EMS-Training, CK-Wert

EMS-Training: CK-Wert kann laut Sporthochschule Köln bis zu 18-mal steigen

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die DGKN empfiehlt EMS nur unter Fachaufsicht; hohe CK-Werte können die Muskulatur belasten und in Einzelfällen Nierenschäden begünstigen.
Ein steriler, minimalistischer Therapieraum in einer Sportmedizin-Praxis mit professioneller Ausstattung. Illustration mit AI erstellt.

Das Training mittels elektrischer Muskelstimulation (EMS) erfreut sich wachsender Beliebtheit, sorgt in der Fachwelt jedoch für anhaltende Diskussionen.

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) warnt vor dem Einsatz von EMS-Training im Breitensport und rät von einer Nutzung ohne professionelle Betreuung ab. Ein sicherer Einsatz sei demnach ausschließlich unter Anleitung ausgebildeter Sportmediziner oder Physiotherapeuten vertretbar.

Belastungen für die Muskulatur und Nierenrisiken

Hintergrund der Warnhinweise sind unter anderem erhebliche Belastungen des Körpers durch den künstlich induzierten Stromfluss. Wissenschaftler der Sporthochschule Köln stellten fest, dass der Wert der Creatin-Kinase (CK-Wert) beim EMS-Training bis zu 18-mal höher ansteigen kann als beim herkömmlichen Training.

Ein derart massiver Anstieg zeigt den Abbau beziehungsweise die Beanspruchung von Muskelgewebe an. In Einzelfällen können derartige Extremwerte zu Nierenschädigungen führen. Treten nach einer Einheit Symptome wie Schmerzen, Herzrasen oder ein Schwächegefühl auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht und stets auf ausreichendes Trinken geachtet werden.

Trainingsfrequenz und Werbeversprechen der Fitnessbranche

Viele Fitnessstudios werben damit, bereits mit einer Trainingsdauer von nur 20 Minuten pro Woche sichtbare Resultate zu erzielen. Ein wissenschaftlich gesicherter Trainingseffekt ist dabei allerdings nicht bewiesen. Hinsichtlich der Belastungssteuerung mahnen Experten zu starker Zurückhaltung: Prof. Stefan Knecht von der DGKN empfiehlt für ein EMS-Training höchstens 1- bis maximal 2-mal pro Woche.

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Neben klassischen EMS-Elektroden werden im Fitness- und Wellnesssektor zunehmend auch Geräte auf Basis hochintensiver fokussierter Elektromagnetfelder (HIFEM) eingesetzt.

Nach Herstellerangaben stimuliert HIFEM einen Großteil der Muskelfasern gleichzeitig, indem die Motoneuronen direkt angeregt werden, statt Kontraktionen wie bei willkürlicher Bewegung über das Zehn-trale Nervensystem auszulösen. Der Anbieter BELIS vermarktet entsprechende HIFEM- und EMSlim-Geräte für Kliniken sowie Salons, nennt dazu jedoch keine unabhängigen Wirkungsdaten oder Zahlen.

Nach Anbieterangaben benötigt der Körper nach einer Anwendung mit der EMSlim-Technik eine Regenerationszeit von 48–72 Stunden, weshalb das Verfahren nicht täglich am selben Muskel eingesetzt werden sollte.

Ein dort genanntes Standardprotokoll sieht 4 Sessions à 30 Minuten über 2 Wochen mit 2–3 Tagen Abstand vor, gefolgt von einer Auffrischung von 1 Session alle 3–6 Monate. Eine tägliche Anwendung berge das Risiko von Übertraining mit Muskelkater, Erschöpfung sowie Verletzungsgefahren und könne den Muskelaufbau behindern.

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Medizinische Einsatzgebiete und therapeutische Grenzen

Abseits des reinen Freizeitsports besitzt die Elektrostimulation einen festen Platz im therapeutischen Kontext. Eine Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur kann bei ausgewählten Beckenbodenfunktionsstörungen als ergänzende Maßnahme zu aktivem Training und Physiotherapie dienen, etwa bei spezifischen Formen der Harninkontinenz oder bei Problemen mit der bewussten Muskelansteuerung.

Allerdings stellt sie keinen Ersatz für aktives Training dar und bedarf einer vorherigen fachlichen Abklärung; bei Schmerzen im Beckenbereich oder bei übermäßig angespannter Muskulatur ist Vorsicht geboten.

Auch im Sportbereich wird die Technologie für gezielte Rehabilitationen erforscht: Eine Studie von Karam Salam Ismaeil und Baydaa Razzaq Jawad im Journal of Physical Education untersuchte die Auswirkung elektrischer Stimulation mit einem vorgeschlagenen Gerät auf das statische Gleichgewicht bei der Hamstring-Rehabilitation von Athleten mit leichter Muskelzerrung, wobei im zugänglichen Text keine Ergebniszahlen enthalten sind.

Für den Breitensport bleibt festzuhalten, dass der Einsatz von Stromimpulsen fundiertes Fachwissen voraussetzt, um gesundheitliche Folgeschäden zu vermeiden.

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