Emotionale, Steuerung

Emotionale Steuerung: 41% der Arbeitnehmer fordern entschlossenere Chefs

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 09:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Hörbuch beleuchtet funktionale Psychopathie, während Studien, Führungsmodelle und eine KI-App neue Wege für Selbststeuerung zeigen.

Psychologie im Beruf: Selbstkontrolle, Führung und KI-Therapie
Ein minimalistischer, moderner Schreibtisch in einem Büro mit Blick auf die abendliche Skyline durch ein großes Fenster. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Auseinandersetzung mit psychologischen Verhaltensmustern zur Steigerung der persönlichen und beruflichen Effizienz gewinnt in der aktuellen Fachliteratur und psychologischen Beratung zunehmend an Bedeutung.

Im Zentrum steht dabei oft die Frage, wie spezifische Persönlichkeitsmerkmale – bis hin zu funktionalen Aspekten der Psychopathie – gezielt eingesetzt werden können, um in komplexen Umgebungen handlungsfähig zu bleiben.

Ein aktuelles Beispiel für diese Tendenz findet sich in der Veröffentlichung des Hörbuchs Die 5-Minuten Psychopathin von Sebastian Trog, das Ende August 2026 im Verlag TOP OF THE LIST AUDIO erschienen ist. Das im mp3-Format vorliegende Werk mit einer Dauer von 1 Stunde und 44 Minuten (ISBN 4070169282414) wird zu einem Preis von 4,99 Euro angeboten und ordnet sich in das Genre der populärwissenschaftlichen Psychologie ein.

Konzepte der funktionalen Psychopathie

Die Einordnung solcher Verhaltensweisen ist jedoch differenziert zu betrachten. Bereits im Juli 2026 thematische der Autor Geraint Anderson in seinem Buch How to Con Friends and Manipulate People ähnliche Mechanismen.

Anderson, bei dem ein entsprechender Test einen Wert von 9 Punkten ergab – was deutlich unter der britischen Schwelle für klinische Psychopathie von 25 Punkten liegt –, wurde von der Psychologin Kerry Daynes als situationaler Psychopath eingestuft. Dies unterstreicht die These, dass bestimmte Verhaltensmuster, die klassischerweise negativ konfrontiert sind, in spezifischen Kontexten adaptiv wirken können.

In der Organisationspsychologie wird diese kontrollierte Steuerung des Auftretens aktiv diskutiert. Tomas Chamorro-Premuzic vom University College London betonte in jüngsten Analysen, dass die verbreitete Forderung, am Arbeitsplatz authentisch man selbst zu sein, oft unprofessionell wirke.

Führung erfordere vielmehr die bewusste Einnahme einer Rolle, die durch emotionale Intelligenz und Selbstkontrolle geprägt sei. Es gehe darum, Impulse zu kontrollieren und die Wirkung auf andere gezielt zu steuern, statt ungefilterte Emotionen zu zeigen.

Emotionale Steuerung und berufliche Anforderungen

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Die Relevanz dieser Selbstkontrolle spiegelt sich auch in statistischen Erhebungen zum deutschen Arbeitsmarkt wider. Daten aus dem August 2026 zeigen, dass 41 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland eine mangelnde Entscheidungsfreude bei Vorgesetzten als inakzeptabel empfinden.

Im Vergleich dazu liegt dieser Wert in Italien bei lediglich 26 Prozent. Dies verdeutlicht den hohen Erwartungsdruck an Führungskräfte, Souveränität und Entschlossenheit auszustrahlen.

Fachleute raten Führungskräften dazu, Emotionen zwar kontrolliert zu zeigen, sie jedoch nicht gänzlich zu unterdrücken. Zur Vermeidung von Überlastung wird auf Modelle wie die Lebensbalance nach Peseschkian verwiesen, die ein Gleichgewicht zwischen Arbeit, Sinnstiftung, körperlicher Gesundheit und familiären Bindungen fordert.

Technologische Unterstützung und systemische Akzeptanz

Parallel zur theoretischen Aufarbeitung entwickeln sich technologische Lösungen zur psychologischen Unterstützung. Die von den ehemaligen Calm-Mitarbeitern Anson Whitmer und Tyler Sheaffer sowie Tony Robbins mitbegründete KI-Therapie-App The Path sicherte sich ein Startkapital von 14,3 Millionen US-Dollar durch das Prime Movers Lab.

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Die Anwendung, für die eine Monatsgebühr von 40 US-Dollar geplant ist, erreichte in Benchmarks zur mentalen Gesundheit 95 Punkte und übertraf damit herkömmliche Verbraucher-Bots deutlich.

Ergänzend zu technologischen Hilfsmitteln gewinnen Methoden wie die radikale Akzeptanz an Bedeutung. Die Psychiatrin Petra Beschoner erläuterte, dass die bewusste Annahme der Realität ohne wertende Einordnung ein wirksames Werkzeug bei chronischem Stress, Angststörungen und Depressionen darstelle. Diese Herangehensweise ist fester Bestandteil moderner Therapieformen wie der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT).

Zwischenmenschliche Dynamiken und Selbstwert

In der zwischenmenschlichen Kommunikation wird verstärkt auf strukturierte Methoden gesetzt, um Missverständnisse zu minimieren. Die sogenannte SBII-Methode (Situation, Behavior, Impact, Intent), die vom Center for Creative Leadership entwickelt wurde, zielt darauf ab, die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung aufzulösen.

Eine Studie der SWPS University in Warschau belegt in diesem Kontext, dass Menschen dazu neigen, ihr eigenes Handeln nach ihren Absichten zu beurteilen, während sie andere primär nach der Wirkung ihres Verhaltens bewerten.

Abschließend plädieren Experten wie die Psychotherapeutin Miriam Junge dafür, den eigenen Selbstwert angesichts des technologischen Wandels neu zu definieren. Da künstliche Intelligenz zunehmend reine Leistungsaspekte entwerte, liege der eigentliche menschliche Wert in Urteilskraft, Verantwortungsübernahme und Beziehungsfähigkeit. Die KI solle dabei lediglich als Werkzeug und nicht als Instanz der Selbstbewertung fungieren.

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