Enigma-Funksprüche: GPT-6 Astra und Claude Opus 5 knacken zwei Chiffren
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 15:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mithilfe fortschrittlicher Sprachmodelle ist es den Forschern Carter Leffen und Jack Willis gelungen, zwei bislang ungelöste Funksprüche der deutschen Enigma-Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschlüsseln.
Wie Branchenberichte vom 25. und 26. September darlegen, setzten die beiden Anwender dafür die Systeme GPT-6 Astra von OpenAI sowie Claude Opus 5 von Anthropic ein. Die Entschlüsselung beider Funksprüche wurde von dem anerkannten Kryptologie-Experten Frode Weierud verifiziert.
Eigenständige Archivsuche und Simulation durch GPT-6 Astra
Carter Leffen beauftragte das OpenAI-Modell Astra damit, eine ungelöste Enigma-Nachricht eigenständig aus einer Datenbank zu wählen und zu dekodieren. Das System agierte mit minimalen Vorgaben: Es führte selbstständig Archivrecherchen durch, programmierte einen eigenen Enigma-Simulator und testete rund 14,8 Millionen Schlüsselkandidaten.
Bei dem bearbeiteten Funkspruch handelt es sich um die 82 Zeichen lange Übertragung „MVUEH“ der deutschen Wehrmacht vom 10. Juli 1941, an der sich Kryptoanalytiker seit 2005 vergeblich versucht hatten. Astra ermittelte die korrekte Rotorordnung II-V-III, die Ringsettings H-M-F, die Anfangsposition R-W-D sowie zehn Steckbrettverbindungen.
Leffen schätzte die Gesamtarbeitszeit des Modells auf etwa zehn Stunden und gestaltete gemeinsam mit der KI eine interaktive Website zur Dokumentation. Weierud betonte, ein menschlicher Forscher hätte für diese Aufgabe voraussichtlich mehrere Wochen bis Monate benötigt.
Astra zog für die Lösung auch Verweise auf deutsche Bundesarchiv-Akten heran, die Weierud über mehrere Wochen hinweg überprüfte. Unklar bleibt bislang, wie das Modell an eine Archivquelle außerhalb von Weieruds Datenbank gelangte. Mögliche Erklärungen sind offene deutsche Regierungsarchive oder Material aus einer Privatsammlung, das früher bereits online publiziert worden sein könnte.
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Gezielter Ansatz mit Claude Opus 5
Einen anderen methodischen Weg wählte der Cybersecurity-Executive Jack Willis. Er meldete am 21. September, dass er mit Claude Opus 5 von Anthropic eine weitere ungelöste Nachricht gebrochen habe, und kontaktierte Weierud noch am selben Tag.
Im Gegensatz zum Vorgehen von Leffen steuerte Willis das Modell mit mehr menschlicher Anleitung. Claude Opus 5 nutzte dabei die bekannte Signatur eines Wehrmachtsoffiziers als sogenannten Crib – ein Textfragment mit vermutetem Klartextinhalt –, um den Suchraum systematisch einzugrenzen.
Verbleibende Chiffren und Einordnung
Frode Weierud, Betreiber der Plattform Crypto Cellar, validierte Leffens Lösung letzte Woche und bestätigte die Klartexte beider Nachrichten. Er äußerte Bewunderung für die Leistung von GPT-6 Astra und merkte an, das Modell verhalte sich wie ein sehr professioneller Kryptanalytiker und Archivforscher.
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Zugleich belegen die Fälle, dass ein erfolgreiches Knacken der Enigma ohne menschliche Unterstützung bislang nicht nachgewiesen ist; in beiden Projekten gaben die Anwender wesentliche Impulse oder Systemparameter vor.
Durch den Erfolg der beiden KI-Systeme verringerte sich die Anzahl der historisch überlieferten, ungebrochenen Enigma-Nachrichten von neun auf sieben. Hinzu kommt eine Nachricht, deren Klartext zwar überliefert ist, deren Code bislang jedoch als ungelöst gilt.
