projekt ÄLEN Aktiv im Landkreis Leipzig. An vier Standorten nahmen über vier Jahre hinweg 240 zuvor körperlich wenig aktive Personen ab 60 Jahren an zertifizierten Bewegungskursen teil.
Eine Befragung ergab eine Weiterempfehlungsrate von 93,3 Prozent, während 89,2 Prozent der Befragten von einer spürbaren Verbesserung ihres Gesundheitszustandes berichteten.
