Entresto bei Herzinsuffizienz: ESC warnt vor Off-Label-Einsatz über 40 Prozent
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:32 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit den am 28. August 2026 veröffentlichten Leitlinien zur Herzinsuffizienz hat die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) das klinische Management grundlegend überarbeitet. Das Regelwerk führt eine vereinfachte Klassifizierung anhand der linksventrikulären Ejektionsfraktion ein, verschärft die Kriterien für etablierte medikamentöse Therapien und etabliert ein verpflichtendes systematisches Nieren-Screening.
Vereinfachte Einteilung der Ejektionsfraktion
Eine der zentralen Änderungen betrifft die Einteilung der Herzinsuffizienzformen. Die ESC hat die bisherige Zwischenkategorie der Herzinsuffizienz mit mäßiggradig reduzierter Pumpfunktion (HFmEF), die den Bereich einer LVEF von 41–49 % umfasste, vollständig aufgelöst. In der aktuellen Leitlinie wird dieser Bereich nun der Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF) zugeschlagen, die nun als LVEF unter 50 % (< 50 %) definiert ist.
Künftig unterscheidet die Fachgesellschaft klinisch nur noch zwischen zwei Hauptkategorien: der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) bei einer LVEF von 50 % oder mehr (? 50 %) sowie der HFrEF bei Werten unter 50 %.
Strenge Vorgaben und Regressvermeidung bei Sacubitril/Valsartan
Trotz der Neugruppierung mahnt die ESC bei der Verordnung spezifischer Herzinsuffizienz-Medikamente zu differenzierter Vorsicht. Dies betrifft insbesondere das Präparat Entresto (Sacubitril/Valsartan).
Die Fachgesellschaft warnt ausdrücklich vor einem unbedachten Off-Label-Einsatz: Gemäß den Daten der maßgeblichen Zulassungsstudie PARADIGM-HF ist der klinische Nutzen ausschließlich für Patienten mit einer symptomatischen chronischen Herzinsuffizienz und einer LVEF von 40 % oder weniger (? 40 %) belegt.
Wird das Medikament bei Betroffenen mit einer LVEF von mehr als 40 % (> 40 %) verordnet, liegt nach Einschätzung der ESC formal ein Off-Label-Use vor. Um Praxisärzte vor finanziellen Regressforderungen der Kostenträger zu schützen, fordert die Leitlinie eine lückenlose Dokumentation.
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Dazu gehören neben einer präzisen ICD-10-Kodierung die fortlaufende Erfassung des Schweregrads nach der NYHA-Klassifikation, die exakte Bestimmung der LVEF sowie die Dokumentation der aktuellen Nierenfunktionswerte.
Fokus auf Nierendiagnostik und Co-Verschreibungen
Ein weiterer Schwerpunkt der Leitlinie liegt auf der engen Wechselwirkung zwischen Herz- und Nierengesundheit. Die ESC empfiehlt für alle Personen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen ein systematisches Screening auf chronische Nierenerkrankungen (CKD). Dieses soll verbindlich über die Bestimmung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) sowie über wiederkehrende Albuminurie-Messungen erfolgen.
Therapeutisch empfiehlt das Gremium bei vorliegender diabetischer Nierenerkrankung eine gezielte Co-Verschreibung: Die kombinierte Gabe von Finerenon und Empagliflozin wird als effektive nephro- und kardioprotektive Maßnahme eingestuft, um den kombinierten Organverfall zu verlangsamen.
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Hinwendung zum kardiovaskulär-renalen-metabolischen Syndrom
Mit den neuen Empfehlungen verankert die ESC das Konzept des kardiovaskulär-renalen-metabolischen (CKM-)Syndroms in der klinischen Praxis. Das Gremium betont, dass das Management chronischer Herzerkrankungen künftig weg von der Betrachtung isolierter Laborwerte und hin zu einer organübergreifenden, interdisziplinären Betreuung gesteuert werden muss.
Die synchrone Überwachung kardiologischer, renaler und metabolischer Parameter bildet somit die künftige Basis für diagnostische und therapeutische Entscheidungen.
