EMS-Training: DGKN warnt vor Nierenschäden und Überbelastung im Breitensport
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 08:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Training mittels Ganzkörper-Elektromyostimulation (EMS) erfreut sich wachsender Beliebtheit. In vielen deutschen Fitnessstudios wird die Methode intensiv beworben, bei der elektrische Impulse die Muskulatur während der Übungen zusätzlich stimulieren. Doch Fachgesellschaften sehen die Entwicklung im Breitensport kritisch.
Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) warnt vor einer drohenden körperlichen Überbelastung sowie vor potenziellen Nierenschäden. Vor diesem Hintergrund rät die medizinische Fachgesellschaft von der Nutzung des EMS-Trainings im reinen Breitensport ab.
Das Versprechen kurzer Trainingseinheiten
In der Fitnessbranche wird die Elektromyostimulation vor allem mit einem hohen Zeitgewinn verknüpft. Fitnessstudios werben vielfach mit dem Versprechen eines hocheffizienten Trainings, für das lediglich ein Aufwand von 20 Minuten pro Woche erforderlich sei. Dieser Ansatz spricht insbesondere Berufstätige und Freizeitsportler an, die mit minimalem Zeiteinsatz einen spürbaren Muskelaufbau oder eine Steigerung der Fitness anstreben.
Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass die dabei wirkenden Reize auf den Organismus nicht unterschätzt werden dürfen. Prof. Dr. Stefan Knecht, Pressesprecher der DGKN von der St. Mauritius Therapieklinik Meerbusch, hält fest, dass EMS höchstens ein- bis maximal zweimal pro Woche zum Einsatz kommen sollte, um den Körper nicht zu überfordern.
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Erhöhte Muskelwerte und Belastung der Nieren
Die physiologischen Auswirkungen der elektrischen Reizung sind Gegenstand sportwissenschaftlicher Untersuchungen. Wissenschaftler der Sporthochschule Köln stellten fest, dass beim EMS-Training der Wert des Enzyms Kreatinkinase (CK) im Blut deutlich stärker ansteigen kann als bei herkömmlichen Trainingsmethoden. Demnach klettert der CK-Wert bei dieser Methode bis zu 18 Mal höher als beim regulären Kraft- oder Ausdauertraining.
Ein derart drastischer Anstieg zeigt an, dass Muskelfasern in erheblichem Umfang beansprucht oder geschädigt werden. Werden solche Extremwerte erreicht, kann dies in Einzelfällen zu Nierenschädigungen führen, da die Abbauprodukte der geschädigten Muskulatur über die Nieren gefiltert werden müssen.
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Qualifikation des Personals im Fokus
Ein wesentlicher Kritikpunkt der Mediziner betrifft die praktische Durchführung in kommerziellen Einrichtungen. Das Personal in Fitnessstudios ist nach Einschätzung von Fachleuten oftmals nicht ausreichend geschult, um die individuellen Belastungsgrenzen der Trainierenden verlässlich einzuschätzen oder die Stromstärken adäquat zu dosieren.
Die DGKN betont, dass die Methode der Elektromyostimulation ausschließlich unter Anleitung von ausgebildeten Sportmedizinern und Physiotherapeuten angewendet werden sollte. Für Freizeitsportler sieht die Fachgesellschaft andere Wege als sinnvoller an: Statt auf EMS zu setzen, empfiehlt die DGKN im Breitensport die Durchführung eines regulären Fitnesstrainings, um Kraft und Gesundheit ohne übermäßige physiologische Risiken aufzubauen.
