Energiekosten: Merz kündigt Entlastungsmaßnahmen bei Rekordpreisen an
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts massiv gestiegener Energiekosten hat Bundeskanzler Merz Mitte September staatliche Maßnahmen zur Entlastung von Autofahrern angekündigt. Während das konkrete Instrumentarium noch offen ist, zeichnet sich innerhalb der Bundesregierung und der Fraktionen eine Debatte über verschiedene Modelle ab. Das Spektrum reicht von einem Spritpreisdeckel nach luxemburgischem Vorbild über Steuerkürzungen bis hin zu sozial gestaffelten Direktzahlungen.
Preissituation an den Tankstellen und im Wärmemarkt
Die Notwendigkeit für staatliches Handeln wird durch aktuelle Erhebungen des ADAC unterstrichen. Laut Berichten vom 16. September 2026 markierten die Kraftstoffpreise neue Höchststände. Super E10 kostete am 15. September im bundesweiten Durchschnitt 2,30 Euro pro Liter, was den vierten Rekordwert in Folge darstellte.
Diesel erreichte zeitgleich einen Preis von 2,422 Euro pro Liter. Im Vergleich zum Zeitraum vor Beginn des aktuellen Konflikts bedeutet dies einen Anstieg von 52 Cent bei Super E10 und 68 Cent bei Diesel.
Auch der Heizölmarkt zeigt eine deutliche Teuerung. Daten von Tecson weisen einen Durchschnittspreis von 179,90 Euro pro 100 Liter aus, was einer Steigerung von 16,1 Prozent gegenüber der Vorwoche entspricht. In Bundesländern wie Baden-Württemberg stiegen die Preise sogar auf bis zu 181,30 Euro. Der Branchenverband en2x rechnet aufgrund des Verlusts von Raffineriekapazitäten erst weit im Jahr 2027 mit einer Normalisierung des Kraftstoffmarkts.
Kontroversen um Preisdeckel und Steuersenkungen
Innerhalb der Koalition werden unterschiedliche Ansätze verfolgt. Bundeskanzler Merz stellte neben einem Spritpreisdeckel auch eine Senkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß sowie die Einführung eines Mobilitäts- oder Klimageldes zur Diskussion. Finanzminister Klingbeil fordert explizit die Einführung einer Übergewinnsteuer für fossile Konzerne und einen Preisdeckel.
Wirtschaftsministerin Reiche lehnt hingegen sowohl einen Preisdeckel als auch eine Übergewinnsteuer ab. Sie verweist auf negative Erfahrungen in anderen Ländern, wie etwa in Ungarn im Jahr 2022, wo ähnliche Maßnahmen zu Knappheit und Insolvenzen geführt hätten.
Super E10 kostet im Schnitt 2,30 Euro pro Liter, Diesel 2,422 Euro – der vierte Rekordwert in Folge. Die Bundesregierung diskutiert Entlastungen, doch welches Modell kommt und ab wann, ist offen. Unser kostenloser Ratgeber zeigt, welche Vorschläge im Gespräch sind und mit welchen Schritten Sie beim Tanken sofort sparen. Kostenlosen Ratgeber zu Spritpreisen anfordern
Stattdessen schlägt sie Direktzahlungen an Geringverdiener vor. Dabei zeigt sich jedoch ein administratives Hindernis: Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums liegen derzeit nur von etwa 19 Prozent der Steuerpflichtigen die erforderlichen IBAN-Daten für solche Überweisungen vor.
Unionsfraktionschef Frei plädiert für eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 19 auf 7 Prozent. Diese Maßnahme solle zum 1. Oktober ohne explizite Gegenfinanzierung umgesetzt werden. Zudem bringt er eine Neuauflage des Tankrabatts ins Gespräch.
Konzepte der Fraktionen und Expertenmeinungen
Die Grünen fordern eine sozial gestaffelte Energiepauschale von bis zu 250 Euro pro Kopf. Finanziert werden soll dies durch eine Übergewinnsteuer auf fossile Konzerne, von der sich die Partei Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe verspricht.
Weitere Vorschläge umfassen eine höhere E-Auto-Prämie mit einem zusätzlichen Bonus für Geringverdiener, wobei Fahrzeuge aus chinesischer Produktion von der Förderung ausgenommen werden sollen. Eine Senkung der Stromsteuer auf das EU-Minimum würde laut Berechnungen der Grünen eine Entlastung von einer Milliarde Euro bewirken.
Heizöl kostet im Schnitt 179,90 Euro pro 100 Liter – ein Plus von 16,1 Prozent gegenüber der Vorwoche. Während die Politik noch über Entlastungen streitet, lässt sich beim Heizen schon jetzt bares Geld sparen. Der Ratgeber bündelt die wirksamsten Maßnahmen – von der richtigen Heizkörper-Einstellung bis zum angepassten Abschlag. Heizkosten-Ratgeber jetzt sichern
Wirtschaftsexperten bewerten die Lage unterschiedlich. DIW-Präsident Fratzscher empfiehlt eine Energiepauschale analog zu den Jahren 2022/23 in Höhe von 300 Euro pro Erwachsenem, was Kosten von etwa 16 Milliarden Euro verursachen würde. Demgegenüber warnt RWI-Experte Frondel vor einem Spritpreisdeckel und hält bei anhaltendem Konflikt Benzinpreise von über 2,50 Euro pro Liter für möglich.
Der DIHK warnt unterdessen vor den gesamtwirtschaftlichen Folgen: Die nationale Importrechnung für Energie könnte um bis zu 40 Milliarden Euro steigen, was etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspräche. Im Transportsektor sind die Auswirkungen bereits spürbar; Schätzungen zufolge sind derzeit bis zu 20 Prozent der Lkw-Kapazitäten stillgelegt.
