Endometriose-Ernährung: Fischöl senkt Schmerzen bei 73,9 Prozent der Frauen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 01:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die chronische Erkrankung Endometriose betrifft Schätzungen zufolge etwa jede zehnte Frau in der Schweiz. Wie Berichte aus dem September 2026 verdeutlichen, ist der Weg zur korrekten Diagnose oft lang: Fast jede zweite Betroffene erhält zunächst fälschlicherweise die Diagnose Reizdarm.
Neben medizinischen Therapien rückt die gezielte Ernährung zunehmend in den Fokus der Wissenschaft und Beratung, um die oft belastenden Symptome wie starke Unterleibsschmerzen, Verdauungsprobleme und chronische Müdigkeit zu adressieren.
Die Rolle der entzündungshemmenden Ernährung
Eine darmfreundliche und antientzündliche Ernährungsweise wird von Experten als zentraler Baustein zur natürlichen Linderung von Endometriose-Beschwerden angesehen. Ernährungsberaterin Ellen Weber (santé24) betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer mediterran geprägten Kost. Diese könne zwar keine Heilung der Endometriose herbeiführen, jedoch die Symptomlast signifikant reduzieren.
Als wesentliche Bestandteile einer solchen Ernährung gelten zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse pro Tag. Vollkornprodukte, hochwertige Öle wie Raps- oder Leinöl sowie eine deutliche Reduktion von Zucker werden empfohlen.
Besonders wichtig ist die ausreichende Versorgung mit spezifischen Mikronährstoffen, darunter Eisen, Magnesium, Zink, Selen sowie die Vitamine A, D, E und verschiedene B-Vitamine. Zudem wird der Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch, Leinsamen und Walnüssen vorkommen, eine hohe Bedeutung beigemessen.
Klinische Studien zu Fischöl und spezifischen Lebensmitteln
Aktuelle Forschungsergebnisse, die unter anderem in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlicht wurden, untermauern den Effekt von Omega-3-Fettsäuren.
In einer randomisiert-kontrollierten Studie über einen Zeitraum von zwölf Wochen erhielten 46 Frauen zusätzlich zu einer gesunden Ernährung Fischöl in einer Dosierung von 0,5 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Dabei stieg die Konzentration des entzündungshemmenden Botenstoffs IL-10 signifikant von 32,5 auf 265 pg/ml an.
Gleichzeitig sank das Schmerzempfinden auf der Visual Analog Scale (VAS) in der Fischölgruppe von 5,0 auf 4,3. Rund 73,9 Prozent der Teilnehmerinnen in dieser Gruppe konnten eine Verbesserung des VAS-Wertes um mindestens einen Punkt verzeichnen, während dies in der Kontrollgruppe lediglich auf 34,8 Prozent zutraf.
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Trotz dieser positiven Tendenzen bei Schmerzen und IL-10-Werten blieb der Calprotectin-Wert unverändert. Die Studienautoren wiesen zudem auf eine gewisse Heterogenität der Ergebnisse hin und forderten weiterführende, großangelegte Untersuchungen.
Eine umfassende Analyse von über 100 Studien zu verschiedenen Ernährungstipps liefert weitere statistische Anhaltspunkte für das Erkrankungsrisiko:
- Transfette: Ein hoher Konsum ist laut einer Untersuchung von Missmer et al. (2010) mit einem um 48 Prozent höheren Risiko verbunden.
- Zitrusfrüchte: Der Verzehr einer Portion pro Tag korreliert gemäß Harris et al. (2018) mit um 22 Prozent niedrigeren Risiko.
- Milchprodukte: Mehr als drei Portionen täglich senkten das Risiko in einer Studie von 2013 um 18 Prozent.
- Soja: Eine Untersuchung an über 82.000 Frauen (Mitsunami et al., 2025) deutet auf ein leicht sinkendes Risiko pro wöchentlicher Portion hin.
Kein statistischer Zusammenhang konnte hingegen für Gluten (Schwartz et al., 2022) festgestellt werden. Auch für Fischöl-Kapseln ergab eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 im Gegensatz zur flüssigen Gabe keinen Schmerzvorteil gegenüber einem Placebo.
Metabolische Zusammenhänge und Insulinresistenz
Ein weiterer Aspekt in der Behandlung der Endometriose, die insgesamt 10 bis 15 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter betrifft, ist die Verbindung zu metabolischen Problemen. Laut Fachberichten kann eine Insulinresistenz bis zu jede dritte Frau mit hormonellen Beschwerden betreffen. Beide Zustände teilen die Basis einer chronischen Entzündung.
Als Goldstandard gilt hier eine antientzündliche Ernährung mit moderater glykämischer Last. Empfohlen werden Mahlzeiten, die zur Hälfte aus Gemüse und Obst bestehen, ergänzt durch Proteine, komplexe Kohlenhydrate und gesunde Fette. Bereits ein moderater Gewichtsverlust von 5 bis 10 Prozent kann die Insulinsensitivität spürbar verbessern.
Status von CBD und offizielle Leitlinien
Trotz des Interesses an alternativen Schmerzmitteln ist die Evidenzlage für Cannabidiol (CBD) bei Endometriose derzeit unzureichend. Bisher bestätigt keine doppelblinde klinische Studie die Wirksamkeit von isoliertem CBD gegen Endometriose-Schmerzen.
Eine an der Universität São Paulo durchgeführte Phase-3-Studie mit einem Präparat aus 98 Prozent CBD und 2 Prozent THC bei Dosierungen von 10 bis 150 mg pro Tag ist zwar registriert, Ergebnisse stehen jedoch noch aus. Andere Untersuchungen wie die DREAMLAND-Studie wurden vorzeitig abgebrochen.
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Die ESHRE-Leitlinie von 2022 empfiehlt weiterhin einen multimodalen Ansatz aus Analgetika, Hormonen und operativen Eingriffen, führt CBD jedoch nicht als validierte Option auf. Fachleute warnen zudem vor möglichen Wechselwirkungen von CBD mit Hormonpräparaten und Antikoagulanzien.
Auch Ivonne van der Lee, Leiterin der Selbsthilfegruppe Endo Ladies, thematisiert in Fachbeiträgen die komplexen Auswirkungen der Ernährung und rät Betroffenen zur gezielten Information über gesicherte Erkenntnisse.
