Elterngeld-Reform: 12 statt 14 Monate, höhere Sätze ab 2027
Veröffentlicht am: 08.07.2026 um 19:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Gesetzentwurf aus dem Familienministerium sieht kürzere Bezugszeiten, höhere Sätze und mehr Pflichtmonate für Väter vor. Ziel: 500 Millionen Euro im Haushalt 2027 einsparen.
Weniger Monate, mehr Flexibilität?
Das Basiselterngeld soll von 14 auf maximal 12 Monate verkürzt werden. Künftig sind pro Elternteil drei Monate fest reserviert, die restlichen sechs Monate lassen sich frei aufteilen. Alleinerziehende sollen weiterhin bis zu 12 Monate beziehen können.
Gleichzeitig steigen die Beträge: Der Mindestsatz klettert von 300 auf 330 Euro, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Die Lohnersatzrate bleibt bei 65 Prozent. Auch der Geschwisterbonus soll ausgeweitet werden.
Flankierend diskutiert die Politik Änderungen im Mutterschutzgesetz. Beschäftigungsverbote könnten künftig auf 12 Monate nach der Entbindung begrenzt werden.
Sparen für den Haushalt
Die Reform ist Teil der Haushaltskonsolidierung. Für 2027 sind Einsparungen von rund 500 Millionen Euro eingeplant. Bis 2030 könnten sich die kumulierten Ersparnisse auf 1,6 Milliarden Euro summieren.
Die aktuellen Zahlen zeigen, wie stark das Elterngeld genutzt wird: 2025 bezogen rund 1,61 Millionen Menschen die Leistung. Der Frauenanteil lag bei 1,19 Millionen, der Männeranteil bei 417.000. Das entspricht einer Väterquote von 25,9 Prozent. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf 7,1 Milliarden Euro.
Die Einkommensgrenze für den Bezug soll bei 175.000 Euro zu versteuerndem Einkommen liegen.
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Breite Kritik an den Plänen
Die geplanten Kürzungen stoßen auf Widerstand. Ein Berichterstatter der SPD-Fraktion warnt: Die Verkürzung der Bezugsdauer und die Ausweitung der Pflichtmonate für Väter könnten vor allem Familien belasten, die sich längere Väterbeteiligung finanziell nicht leisten können. Seine Alternative: Einsparungen bei den oberen zehn Prozent der Einkommensbezieher.
Auch der Deutsche Frauenrat und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) äußern Bedenken. Sie befürchten, dass der Etat für Familienleistungen bis 2029 um bis zu ein Fünftel schrumpfen könnte.
Eine Bertelsmann-Umfrage aus 2025 zeigt die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität: 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer befürworten ein egalitäres Modell mit jeweils sieben Monaten Elternzeit. Die aktuellen Pläne bleiben dahinter zurück.
In Nordrhein-Westfalen belegt ein DJI-Familienbericht aus 2026 zudem die Ungleichverteilung der Arbeit: Mütter arbeiten dort durchschnittlich 27 Stunden pro Woche, Väter 39 Stunden.
Betriebliche Initiativen gewinnen an Bedeutung
Unabhängig von der Gesetzeslage rücken betriebliche Angebote in den Fokus. Ein Beispiel: Der Überbetriebliche Verbund Familie & Beruf e. V. Heidekreis. Er umfasst rund 130 Unternehmen und wurde im Juli 2026 als „Bündnis des Monats“ ausgezeichnet. Der Verbund organisiert jährlich rund 1.000 Ferienbetreuungsplätze.
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Bundesweit sind etwa 320 lokale Bündnisse für Familie aktiv, an denen rund 7.900 Unternehmen beteiligt sind. Für den 11. September 2026 ist im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin ein Unternehmenstag unter dem Motto „Erfolgsfaktor Familie“ geplant. Dort werden neue Daten des „Unternehmensmonitors Familienfreundlichkeit 2026“ vorgestellt.
Fachleute raten Personalabteilungen, sich frühzeitig auf die möglichen Änderungen beim Elterngeld und die damit verbundenen Verschiebungen in der Elternzeitplanung einzustellen.
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