Emotionale Intelligenz: Vertrauen entsteht durch Selbststeuerung
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 19:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der modernen Managementlehre galt Authentizität lange Zeit als unumstößliches Ideal. Doch aktuelle Einschätzungen fordern eine differenziertere Betrachtung dieses Konzepts. Der Organisationspsychologe Tomas Chamorro-Premuzic vom University College London (UCL) legte Ende August 2026 dar, dass der gegenwärtige Kult um die Authentizität in Führungspositionen kritisch zu hinterfragen sei.
Seiner Analyse zufolge ist es für den Erfolg einer Führungskraft nicht entscheidend, jede innere Regung ungefiltert nach außen zu tragen. Vielmehr entstehe Vertrauen innerhalb einer Organisation durch die Fähigkeit zur professionellen Selbststeuerung und die bewusste Kontrolle der eigenen Wirkung auf das Umfeld.
Die Grenzen der Authentizität im Management
Die Vorstellung, dass Führungskräfte stets ihr „wahres Ich“ zeigen sollten, stößt in der praktischen Anwendung an Grenzen. Chamorro-Premuzic argumentiert, dass ein Übermaß an ungefilterten Gefühlen und Impulsen die professionelle Distanz und die Stabilität einer Führungsposition gefährden könne. Führung erfordere in erster Linie die Kompetenz, das eigene Verhalten an die jeweilige Situation anzupassen, anstatt rein emotional zu reagieren.
Der Experte betont, dass der Fokus auf Authentizität oft missverstanden werde als die Erlaubnis, auf professionelle Filter zu verzichten. In einem geschäftlichen Umfeld sei es jedoch die Aufgabe einer Führungskraft, Sicherheit und Orientierung zu vermitteln.
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Ein Agieren, das ausschließlich auf momentanen Befindlichkeiten basiere, könne das Gegenteil bewirken und die Glaubwürdigkeit der Führungsperson schwächen. Stattdessen sei eine situative Steuerung notwendig, die sich an den Zielen des Unternehmens und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientiert.
Vertrauensbildung durch bewusste Verhaltenssteuerung
Ein zentraler Aspekt der Analyse vom 30. August 2026 ist die Entstehung von Vertrauen. Entgegen der Annahme, dass radikale Offenheit die Bindung zu den Angestellten stärke, sieht der Organisationspsychologe die Basis für Vertrauen in der Verlässlichkeit und der professionellen Souveränität. Führungskräfte müssten demnach lernen, ihre Impulse aktiv zu kontrollieren.
Die Empfehlungen an das Management lauten daher, das eigene Verhalten nicht als reinen Ausdruck der Persönlichkeit zu sehen, sondern als Werkzeug, das gezielt eingesetzt werden muss.
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Eine bewusste Steuerung der eigenen Wirkung ermögliche es, professionelle Standards aufrechtzuerhalten, auch wenn persönliche Impulse in eine andere Richtung weisen könnten. Vertrauen wachse demnach dort, wo Mitarbeitende wissen, dass eine Führungskraft ihre Emotionen im Sinne der Professionalität im Griff hat.
Professionalität als Kernkompetenz moderner Führung
Ein weiterer Kritikpunkt am Authentizitätsideal betrifft den Umgang mit Kommunikation und Rückmeldungen. Chamorro-Premuzic hebt hervor, dass professionelles Feedback eine wesentlich höhere Bedeutung für die Teamentwicklung habe als eine ungefilterte Ehrlichkeit. Während Letztere oft verletzend oder destruktiv wirken könne, ziele professionelles Feedback darauf ab, Fortschritte zu ermöglichen und die Zusammenarbeit zu verbessern.
Führungskräfte sollten sich daher weniger darauf konzentrieren, wie sie sich im Moment fühlen, sondern welche Wirkung ihr Verhalten erzielt. Diese Form der emotionalen Führungskompetenz verlangt eine ständige Selbstreflexion.
Die Fähigkeit, Impulse zu unterdrücken und stattdessen eine angemessene, professionelle Reaktion zu wählen, wird somit zu einer Kernqualifikation in der modernen Arbeitswelt. Letztlich sei nicht die Echtheit der Emotion das Qualitätsmerkmal guter Führung, sondern die Qualität der professionellen Interaktion.
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