Eli Lilly in Mailand: Sponsoring der Vogue World entfacht Kritik an Schlankheitsidealen
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Kooperation zwischen dem Pharmaunternehmen Eli Lilly, dem Hersteller des Adipositas-Präparats Mounjaro, und der Modebranche ist Gegenstand einer intensiven fachlichen Auseinandersetzung.
Im Mittelpunkt steht das Sponsoring der Vogue-World-Modenschau am 22. September 2026 in Mailand durch den US-Konzern. Experten aus Psychologie und Patientenvertretung äußern Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen einer solchen Partnerschaft auf gesellschaftliche Körperbilder und gefährdete Personengruppen.
Bedenken hinsichtlich der Normalisierung von Schlankheitsidealen
Wissenschaftler und Vertreter von Organisationen für Essstörungen kritisieren die Verbindung von Modewerbung mit GLP-1-Medikamenten. Eine Psychologieprofessorin sowie ein Vertreter der Organisation Beat wiesen darauf hin, dass die Partnerschaft das Ziel des Schlankseins als erstrebenswertes Ideal vermitteln könne. Diese Darstellung werde insbesondere für Menschen mit Essstörungen als hochgradig problematisch eingestuft.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen eine mögliche Normalisierung von extremen Schlankheitsidealen durch die Verknüpfung medizinischer Wirkstoffe mit der Ästhetik der Modeindustrie. Fachleute warnen, dass die Präsenz eines Herstellers von Abnehmpräparaten in einem Umfeld, das historisch für die Darstellung schmaler Körperformen bekannt ist, falsche Anreize setzen könnte.
Positionierung des Herstellers und Fokus auf Markenidentität
Der Pharmakonzern Eli Lilly wies die Vorwürfe zurück und ordnete das Engagement in einen anderen Kontext ein. Demnach gehöre das Sponsoring zum 150-jährigen Firmenjubiläum des Unternehmens. Ziel der Maßnahmen sei die Bewerbung der Unternehmensmarke im Allgemeinen und nicht die eines einzelnen Medikaments.
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In Zusammenarbeit mit Vogue wurde zudem ein Video mit dem Titel „Portrait of Progress“ veröffentlicht. In den dazugehörigen Werbematerialien wurden nach Unternehmensangaben weder das Thema Schlankheit noch spezifische Abnehmmedikamente explizit erwähnt. Das Unternehmen betont damit eine strategische Ausrichtung auf die eigene Historie und den medizinischen Fortschritt statt auf kurzfristige ästhetische Trends.
Statistischer Hintergrund zur Vielfalt in der Modebranche
Die Diskussion findet vor dem Hintergrund einer Branche statt, die weiterhin stark von kleinen Konfektionsgrößen dominiert wird. Daten von Vogue Business illustrieren diese Situation anhand der Auswertung von 198 Womenswear-Shows im September 2025. Bei insgesamt 9.038 präsentierten Looks wurden 97,1 % von Models in der US-Größe 0–4 getragen.
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Lediglich 2 % der Outfits wurden an Mid-Size-Models präsentiert, während der Anteil von Plus-Size- oder Curve-Models bei 0,9 % lag. Trotz dieser geringen prozentualen Anteile waren auch prominente Plus-Size-Models wie Paloma Elsesser und Ashley Graham im Rahmen der Branchenevents vertreten.
Diese Zahlen verdeutlichen nach Ansicht von Kritikern die Sensibilität des Marktes für die Präsenz von Herstellern, deren Produkte unmittelbar auf die Regulierung des Körpergewichts abzielen.
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