Embodied AI: Schweizer Robotik-Start-up sammelt Millionen für europäische Fabriken
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Schweizer Robotik-Start-up Embodied AI hat seine erste Finanzierungsrunde zur Automatisierung europäischer Fertigungslinien abgeschlossen. Die Runde wurde vom Wagniskapitalgeber Faber VC angeführt, wie am 16. September 2026 bekannt gegeben wurde.
Zu den weiteren Geldgebern gehören Techshop Capital, Look AI Ventures, Kickfund, Plug and Play San Francisco, Excellis sowie Vento. Die genaue Höhe des eingeworbenen Kapitals und die daraus resultierende Unternehmensbewertung gaben die beteiligten Parteien nicht bekannt.
Das aus der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hervorgegangene Unternehmen zielt auf die Modernisierung industrieller Arbeitsabläufe ab. Während die Massenfertigung zunehmend nach Asien abwandert, konzentriert sich Embodied AI auf komplexe Fertigungsumgebungen mit hoher Produktvariation, häufigen Umrüstungen und anspruchsvollen Präzisionsanforderungen.
Aufgabenspezifische Modelle statt monolithischer Intelligenz
Technologisch setzt das Lausanner Start-up auf ein sogenanntes Schwungrad-Prinzip der physischen Intelligenz anstelle eines einzelnen, übergreifenden Generalmodells. Das Konzept kombiniert kleine, aufgabenspezifische Modelle für maschinelles Lernen mit einer Fernkorrektur durch menschliche Operatoren und elastischer Robotik-Hardware, die über eine mechanisch integrierte Sicherheit verfügt.
Die Plattform verarbeitet kontinuierlich Produktionsdaten und trainiert maßgeschneiderte Modelle. Eine aufgabenspezifische Orchestrierung soll dabei die Betriebsbereitschaft sicherstellen. Weicht ein Prozess von den Parametern ab, greift ein Operator aus der Ferne ein, um den Arbeitsablauf zu korrigieren.
Unterstützung erhält dieser Ansatz durch Erkenntnisse aus dem abgeschlossenen vierjährigen europäischen Forschungsprojekt EMERGE im Rahmen des Programms EIC-Pathfinder, das unter Beteiligung internationaler Universitäten dezentrale Wahrnehmung und sparsame maschinelle Lernmodelle untersuchte. Embodied AI ist zudem Teilnehmer des NVIDIA-Inception-Programms und Partner von Google DeepMind.
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Erste Einsätze in der europäischen Industrie
Die Technologie wird bereits von großen europäischen Fertigungsunternehmen erprobt. Zu den ersten Einsatzbereichen zählen die Elektronikproduktion, die Zusammenstellung von Teilesätzen, das Hantieren mit flexiblen Kabeln sowie Aufgaben in der Logistik und der Automobilmontage.
Unter den Anwendern befinden sich nach Unternehmensangaben auch Fortune-500-Konzerne; konkrete Kundennamen, Umsatzzahlen oder die genaue Anzahl der bestehenden Installationen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Das Führungsteam besteht aus CEO Francesco Stella, der an der EPFL im Bereich Robotik und künstliche Intelligenz promovierte und Forschungsstationen am Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchlief, CTO Kai Junge, ebenfalls promovierter Robotik-Experte der EPFL mit Master-Abschluss der University of Cambridge, sowie COO Max Polzin. Ein wissenschaftlicher Beirat um Josie Hughes von der EPFL und Cosimo Della Santina von der TU Delft begleitet die Weiterentwicklung.
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Ausbau der Standorte in Lausanne und Rom
Die frischen Mittel sind für einen zweistufigen Ausbau vorgesehen. Kurzfristig soll der Einsatz physischer KI-Systeme direkt auf den Fertigungslinien europäischer Erstausrüster implementiert werden.
In einer zweiten Phase plant Embodied AI die Hochskalierung der Roboterfertigung sowie den weiteren Aufbau der Daten- und Trainingsinfrastruktur. Hierfür sollen zusätzliche Forscher, Entwicklungsingenieure und kaufmännische Führungskräfte an den Unternehmensstandorten in Lausanne und Rom eingestellt werden.
