Elektronische Patientenakte: Nur 4 Millionen nutzen ePA aktiv
20.06.2026 - 23:39:43 | boerse-global.de
Doch die Nutzung hinkt den Erwartungen hinterher.
Aktivierungshürden bremsen die Akzeptanz
Obwohl Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken seit Oktober 2025 zur Nutzung verpflichtet sind, bleibt die aktive Beteiligung gering. Von rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten nutzen aktuell nur etwa vier Millionen die ePA aktiv. Eine Forsa-Umfrage zeigt: Rund 75 Prozent der Befragten haben sich bislang nicht mit der digitalen Akte befasst.
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Hauptgründe sind die komplizierte Aktivierung und fehlende Grundfunktionen – etwa vollständig integrierte Impf- oder Bonushefte. Auch die Befüllung der Akten durch Ärzte und Kliniken läuft uneinheitlich. Das Bundesgesundheitsministerium unter Ministerin Warken (CDU) peilt dennoch 20 Millionen Nutzer bis 2030 an.
Verbraucherschützer kritisieren Informationspolitik
Bereits Ende 2024 hagelte es Kritik von den Verbraucherzentralen. Ihr Vorwurf: Die Krankenkassen informieren einseitig über Vorteile, während Datenschutzrisiken unter den Tisch fallen. Besonders ärgerlich: Kein Versicherer verschickte das 43-seitige Infodokument in Papierform.
Auch der Widerspruch gegen die ePA ist unnötig kompliziert. Viele Kassen bieten nur Online- oder Postweg an – eine telefonische Option fehlt. Im Mai 2025 zeigte zudem ein Sicherheitsvorfall, dass Unbefugte Schutzvorkehrungen der App überwinden konnten.
Gematik plant technischen Neustart
Die Gesellschafter der gematik haben im Juni 2026 eine Modernisierung der Telematikinfrastruktur (TI) beschlossen. Ziel ist die sogenannte TI 2.0: eine offene Plattform-Architektur mit Open-Source-Prinzipien und Cloud-Nutzung.
Zentrale Dienste wie E-Rezept und ePA sollen auf einer gemeinsamen Plattform laufen. Das reduziert den Bedarf an Spezial-Hardware in den Praxen und ermöglicht mobile Nutzung sowie digitale Identitäten. Branchenverbände wie der bvitg fordern dabei weniger technische Komplexität für die Anwender.
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Digitale Patientensteuerung ab 2028
Die ePA soll künftig Patientenströme lenken. Der GKV-Spitzenverband schlägt vor, dringende Facharzttermine über elektronische Überweisungen und eine digitale Terminbörse zu koordinieren. Ab Februar 2028 ist ein digitaler Versorgungseinstieg über die ePA-Apps geplant. Patienten könnten dann schon vor dem ersten Arztkontakt ihre Beschwerden einordnen und in die richtige Versorgungsebene geleitet werden.
Politisch bleibt die Ausrichtung umstritten. Die Koalition setzt auf ein Primärarztsystem mit Hausarzt als Lotse. Oppositionsvertreterin Janine Wissler (Linke) fordert dagegen eine Reform gegen die Zweiklassenmedizin. Auch die Finanzierung sorgt für Zündstoff: Die Krankenkassen tragen jährlich rund 100 Millionen Euro der gematik-Kosten und verlangen ein Mitbestimmungsrecht sowie mehr Steuerfinanzierung.
